Prü­fungs­um­fang in der Beru­fungs­zu­las­sung

Art. 19 Abs. 4 GG ent­hält ein Grund­recht auf effek­ti­ven und mög­lichst lücken­lo­sen rich­ter­li­chen Rechts­schutz gegen Akte der öffent­li­chen Gewalt [1]. Dabei for­dert Art. 19 Abs. 4 GG zwar kei­nen Instan­zen­zug [2], eröff­net das Pro­zess­recht aber meh­re­re Instan­zen, so darf der Zugang zu ihnen nicht in unzu­mut­ba­rer und durch Sach­grün­de nicht mehr zu recht­fer­ti­gen­der Wei­se erschwert wer­den [3]. Das bedeu­tet für die Anwen­dung des § 124 Abs. 2 VwGO, dass die Anfor­de­run­gen an die Begrün­dung eines Zulas­sungs­an­trags nicht über­spannt wer­den dür­fen, so dass die Mög­lich­keit, die Zulas­sung der Beru­fung zu erstrei­ten, für den Rechts­mit­tel­füh­rer leer läuft [4]. Das gilt nicht nur hin­sicht­lich der Anfor­de­run­gen an die Dar­le­gung der Zulas­sungs­grün­de gemäß § 124a Abs. 4 Satz 5 VwGO, son­dern in ent­spre­chen­der Wei­se auch für die Aus­le­gung und Anwen­dung der Zulas­sungs­grün­de des § 124 Abs. 2 VwGO selbst [5].

Prü­fungs­um­fang in der Beru­fungs­zu­las­sung

Ernst­li­che Zwei­fel an der Rich­tig­keit des Urteils im Sin­ne des § 124 Abs. 2 Nr. 1 VwGO sind immer schon dann gege­ben, wenn ein ein­zel­ner tra­gen­der Rechts­satz oder eine erheb­li­che Tat­sa­chen­fest­stel­lung mit schlüs­si­gen Gegen­ar­gu­men­ten in Fra­ge gestellt wer­den. Sie sind nicht erst gege­ben, wenn bei der im Zulas­sungs­ver­fah­ren allein mög­li­chen sum­ma­ri­schen Über­prü­fung der Erfolg des Rechts­mit­tels wahr­schein­li­cher ist als der Miss­erfolg [6]. Das Zulas­sungs­ver­fah­ren hat nicht die Auf­ga­be, das Beru­fungs­ver­fah­ren vor­weg­zu­neh­men [7].

Ins­be­son­de­re ist hier­nach unzu­läs­sig, wie jetzt das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ent­schied, unter Ver­ken­nung der Auf­ga­be des Beru­fungs­zu­las­sungs­ver­fah­rens bereits in die­sem Ver­fah­rens­sta­di­um über die auf­ge­wor­fe­ne Fra­ge abschlie­ßend zu ent­schei­den.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 21. Dezem­ber 2009 – 1 BvR 812/​09

  1. vgl. BVerfGE 96, 27, 39; 104, 220, 231; stRspr[]
  2. vgl. BVerfGE 92, 365, 410; 104, 220, 231; stRspr[]
  3. vgl. BVerfGE 77, 275, 284; 78, 88, 99; 84, 366, 369 f.; 104, 220, 231 f.[]
  4. vgl. BVerfG, Beschluss vom 21.01.2009 – 1 BvR 2524/​06, NVwZ 2009, 515, 516, m.w.N.[]
  5. vgl. BVerfG, Beschluss vom 24.01.2007 – 1 BvR 382/​05, NVwZ 2007, S. 805, 806; Beschluss vom 21.01.2009 – 1 BvR 2524/​06, NVwZ 2009, S. 515, 516[]
  6. vgl. BVerfGE 110, 77, 83[]
  7. vgl. BVerfG, Beschluss vom 23.06.2000 – 1 BvR 830/​00, NVwZ 2000, 1163, 1164; Beschluss vom 21.01.2009 – 1 BvR 2524/​06, NVwZ 2009, 515, 516[]