Pro­gres­si­ve Kreis­um­la­ge

Eine Kreis­um­la­ge kann auch pro­gres­siv gestal­tet wer­den und damit finanz­star­ke Kom­mu­nen stär­ker belas­ten. So beur­teil­te das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz in Koblenz jetzt die Kreis­um­la­ge des Eifel­krei­ses Bit­burg-Prüm für das Jahr 2009 auch inso­weit für recht­mä­ßig, als der Kreis durch eine pro­gres­si­ve Staf­fe­lung des Umla­ge­sat­zes über­durch­schnitt­li­che Steu­er­kraft ein­zel­ner beson­ders finanz­star­ker Gemein­den teil­wei­se abge­schöpft hat.

Pro­gres­si­ve Kreis­um­la­ge

In sei­ner Haus­halts­sat­zung für das Jahr 2009 setz­te der beklag­te Eifel­kreis Bit­burg-Prüm den Ein­gangs­um­la­ge­satz für die Kreis­um­la­ge auf 37,1% fest. Für über­durch­schnitt­lich steu­er­star­ke Gemein­den mach­te der Kreis dar­über hin­aus von der gesetz­li­chen Mög­lich­keit einer pro­gres­si­ven Fest­set­zung der Kreis­um­la­ge Gebrauch. Der Umla­ge­satz kann danach – abhän­gig von der jewei­li­gen Steu­er­kraft – stu­fen­wei­se bis auf rund 53,8% stei­gen. Die klei­ne, aber steu­er­star­ke Orts­ge­mein­de Mal­berg­weich wur­de hier­nach zu einer Kreis­um­la­ge von über 305.000 € her­an­ge­zo­gen. Ihre hier­ge­gen gerich­te­te Kla­ge wies erst­in­stanz­lich bereits das Ver­wal­tungs­ge­richt Trier ab 1. Die­se Ent­schei­dung hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz nun­mehr bestä­tigt.

Die im Lan­des­fi­nanz­aus­gleichs­ge­setz vor­ge­se­he­ne Befug­nis der Krei­se, die über­durch­schnitt­li­che Steu­er­kraft ein­zel­ner Gemein­den durch einen pro­gres­si­ven Kreis­um­la­ge­satz teil­wei­se abzu­schöp­fen, sei mit der ver­fas­sungs­recht­lich gewähr­leis­te­ten kom­mu­na­len Selbst­ver­wal­tungs­ga­ran­tie ver­ein­bar. Die hohe Steu­er­kraft ein­zel­ner Gemein­den kön­ne dazu füh­ren, dass der Kreis vom Land gerin­ge­re Finanz­zu­wei­sun­gen erhal­te. Die­ser Nach­teil dür­fe durch eine ent­spre­chend höhe­re, pro­gres­si­ve Kreis­um­la­ge an die betref­fen­den Gemein­den wei­ter­ge­ge­ben wer­den. Zu einer Ein­eb­nung oder gar Umkeh­rung von Finanz­kraft­un­ter­schie­den zwi­schen den Gemein­den kön­ne es hier­durch nur in sel­te­nen Aus­nah­me­fäl­len und auch nur im Zusam­men­spiel mit ande­ren Umla­ge­ver­pflich­tun­gen der Gemein­de und den Zuwei­sun­gen kom­men.

Auch die kon­kre­te Aus­ge­stal­tung der Umla­ge­sät­ze in der Haus­halts­sat­zung des beklag­ten Krei­ses begeg­ne kei­nen Beden­ken. Die Finanz­aus­stat­tung der Kom­mu­nen in Rhein­land-Pfalz sei ins­ge­samt seit Jah­ren unzu­rei­chend, was sich nach einem erst kürz­lich ergan­ge­nen Vor­la­ge­be­schluss des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts an den Ver­fas­sungs­ge­richts­hof als Ver­fas­sungs­ver­stoß des Lan­des dar­stel­le (vgl. hier­zu die Pres­se­mit­tei­lung Nr. 5/​2011). Vor die­sem Hin­ter­grund kön­ne es im Innen­ver­hält­nis der Krei­se zu ihren Gemein­den nur noch um eine ver­tret­ba­re Tei­lung der Las­ten und damit auch der Defi­zi­te gehen. Eine Kreis­um­la­ge sei daher erst dann nicht mehr hin­nehm­bar, wenn der Kreis mit ihr will­kür­lich und rück­sichts­los eige­ne Inter­es­sen zu Las­ten sei­ner Gemein­den ver­fol­ge, wovon vor­lie­gend nicht die Rede sein kön­ne. Nicht nur die kla­gen­de Orts­ge­mein­de, son­dern auch der Eifel­kreis habe mit einem erheb­li­chen Haus­halts­de­fi­zit zu kämp­fen. Den­noch habe er aus Rück­sicht auf sei­ne Gemein­den von einer wei­te­ren Erhö­hung der Kreis­um­la­ge abge­se­hen.

Der Kreis habe über die Kreis­um­la­ge auch kei­ne Auf­ga­ben finan­ziert, die eigent­lich allein in die Zustän­dig­keit sei­ner Gemein­den fie­len. Die von der Klä­ge­rin bean­stan­de­ten Vor­ha­ben der Wirt­schafts- und Frem­den­ver­kehrs­för­de­rung hät­ten jeden­falls auch über­ört­li­che Bedeu­tung, so dass der Kreis sich an ihnen habe betei­li­gen dür­fen. Dies gel­te ins­be­son­de­re für das Kon­ver­si­ons­ob­jekt „Flug­platz Bit­burg“, wel­ches nach sei­nem Zuschnitt und sei­nen Aus­wir­kun­gen für Wirt­schaft und Ver­kehr weit über eine Gemein­de von der Grö­ße der Stadt Bit­burg hin­aus­ge­he. Auch die Betei­li­gung des Krei­ses am Kur­cen­ter in Prüm sei letzt­lich nicht zu bean­stan­den. Die­ses zie­he auch Gäs­te aus den benach­bar­ten Ver­bands­ge­mein­den an und wer­de dar­über hin­aus im Rah­men des Schul­schwim­mens durch meh­re­re vom Kreis getra­ge­ne Schu­len genutzt.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Urteil vom 28. April 2011 – 2 A 11423/​10.OVG

  1. VG Trier, Urteil vom 16.11.2010 – 1 K 100/​10.TR[]