Ram­stein und die US-Droh­nen-Ein­sät­ze

Die räum­li­che Nähe zum US-Mili­tär­flug­ha­fen Ram­stein ver­leiht einem Anwoh­ner kein Kla­ge­recht, um von der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land die Über­wa­chung bewaff­ne­ter Droh­nen­ein­sät­ze der US-Streit­kräf­te zu ver­lan­gen, soweit die­se von Ram­stein aus gesteu­ert wer­den soll­ten.

Ram­stein und die US-Droh­nen-Ein­sät­ze

Der Klä­ger in dem jetzt vom Bun­des­ver­wal­tuangs­ge­richt ent­schie­de­nen Fall wohnt in Kai­sers­lau­tern 12 km vom Mili­tär­flug­ha­fen Ram­stein ent­fernt. Auf der von den US-Streit­kräf­ten genutz­ten Air Base befin­det sich u.a. das Haupt­quar­tier der US-Luft­streit­kräf­te in Euro­pa. Der Klä­ger begehrt – nach Ände­rung sei­ner ursprüng­li­chen Kla­ge­an­trä­ge – zuletzt, die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land zur Über­wa­chung der Völ­ker­rechts­kon­for­mi­tät bewaff­ne­ter Droh­nen­ein­sät­ze der US-Streit­kräf­te zu ver­pflich­ten, die über die Ram­stein Air Base gesteu­ert wür­den, und den Ver­ei­nig­ten Staa­ten im Fall der Ver­wei­ge­rung von Über­wa­chungs­maß­nah­men inso­weit die wei­te­re Nut­zung der Ram­stein Air Base zu unter­sa­gen.

Sowohl das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te Ver­wal­tungs­ge­richt Köln 1 wie auch in der Beru­fungs­in­stanz das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len in Müns­ter 2 haben die Kla­ge man­gels Kla­ge­be­fug­nis des Klä­gers als unzu­läs­sig abge­wie­sen. Die­ser Auf­fas­sung ist nun das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt gefolgt und hat auch die Revi­si­on des Klä­gers zurück­ge­wie­sen.

Nach dem Urteil des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts fehlt es an einer Mög­lich­keit, dass der Klä­ger durch die von ihm für völ­ker­rechts­wid­rig erach­te­ten Droh­nen­ein­sät­ze der USA in eige­nen Rech­ten ver­letzt wird. Das aber ist eine not­wen­di­ge Vor­aus­set­zung für die Zuläs­sig­keit der auf Über­wa­chung gerich­te­ten Kla­ge ent­spre­chend § 42 Abs. 2 VwGO. Eine Popu­lark­la­ge zur Über­wa­chung von Hand­lun­gen, die der Klä­ger für völ­ker­rechts­wid­rig hält, sieht die deut­sche Rechts­ord­nung nicht vor.

Der Klä­ger kann sich inso­weit auch nicht auf den grund­recht­li­chen Schutz des Lebens und sei­nes Eigen­tums beru­fen (Art. 2 Abs. 2 und Art. 14 Abs. 1 GG). Denn er selbst befürch­tet kei­ne Rechts­ver­let­zun­gen durch von Ram­stein aus gesteu­er­te Droh­nen, son­dern von mög­li­chen Gegen­schlä­gen aus dem Aus­land. Die blo­ße Mög­lich­keit einer indi­vi­dua­li­sier­ba­ren, aus der Nähe zur Air Base fol­gen­den mit­tel­ba­ren Gefähr­dung, die von Ent­schei­dun­gen Drit­ter abhän­gig ist, reicht hier zur Begrün­dung der Kla­ge­be­fug­nis jedoch nicht aus. Ein bestimm­tes Ver­hal­ten der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land zu sei­nem Schutz – wie hier die Über­wa­chung von Droh­nen­ein­sät­zen frem­der Streit­kräf­te – kann der Klä­ger auch des­halb nicht ver­lan­gen, weil die Bun­des­re­gie­rung nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts auf dem Gebiet der Außen- und Ver­tei­di­gungs­po­li­tik einen wei­ten Ent­schei­dungs­spiel­raum hat, wie sie ihrer grund­recht­li­chen Pflicht zum Schutz des Lebens nach­kom­men will.

Eine Ver­let­zung eige­ner Rech­te kann der Klä­ger auch nicht aus Art. 25 Satz 2 GG ablei­ten. Nach die­ser Norm erzeu­gen die all­ge­mei­nen Regeln des Völ­ker­rechts Rech­te und Pflich­ten unmit­tel­bar für die Bewoh­ner des Bun­des­ge­biets. Zu den all­ge­mei­nen Regeln des Völ­ker­rechts zäh­len zwar das völ­ker­recht­li­che Gewalt­ver­bot und im Kern der Schutz von Zivil­per­so­nen nach dem huma­ni­tä­ren Völ­ker­recht. Soweit sich aus einem Völ­ker­rechts­ver­stoß auch indi­vi­du­el­le Rech­te ablei­ten las­sen, kön­nen sich dar­auf jedoch allen­falls unmit­tel­bar Betrof­fe­ne beru­fen – etwa poten­ti­el­le Opfer von Droh­nen­ein­sät­zen. Hier­zu gehört der Klä­ger nicht.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 5. April 2016 – 1 C 32.15

  1. VG Köln, Urteil vom 14.03.2013 – 1 K 2811/​12[]
  2. OVG NRW, Urteil vom 04.11.2014 – 4 A 1058/​13[]