Rechts­schutz­ge­wäh­rung im einst­wei­li­gen Ver­fah­ren

Art.19 Abs. 4 GG garan­tiert über das for­mel­le Recht, die Gerich­te anzu­ru­fen, hin­aus die Effek­ti­vi­tät des Rechts­schut­zes 1. Das gilt auch für den ver­wal­tungs­ge­richt­li­chen Eil­rechts­schutz. Die Aus­le­gung und Anwen­dung des § 123 VwGO kann vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt aber nur dar­auf­hin über­prüft wer­den, ob sie Feh­ler erken­nen lässt, die auf einer grund­sätz­lich unrich­ti­gen Anschau­ung von der Bedeu­tung des Grund­rechts des jewei­li­gen Antrag­stel­lers und sei­nes Anspruchs auf effek­ti­ven Rechts­schutz beru­hen 2. Eine sum­ma­ri­sche Prü­fung in dem Sin­ne, dass die Prü­fung im Haupt­sa­che­ver­fah­ren ein­ge­hen­der sein und des­halb ein ande­res Ergeb­nis haben kann, ist kenn­zeich­nend für das Eil­ver­fah­ren und ver­fas­sungs­recht­lich grund­sätz­lich unbe­denk­lich. Droht dem Antrag­stel­ler bei Ver­sa­gung des einst­wei­li­gen Rechts­schut­zes eine erheb­li­che, über Rand­be­rei­che hin­aus­ge­hen­de Ver­let­zung in sei­nen Grund­rech­ten, die durch eine der Kla­ge statt­ge­ben­de Ent­schei­dung in der Haupt­sa­che nicht mehr besei­tigt wer­den kann, so ist – erfor­der­li­chen­falls unter ein­ge­hen­der tat­säch­li­cher und recht­li­cher Prü­fung des im Haupt­sa­che­ver­fah­ren gel­tend gemach­ten Anspruchs – einst­wei­li­ger Rechts­schutz zu gewäh­ren, es sei denn, dass aus­nahms­wei­se über­wie­gen­de, beson­ders gewich­ti­ge Grün­de ent­ge­gen­ste­hen 3. Je schwe­rer die sich aus der Ver­sa­gung vor­läu­fi­gen Rechts­schut­zes erge­ben­den Belas­tun­gen wie­gen, je gerin­ger die Wahr­schein­lich­keit ist, dass sie im Fal­le des Obsie­gens in der Haupt­sa­che rück­gän­gig gemacht wer­den kön­nen, umso weni­ger darf das Inter­es­se an einer vor­läu­fi­gen Rege­lung oder Siche­rung der gel­tend gemach­ten Rechts­po­si­tio­nen zurück­ge­stellt wer­den 4. Ent­schei­dend ist, dass die Prü­fung ein­ge­hend genug ist, um den Antrag­stel­ler vor erheb­li­chen und unzu­mut­ba­ren, anders weder abwend­ba­ren noch repa­ra­blen Nach­tei­len effek­tiv zu schüt­zen 5.

Rechts­schutz­ge­wäh­rung im einst­wei­li­gen Ver­fah­ren

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 12.September 2011 – 2 BvR 1206/​11

  1. vgl. BVerfGE 35, 263, 274; stRspr[]
  2. vgl. BVerfGE 79, 69, 74[]
  3. vgl. BVerfGE 79, 69, 74 f.; 93, 1, 13 f.[]
  4. vgl. BVerfGE 35, 382, 402; BVerfG, Beschluss der 2. Kam­mer des Ers­ten Senats vom 31.03.2004 – 1 BvR 356/​04, NVwZ 2004, S. 1112, 1113[]
  5. vgl. BVerfGE 79, 69, 74; 93, 1, 13 f.; BVerfGK 5, 135, 139 f.[]
  6. vgl. BVerfGE 35, 263, 274; stRspr[]