Pri­vat­schu­len – und die Qua­li­fi­ka­ti­on der Lehr­kräf­te

Der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg hat drei gegen Beschlüs­se des Ver­wal­tungs­ge­richts Sig­ma­rin­gen gerich­te­te Beschwer­den des Trä­gers einer Pri­vat­schu­le zurück­ge­wie­sen, mit denen des­sen Eil­an­trä­ge gegen den Wider­ruf der Geneh­mi­gun­gen der pri­va­ten Haupt‑, Real- und Gemein­schafts­schu­le durch das Regie­rungs­prä­si­di­um Tübin­gen abge­lehnt wor­den waren.

Pri­vat­schu­len – und die Qua­li­fi­ka­ti­on der Lehr­kräf­te

Der Schul­trä­ger, der Freie Schu­le All­gäu e.V., betreibt mit ent­spre­chen­den Geneh­mi­gun­gen in Wan­gen eine pri­va­te Grund‑, Haupt‑, Real- und Gemein­schafts­schu­le. Mit Beschei­den vom 21.08.2018 wider­rief das Regie­rungs­prä­si­di­um Tübin­gen jeweils die Geneh­mi­gun­gen der pri­va­ten Haupt‑, Real- und Gemein­schafts­schu­le und ord­ne­te die sofor­ti­ge Voll­zie­hung der Wider­rufs­be­schei­de an. Der Wider­ruf wur­de ins­be­son­de­re damit begrün­det, dass eine erheb­li­che Zahl der ein­ge­setz­ten Lehr­kräf­te nicht über die erfor­der­li­che fach­li­che Qua­li­fi­ka­ti­on ver­fü­ge.

Eil­an­trä­ge des Schul­trä­gers, die auf­schie­ben­de Wir­kung sei­ner gegen die Wider­rufs­ver­fü­gun­gen erho­be­nen Kla­gen wie­der­her­zu­stel­len, lehn­te das Ver­wal­tungs­ge­richt Sig­ma­rin­gen ab. Hier­ge­gen wand­te sich der Schul­trä­ger mit den Beschwer­den, die jedoch vor dem Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg in Mann­heim kei­nen Erfolg hat­ten:

Wie das Ver­wal­tungs­ge­richt hielt auch der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof bei Berück­sich­ti­gung der wech­sel­sei­ti­gen öffent­li­chen und pri­va­ten Inter­es­sen eine Aus­set­zung des ange­ord­ne­ten Sofort­voll­zugs nicht für ange­zeigt. Die vom Schul­trä­ger betrie­be­nen Pri­vat­schu­len hät­ten in der wis­sen­schaft­li­chen Aus­bil­dung ihrer Lehr­kräf­te hin­ter den öffent­li­chen Schu­len zurück­ge­stan­den. Zwar ver­lan­ge die Ver­fas­sung und das Pri­vat­schul­ge­setz inso­weit kei­ne Gleich­ar­tig­keit, son­dern nur eine Gleich­wer­tig­keit mit öffent­li­chen Schu­len. Bei der Prü­fung der Gleich­wer­tig­keit der (fach-)wissenschaftlichen Aus­bil­dung der Lehr­kräf­te kön­ne indes auch dem Umstand beson­de­re Bedeu­tung zukom­men, dass Lehr­kräf­te über kei­ne (fach-)wissenschaftliche Aus­bil­dung bezo­gen auf sol­che Fächer ver­fü­gen, denen nach den für öffent­li­che Schu­len gel­ten­den nor­ma­ti­ven Vor­ga­ben ein beson­de­rer Stel­len­wert für den Abschluss des Bil­dungs­gan­ges ein­ge­räumt wird.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt sei zutref­fend zu der Ein­schät­zung gelangt, dass die wis­sen­schaft­li­che Aus­bil­dung der vom Schul­trä­ger zum maß­geb­li­chen Zeit­punkt der Wider­rufs­ver­fü­gun­gen an den ver­schie­de­nen Schul­ar­ten ein­ge­setz­ten Lehr­kräf­te der­je­ni­gen an einer ver­gleich­ba­ren öffent­li­chen Schu­le nicht gleich­wer­tig gewe­sen sei. Die Fächer Eng­lisch und Mathe­ma­tik, bei denen es sich um Pflicht­fä­cher und schrift­li­che Prü­fungs­fä­cher han­de­le, wür­den voll­stän­dig bzw. zu einem erheb­li­chen Teil von Lehr­kräf­ten unter­rich­tet, die kein Stu­di­um in die­sen Fächern und auch kei­ne ver­gleich­ba­re wis­sen­schaft­li­che Aus­bil­dung nach­ge­wie­sen hät­ten. Dar­über hin­aus wür­den die Fächer Geo­gra­phie, Gemein­schafts­kun­de, Bio­lo­gie, AES (All­tags­kul­tur, Ernäh­rung, Sozia­les) und Kunst fach­fremd unter­rich­tet. Auch die Berück­sich­ti­gung des wei­te­ren Beschwer­de­vor­brin­gens zur Qua­li­fi­ka­ti­on des vom Schul­trä­ger gegen­wär­tig ein­ge­setz­ten Lehr­kör­pers füh­re zu kei­ner abwei­chen­den Beur­tei­lung. Ins­ge­samt recht­fer­tig­ten die­se Umstän­de den Wider­ruf der Geneh­mi­gun­gen und die Anord­nung der sofor­ti­gen Voll­zie­hung.

Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg – Beschlüs­se vom 18. Janu­ar 2019 – 9 S 2547/​18; 9 S 2548/​18 und 9 S 2549/​18