Pres­se­ar­beit der Poli­zei in NRW

Das nord­rhein-west­fä­li­sche Innen­mi­nis­te­ri­um in Düs­sel­dorf hat in einem Rund­erlass Grund­sät­ze für die Pres­se- und Öffent­lich­keits­ar­beit der Poli­zei in Nord­rhein-West­fa­len neu auf­ge­stellt:

Pres­se­ar­beit der Poli­zei in NRW

All­ge­mei­ne Zie­le und Maß­stä­be

Die Pres­se- und Öffent­lich­keits­ar­beit ori­en­tiert sich an fol­gen­den Zie­len und Maß­stä­ben:

  • Sie erfüllt ihre Infor­ma­ti­ons­ver­pflich­tung nach § 4 Lan­des­pres­se­ge­setz NRW und schafft die Grund­la­ge für eine objek­ti­ve Bericht­erstat­tung in den Medi­en.
  • Sie ver­deut­licht der Bevöl­ke­rung den gesetz­li­chen Auf­trag der Poli­zei und wirbt für deren Leis­tungs­fä­hig­keit.
  • Sie ver­mit­telt ein objek­ti­ves Bild der Poli­zei in der Öffent­lich­keit; sie stärkt das Ver­trau­en in pro­fes­sio­nel­le poli­zei­li­che Auf­ga­ben­er­le­di­gung und damit das Sicher­heits­ge­fühl der Bevöl­ke­rung.
  • Sie infor­miert anlass­be­zo­gen die Öffent­lich­keit, um die­se zu sen­si­bi­li­sie­ren oder zur Mit­wir­kung zu ver­an­las­sen.
  • Sie för­dert die Ver­hal­tens­wei­sen der Bür­ge­rin­nen und Bür­ger, die deren Sicher­heit die­nen und stärkt deren Bereit­schaft, auch auf die Sicher­heit der Mit­men­schen zu ach­ten.
  • Sie lei­tet zu geset­zes­kon­for­mem Ver­hal­ten an und bestärkt es.
  • Sie wirkt bei der Bewäl­ti­gung publi­zis­ti­scher Kri­sen mit.
  • Sie för­dert die Iden­ti­fi­ka­ti­on ihrer Beschäf­tig­ten mit den poli­zei­li­chen Auf­ga­ben, Zie­len und Stra­te­gi­en.

Ein Maß­stab für die Zusam­men­ar­beit mit den Medi­en sind dar­über hin­aus auch die „Richt­li­ni­en für die publi­zis­ti­sche Arbeit nach den Emp­feh­lun­gen des deut­schen Pres­se­rats“ (Pres­se­ko­dex) in der aktu­ell gül­ti­gen Fas­sung.

Inhalt der Pres­se­aus­künf­te

Mit­tei­lun­gen an die Pres­se haben sich grund­sätz­lich auf die Wie­der­ga­be des Sach­ver­halts zu beschrän­ken. Dies gilt ins­be­son­de­re für Ermitt­lungs­vor­gän­ge.

Über Ermitt­lungs­vor­gän­ge wird so berich­tet, dass die Iden­ti­tät betrof­fe­ner Per­so­nen nicht preis­ge­ge­ben wird. Ins­be­son­de­re unter­bleibt die Bekannt­ga­be von Namen, Namens­kür­zeln und Anschrif­ten. Das gilt auch für die Bekannt­ga­be der Daten von Getö­te­ten.

Im Fal­le der Öffent­lich­keits­fahn­dung zu Zwe­cken der Straf­ver­fol­gung oder der Gefah­ren­ab­wehr darf hier­von abge­wi­chen wer­den, soweit dies recht­lich zuläs­sig ist.

Anga­ben über Kör­per­schä­den nach Unfäl­len, Sui­zi­den bzw. Sui­zid­ver­su­chen oder Straf­ta­ten beschrän­ken sich auf den Grad der Schwe­re. Über Per­so­nen der Zeit­ge­schich­te sind eben­falls ent­spre­chen­de Anga­ben im erfor­der­li­chen Umfang zuläs­sig. Wer­ten­de Fest­stel­lun­gen wer­den grund­sätz­lich nicht getrof­fen.

Äuße­run­gen zur Vor­werf­bar­keit eines Ver­hal­tens oder über die Ver­ant­wort­lich­keit von Per­so­nen unter­blei­ben grund­sätz­lich.

Auf die Zuge­hö­rig­keit zu einer Min­der­heit wird in der inter­nen und exter­nen Bericht­erstat­tung nur hin­ge­wie­sen, wenn sie für das Ver­ständ­nis eines Sach­ver­halts oder für die Her­stel­lung eines sach­li­chen Bezugs zwin­gend erfor­der­lich ist. Die „Leit­li­ni­en für die Poli­zei des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len zum Schutz natio­na­ler Min­der­hei­ten vor Dis­kri­mi­nie­run­gen“ 1 sind zu beach­ten.

Die Inhal­te von Pres­se­aus­künf­ten wer­den so gestal­tet, dass sie kei­ne Tat­an­rei­ze schaf­fen. Bei Straf­ta­ten, die zu einem Ver­mö­gens­scha­den geführt haben, wer­den grund­sätz­lich kei­ne Scha­dens­sum­men mit­ge­teilt, es sei denn, die oder der Geschä­dig­te hat dem zuge­stimmt oder es besteht ein über­wie­gen­des Infor­ma­ti­ons­in­ter­es­se. Über beson­de­re Ermitt­lungs­me­tho­den, ‑hil­fen und ‑tak­ti­ken wird grund­sätz­lich nicht berich­tet. Glei­ches gilt für die Orga­ni­sa­ti­on, die Aus­stat­tung und Aus­rüs­tung von Spe­zi­al­ein­hei­ten.

Berich­te über Straf­ta­ten sol­len in der öffent­li­chen Dar­stel­lung genutzt wer­den, um Emp­feh­lun­gen zur Ver­hü­tung von Kri­mi­na­li­tät zu geben.

Über Vor­fäl­le im Zusam­men­hang mit dem Stra­ßen­ver­kehr wird nach Mög­lich­keit so berich­tet, dass die Mit­tei­lun­gen an die Medi­en zugleich ver­kehrs­si­cher­heits­för­dernd und ‑auf­klä­rend wir­ken.

Über beab­sich­tig­te Per­so­nal­maß­nah­men wer­den aus Grün­den der Für­sor­ge­pflicht des Dienst­herrn grund­sätz­lich kei­ne Aus­künf­te erteilt. Glei­ches gilt für beab­sich­tig­te oder getrof­fe­ne Ent­schei­dun­gen in Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren.

Bei der Ver­öf­fent­li­chung von ein­satz­be­zo­ge­nen Fotos, die nicht einem poli­zei­li­chen Zweck (z.B. Straf­ver­fol­gung, Gefah­ren­ab­wehr, Prä­ven­ti­on) die­nen, ist das Inter­es­se von Foto­jour­na­lis­ten ange­mes­sen zu berück­sich­ti­gen

Pres­se­aus­künf­te bei der Ver­fol­gung von Straf­ta­ten und Ord­nungs­wid­rig­kei­ten

Pres­se­aus­künf­te über straf­recht­li­che Ermitt­lungs­ver­fah­ren erteilt grund­sätz­lich die Staats­an­walt­schaft.

Die ermitt­lungs­füh­ren­de Poli­zei­be­hör­de kann die Medi­en dann unter­rich­ten, wenn die Staats­an­walt­schaft ihr Ein­ver­ständ­nis dazu im Ein­zel­fall erteilt hat.

Bei Ver­bre­chen gemäß § 74 Abs. 2 GVG, sons­ti­gen der schwe­ren Kri­mi­na­li­tät zuzu­ord­nen­den Ver­bre­chen und zu den Ermitt­lun­gen bei grö­ße­ren Gefah­ren – und Scha­dens­la­gen (z.B. Explo­sio­nen, Flug­un­fäl­len, Eisen­bahn­un­fäl­len) ent­schei­det die Staats­an­walt­schaft, ob, durch wen und in wel­cher Form die Medi­en unter­rich­tet wer­den.

In Ermitt­lungs­ver­fah­ren, die wegen der Art oder des Umfangs der Beschul­di­gung (z.B. umfang­rei­che Kor­rup­ti­ons­fäl­le), wegen der Per­sön­lich­keit oder der Stel­lung eines Betei­lig­ten (z.B. Straf­ta­ten von Per­so­nen, die im poli­ti­schen Leben ste­hen oder von lei­ten­den Amts­trä­gern im öffent­li­chen Dienst), oder aus ande­ren Grün­den vor­aus­sicht­lich Gegen­stand von Berich­ten in den über­ört­li­chen Medi­en sein wer­den, wer­den Pres­se­aus­künf­te nur im Ein­ver­neh­men mit der Staats­an­walt­schaft abge­ge­ben.

Ohne vor­he­ri­ge Abstim­mung mit der Staats­an­walt­schaft kann die Poli­zei die Medi­en über Ver­kehrs­straf­sa­chen und Straf­sa­chen der leich­ten und mitt­le­ren Kri­mi­na­li­tät unter­rich­ten. Über die Ver­fol­gung von Ord­nungs­wid­rig­kei­ten unter­rich­tet sie selb­stän­dig.

Minis­te­ri­um für Inne­res und Kom­mu­na­les, Rund­erlass "Pres­se- und Öffent­lich­keits­ar­beit der Poli­zei Nord­rhein-West­fa­len" vom 15. Novem­ber 2011 – 401 – 58.02.05, MBl.NRW 2012, S. 1 – 20

  1. Rund­erlass des Innen­mi­nis­te­ri­ums vom 15.12.2008 (SMBl. NRW. 2051) []