Prä­senz­be­schu­lung im Wech­sel­mo­dell – und der voll­stän­di­ge Aus­schluss ein­zel­ner Klassenstufen

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin hat meh­re­ren Eil­an­trä­gen von Schü­lern gegen die der­zei­ti­gen Rege­lun­gen zum pan­de­mie­be­ding­ten Schul­be­trieb teil­wei­se stattgegeben.

Prä­senz­be­schu­lung im Wech­sel­mo­dell – und der voll­stän­di­ge Aus­schluss ein­zel­ner Klassenstufen

Gemäß § 13 Abs. 4 Satz 1 der Zwei­ten SARS-CoV-2-Infek­ti­ons­schutz­maß­nah­me­ver­ord­nung darf an Schu­len Lehr­be­trieb in Prä­senz grund­sätz­lich nicht statt­fin­den. Die sog. Schul-Hygie­ne-Covid-19-Ver­ord­nung lässt hier­von Abwei­chun­gen für die an das Infek­ti­ons­ge­sche­hen ange­pass­te Wie­der­auf­nah­me des Lehr­be­triebs zu. Danach wird in den Jahr­gangs­stu­fen 1 bis 3 der Pri­mar­stu­fe seit dem 22. Febru­ar 2021 ein Wech­sel­un­ter­richt in hal­bier­ter Klas­sen­stär­ke ange­bo­ten, seit dem 7. März 2021 auch für die Jahr­gangs­stu­fen 4 bis 6. Auch für die Abschluss­jahr­gangs-stu­fen (Klas­sen­stu­fen 10 bzw. 12, 13) kann aktu­ell ein sol­cher Prä­sen­z­wech­sel­un­ter­richt ange­bo­ten wer­den, aller­dings nach Ein­zel­fall­ent­schei­dung der jewei­li­gen Schu­le im Ein­ver­neh­men mit der Schul­auf­sichts­be­hör­de. Ab dem 17. März 2021 wird für alle Schü­ler ab der Jahr­gangs­stu­fe 10 wie­der ein Prä­senz­un­ter­richt in fes­ten Lern-grup­pen in hal­bier­ter Grö­ße ange­bo­ten. Dabei ist jeweils nach Anla­ge 2 der Schul-Hygie­ne-Covid-19-Ver­ord­nung wäh­rend der „Stu­fe rot“ unter ande­rem in geschlos­se­nen Räu­men eine Mund-Nasen-Bede­ckung zu tragen.

Gegen die­ses Beschu­lungs­mo­dell set­zen sich sie­ben Schü­lern der Pri­mar­stu­fe sowie der Jahr­gangs­stu­fen 7 und 9 mit Eil­an­trä­gen vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt zur Wehr. Sie sehen sich dadurch in ihren Grund­rech­ten ver­letzt und wol­len eine Voll­be­schu­lung erstrei­ten – sechs der sie­ben Antrag­stel­ler unter Befrei­ung von der Pflicht, eine Mund-Nasen-Bede­ckung zu tra­gen. Der Antrags­geg­ner ver­tei­digt die maß­geb­li­chen Bestim­mun­gen der Ver­ord­nung und ins­be­son­de­re den Aus­schluss der Mit­tel­stu­fe unter ande­rem damit, dass dort Abschluss­prü­fun­gen nicht unmit­tel­bar bevor­stün­den und Kin­der im Alter zwi­schen sechs und zehn Jah­ren ein gerin­ge­res Infek­ti­ons­ri­si­ko hät­ten. Zudem bestehe die Mög­lich­keit der Teil­nah­me am schu­lisch ange­lei­te­ten Ler­nen zu Hause.

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Das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin hat den Eil­an­trä­gen teil­wei­se stattgegeben:

Eine Voll­be­schu­lung könn­ten die Schü­ler zwar eben­so wenig bean­spru­chen wie eine Beschu­lung ohne Mund-Nasen-Bede­ckung. Die die­sen Begeh­ren ent­ge­gen­ste­hen­den Rege­lun­gen sei­en ange­sichts des der­zei­ti­gen Infek­ti­ons­ge­sche­hens und in Anbe­tracht der Emp­feh­lun­gen des Robert-Koch-Insti­tuts wei­ter­hin als (noch) ver­hält­nis­mä­ßig anzu­se­hen. Soweit ein­zel­ne Jahr­gangs­stu­fen jen­seits der Pri­mar­stu­fe und der Abschluss­klas­sen zur­zeit von der Prä­senz­be­schu­lung im Wech­sel­mo­dell voll­stän­dig aus­ge­schlos­sen sei­en, erwei­se sich dies hin­ge­gen als gleich­heits- und des­halb rechts­wid­rig. Denn die vom Antrags­geg­ner für den Aus­schluss der Klas­sen 7 bis 9 vom Prä­senz­un­ter­richt ange­führ­ten Grün­de recht­fer­ti­gen kei­ne Ungleich­be­hand­lung der Antrag­stel­ler gegen­über Schü­lern der Abschluss­klas­sen. Ins­be­son­de­re tra­ge der Ver­weis auf feh­len­de Abschluss­prü­fun­gen nicht, da Prä­sen­z­wech­sel­un­ter­richt auch Jahr­gangs­stu­fen offen­ste­he, in denen kei­ne Abschluss­prü­fun­gen abzu­le­gen sei­en, nament­lich den Jahr­gangs­stu­fen 5, 6 und 11. Aus die­sem Grund kön­ne der Aus­schluss der Jahr­gangs­stu­fen 7 bis 9 vom Prä­senz­un­ter­richt auch nicht mit der mut­maß­lich gerin­ge­ren Anste­ckungs­ge­fahr im Alter zwi­schen sechs und zehn Jah­re begrün­det wer­den. Schließ­lich sei­en Schü­ler der Jahr­gangs­stu­fen 5, 6 und 11 regel­mä­ßig älter als zehn Jah­re. Das schu­lisch ange­lei­te­te Ler­nen zu Hau­se sei kein gleich­wer­ti­ger Ersatz für Präsenzunterricht.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin hat den Antrags­geg­ner zur Siche­rung der Rech­te der Schü­ler der Jahr­gangs­stu­fen 7 und 9 daher ver­pflich­tet, bis zur anste­hen­den Anpas­sung der Schul-Hygie­ne-Covid-19-Ver­ord­nung die ver­gleich­ba­ren Rege­lun­gen die­ser Ver­ord­nung auf die Schü­ler ent­spre­chend anzuwenden.

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Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin, Beschlüs­se vom 10. März 2021 – VG 3 L 51/​21, VG 3 L 57/​21, VG 3 L 58/​21, VG 3 L 59/​21, VG 3 L 60/​21, VG 3 L 61/​21 und VG 3 L 62/​21

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