Rad­we­ge­pla­nung und die feh­len­de gesetz­li­che Grund­la­ge

Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz sieht in Rhein­land-Pfalz kei­ne gesetz­li­che Grund­la­ge für die Pla­nung eines Rad­wegs.

Rad­we­ge­pla­nung und die feh­len­de gesetz­li­che Grund­la­ge

Daher darf der Rad­weg am Lah­nufer zwi­schen Geil­nau und Lau­ren­burg jeden­falls vor­erst nicht gebaut wer­den, weil es für den zugrun­de lie­gen­den Plan­fest­stel­lungs­be­schluss an einer Ermäch­ti­gung im Gesetz nicht nur für die­sen Lahn­tal­rad­weg son­dern gene­rell für eine Rad­we­ge­pla­nung fehlt.

An der Lahn ver­läuft über­wie­gend in Ufer­nä­he und ohne grö­ße­re Stei­gun­gen ein ins­gesamt 245 km lan­ger Fern­rad­weg. Nur zwi­schen den Orten Geil­nau und Lau­ren­burg wird der Rad­weg nicht unmit­tel­bar am Fluss, son­dern ent­lang zwei­er Kreis­stra­ßen durch die Orte Scheidt und Holz­ap­pel geführt. Dabei ist ein Höhen­un­ter­schied von 200 m zu über­win­den. Um die­se Lücke zu schlie­ßen, geneh­mig­te das Land durch Plan­fest­stel­lungs­be­schluss den Bau eines neu­en, etwa 7,5 km lan­gen Rad­wegs unmit­tel­bar am Lah­nufer ein­schließ­lich zwei­er Brü­cken über den Fluss. Auf eine Kla­ge des Bun­des für Umwelt und Natur­schutz Deutsch­land (BUND) erklär­te das Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz die­sen Plan­fest­stel­lungs­be­schluss für rechts­wid­rig und hob ihn auf. Die­ses Urteil hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt jetzt bestä­tigt.

Durch den Plan­fest­stel­lungs­be­schluss wer­de nicht nur der Rad­weg geneh­migt, son­dern auch in Rech­te von Bür­gern ein­ge­grif­fen. Ins­be­son­de­re bil­de er die Grund­la­ge für spä­te­re Grund­stücks­ent­eig­nun­gen. Für einen sol­chen Plan­fest­stel­lungs­be­schluss bedür­fe es von Ver­fas­sungs­we­gen einer aus­drück­li­chen gesetz­li­chen Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge, an der es hier jedoch feh­le. Eine Plan­fest­stel­lung für Rad­we­ge sei im rhein­land-pfäl­zi­schen Stra­ßen­ge­setz grund­sätz­lich nicht vor­ge­se­hen. Der geplan­te Rad­weg am Lah­nufer kön­ne auch nicht als Teil der Krei­stra­ßen zwi­schen Geil­nau und Lau­ren­burg ange­se­hen wer­den. Denn er fol­ge einer eige­nen Lini­en­füh­rung im Abstand von bis zu 3 km zu den Kreis­stra­ßen und ver­bin­de – anders als die­se – auch nicht die Orte Scheidt und Holz­ap­pel mit Lau­ren­burg und Geil­nau. Für den geplan­ten Rad­weg feh­le es mit­hin an einer Plan­fest­stel­lungs­be­fug­nis, was der kla­gen­de BUND als Natur­schutz­ver­ei­ni­gung im Ver­wal­tungs­pro­zess auch gel­tend machen kön­ne.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Urteil vom 7. April 2011 – 1 A 11088/​10.OVG