Pro­zes­s­ur­teil statt Sachur­teil

Ent­schei­det ein Gericht durch Pro­zes­s­ur­teil anstatt durch Sachur­teil, kann dar­in ein Ver­fah­rens­feh­ler lie­gen [1].

Pro­zes­s­ur­teil statt Sachur­teil

Das ist der Fall, wenn eine sol­che Ent­schei­dung auf einer feh­ler­haf­ten Anwen­dung der pro­zes­sua­len Vor­schrif­ten beruht, z.B. einer Ver­ken­nung ihrer Begriffs­in­hal­te und der zugrun­de zu legen­den Maß­stä­be (vgl. zu § 42 Abs. 2 VwGO: BVerwG, Beschluss vom 23.01.1996 – 11 B 150.95, Buch­holz 424.5 GrdstVG Nr. 1 = NVwZ-RR 1996, 369).

Kein Ver­fah­rens­man­gel liegt jedoch vor, wenn bei der Anwen­dung des Pro­zess­rechts Vor­fra­gen zur mate­ri­el­len Rechts­la­ge feh­ler­haft bestimmt wer­den [2]. Denn bei der Beur­tei­lung, ob ein Ver­fah­rens­man­gel vor­liegt, ist von der mate­ri­ell­recht­li­chen Rechts­auf­fas­sung des iudex a quo aus­zu­ge­hen, selbst wenn die­se ver­fehlt sein soll­te [3].

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 14. April 2016 – 1 B 2.16

  1. vgl. BVerwG, Beschluss vom 04.07.1968 – 8 B 110.67, BVerw­GE 30, 111, 113[]
  2. vgl. BVerwG, Beschluss vom 17.11.2009 – 7 B 25.09, NVwZ 2010, 256, 258[]
  3. BVerwG, Urteil vom 14.01.1998 – 11 C 11.96, BVerw­GE 106, 115, 119[]