Pres­se­aus­kunfts­an­sprü­che gegen­über der staat­li­chen Lie­gen­schafts­ver­wal­tung

Der Schutz von Betriebs- und Geschäfts­ge­heim­nis­sen schließt Pres­se­aus­kunfts­an­sprü­che gegen­über der staat­li­chen Lie­gen­schafts­ver­wal­tung nicht zwin­gend aus. Pres­se­ver­tre­ter kön­nen bei über­wie­gen­dem Infor­ma­ti­ons­in­ter­es­se von der staat­li­chen Lie­gen­schafts­ver­wal­tung Aus­kunft auch über Sach­ver­hal­te ver­lan­gen, die dem Schutz von Betriebs- und Geschäfts­ge­heim­nis­sen unter­lie­gen.

Pres­se­aus­kunfts­an­sprü­che gegen­über der staat­li­chen Lie­gen­schafts­ver­wal­tung

In dem jetzt vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig ent­schie­de­nen Fall waren die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land und das Land Ber­lin jeweils Eigen­tü­mer von Teil­flä­chen des Flug­ha­fens Tem­pel­hof. Im Anschluss an die Schlie­ßung des Flug­ha­fens schlos­sen sie mit der eben­falls bei­gela­de­nen BREAD & but­ter GmbH & Co. KG einen pri­vat­recht­li­chen Miet­ver­trag über Tei­le des ehe­ma­li­gen Flug­ha­fen­ge­län­des zur Durch­füh­rung von zwei etwa vier­wö­chi­gen Mode­mes­sen pro Jahr. Ein Jour­na­list begehr­te von der beklag­ten Bun­des­an­stalt für Immo­bi­li­en­auf­ga­ben (BImA) u.a. Aus­kunft über die Höhe des Miet­zin­ses sowie wei­te­re Ver­trags­be­stim­mun­gen. Nach Ver­wei­ge­rung der Aus­kunft hat der Klä­ger Kla­ge erho­ben, auf die im Beru­fungs­ver­fah­ren das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nordhr­ein-West­fa­len in Müns­ter die BImA ver­ur­teilt hat, dem Klä­ger Aus­kunft über die betrof­fe­nen Bestim­mun­gen des Miet­ver­trags zu ertei­len 1. Die hier­ge­gen gerich­te­ten Revi­sio­nen der BImA und der BREAD & but­ter GmbH & Co. KG hat nun das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt zurück­ge­wie­sen:

Zwar hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Müns­ter nach Ansicht des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts zu Unrecht das Lan­des­pres­se­ge­setz für anwend­bar gehal­ten. Die Rege­lung von Pres­se­aus­kunfts­pflich­ten obliegt in Bezug auf das Bun­des­lie­gen­schafts­we­sen eben­so wie bei ande­ren dem Bund zuge­wie­se­nen Sach­ma­te­ri­en nicht den Gesetz­ge­bern der Län­der, son­dern dem Bun­des­ge­setz­ge­ber. Das ange­foch­te­ne Beru­fungs­ur­teil stellt sich jedoch im Ergeb­nis als rich­tig dar:

Da der Bun­des­ge­setz­ge­ber bis­lang kei­ne Rege­lun­gen zu Pres­se­aus­kunfts­pflich­ten getrof­fen hat, steht – wie das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt bereits im Febru­ar 2013 ent­schie­den hat – Pres­se­ver­tre­tern ein ver­fas­sungs­un­mit­tel­ba­rer Anspruch auf Aus­kunfts­er­tei­lung zu, soweit nicht berech­tig­te schutz­wür­di­ge Inter­es­sen Pri­va­ter oder öffent­li­cher Stel­len an der Ver­trau­lich­keit von Infor­ma­tio­nen ent­ge­gen­ste­hen. Im vor­lie­gen­den Fall über­wiegt das Infor­ma­ti­ons­in­ter­es­se des Klä­gers als Pres­se­ver­tre­ter die Ver­trau­lich­keits­in­ter­es­sen der übri­gen Betei­lig­ten. Anhand der betrof­fe­nen Ver­trags­be­stim­mun­gen wird dem Klä­ger ermög­licht, sich ein Urteil über die Wirt­schaft­lich­keit der Ver­mie­tung an die BREAD & but­ter GmbH & Co. KG zu bil­den. Dem kommt des­halb beson­de­res Gewicht zu, weil in der Öffent­lich­keit ange­sichts bestimm­ter Umstän­de des Ent­schei­dungs­ver­fah­rens Zwei­fel an der Wirt­schaft­lich­keit der Ver­mie­tung arti­ku­liert wor­den sind. Der Schutz von Betriebs- und Geschäfts­ge­heim­nis­sen, dem die betrof­fe­nen Ver­trags­be­stim­mun­gen unter­lie­gen, muss dahin­ter zurück­ste­hen.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 25. März 2015 – 6 C 12.2014 -

  1. OVG NRW, Urteil vom 18.12.2013 – 5 A 413/​11[]