Recht­li­ches Gehör – und die Ent­schei­dungs­grün­de

Der Anspruch auf recht­li­ches Gehör ver­pflich­tet das Gericht, die Aus­füh­run­gen der Betei­lig­ten zur Kennt­nis zu neh­men und in Erwä­gung zu zie­hen 1.

Recht­li­ches Gehör – und die Ent­schei­dungs­grün­de

Abs. 1 GG ist aller­dings erst ver­letzt, wenn sich im Ein­zel­fall klar ergibt, dass das Gericht die­ser Pflicht nicht nach­ge­kom­men ist 2. Die Gerich­te sind nicht ver­pflich­tet, sich mit jedem Vor­brin­gen in der Begrün­dung der Ent­schei­dung aus­drück­lich zu befas­sen 3.

Des­halb müs­sen, wenn das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt einen Ver­stoß gegen Art. 103 Abs. 1 GG fest­stel­len soll, im Ein­zel­fall beson­de­re Umstän­de deut­lich erge­ben, dass tat­säch­li­ches Vor­brin­gen eines Betei­lig­ten ent­we­der über­haupt nicht zur Kennt­nis genom­men oder doch bei der Ent­schei­dung nicht erwo­gen wor­den ist 4.

Der­glei­chen Umstän­de kön­nen ins­be­son­de­re dann vor­lie­gen, wenn das Gericht wesent­li­che, das Kern­vor­brin­gen eines Betei­lig­ten dar­stel­len­de Tat­sa­chen unbe­rück­sich­tigt lässt. Geht das Gericht auf den wesent­li­chen Kern des Tat­sa­chen­vor­trags zu einer Fra­ge, die für das Ver­fah­ren von zen­tra­ler Bedeu­tung ist, in der Begrün­dung der Ent­schei­dung nicht ein, so lässt dies auf die Nicht­be­rück­sich­ti­gung des Vor­trags schlie­ßen, sofern er nicht nach dem Rechts­stand­punkt des Gerichts uner­heb­lich oder offen­sicht­lich unsub­stan­ti­iert ist 5.

Dar­aus ergibt sich eine Pflicht der Gerich­te, die wesent­li­chen, der Rechts­ver­fol­gung und Rechts­ver­tei­di­gung die­nen­den Tat­sa­chen­be­haup­tun­gen in den Ent­schei­dungs­grün­den zu ver­ar­bei­ten 6.

BVerfg, Beschluss vom 29. Okto­ber 2015 – 2 BvR 1493/​11

  1. vgl. BVerfGE 42, 364, 367 f.; 47, 182, 187; BVerfGK 20, 53, 57[]
  2. vgl. BVerfGE 25, 137, 141 f.; 47, 182, 187; BVerfGK 20, 53, 57[]
  3. vgl. BVerfGE 13, 132, 149; 42, 364, 368; 47, 182, 187; BVerfGK 20, 53, 57[]
  4. vgl. BVerfGE 27, 248, 252; 47, 182, 187 f.; BVerfGK 20, 53, 57[]
  5. vgl. BVerfGE 86, 133, 146; BVerfGK 6, 334, 340; 10, 41, 46; 20, 53, 57 f.[]
  6. vgl. BVerfGE 47, 182, 189; BVerfGK 10, 41, 46; 20, 53, 58[]