Pro­zess­kos­ten­hil­fe – und die Erle­di­gung vor Ent­schei­dungs­rei­fe

Zwar steht der Bewil­li­gung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe nicht ent­ge­gen, dass das Ver­fah­ren bereits erle­digt ist, wenn der Antrag bereits zu einem Zeit­punkt vor Erle­di­gung der Haupt­sa­che bewil­li­gungs­reif war1.

Pro­zess­kos­ten­hil­fe – und die Erle­di­gung vor Ent­schei­dungs­rei­fe

Etwas ande­res gilt aber, wenn die Erklä­rung über die per­sön­li­chen und wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se erst nach der Erle­di­gung der Haupt­sa­che bei Gericht ein­geht2 oder gar nicht vor­ge­legt wird.

So auch in dem hier vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ent­schie­de­nen Fall: Soweit dem Antrag auf Bewil­li­gung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe und Bei­ord­nung von Rechts­an­walt O. mit Blick auf den vor den Fach­ge­rich­ten ver­folg­ten Anspruch auf vor­läu­fi­ge Ver­sor­gung mit Medi­zi­nal-Can­na­bis­blü­ten mög­li­cher Wei­se Erfolgs­aus­sich­ten zuge­kom­men sein mögen, fehlt es an der Dar­le­gung der per­sön­li­chen und wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se der Beschwer­de­füh­re­rin bis zum Zeit­punkt der dies­be­züg­li­chen Erle­di­gung des Ver­fas­sungs­be­schwer­de­ver­fah­rens3. Bis zum Ein­gang der Teil­rück­nah­me­er­klä­rung beim Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt war der Antrag auf Bewil­li­gung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe nicht bewil­li­gungs­reif, da die Erklä­rung über die per­sön­li­chen und wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se (§ 117 Abs. 2 bis 4 ZPO) im ver­fas­sungs­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren nicht vor­ge­legt wor­den ist.

Die Bezug­nah­me auf die „in der ers­ten Instanz vor­ge­leg­te Erklä­rung der Beschwer­de­füh­re­rin” genügt nicht den Anfor­de­run­gen, die an die Vor­la­ge von ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Unter­la­gen in einem Ver­fas­sungs­be­schwer­de­ver­fah­ren zu stel­len sind4. Da nach der Teil­rück­nah­me der Ver­fas­sungs­be­schwer­de Bewil­li­gungs­rei­fe nicht mehr her­bei­ge­führt wer­den konn­te, bedurf­te es auch kei­nes ent­spre­chen­den Hin­wei­ses durch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 27. Okto­ber 2017 – 1 BvR 1746/​16

  1. vgl. Dürbeck/​Gottschalk, Pro­zess- und Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe, Bera­tungs­hil­fe, 8. Aufl.2016, Rn. 602 ff.
  2. vgl. OLG Bam­berg, Beschluss vom 09.01.1997 – 7 WF 190/​96, juris; vgl. auch BGH, Beschluss vom 30.09.1981 – IVb ZR 694/​80
  3. vgl. BVerfG, Beschluss vom 26.02.2003 – 2 BvR 990/​00 4
  4. vgl. BVerfG, Beschlüs­se vom 21.10.2014 – 1 BvR 2580/​14 17; und vom 12.11.2008 – 1 BvR 2492/​06 4