Rede­recht eines Rats­mit­glieds

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Olden­burg hat der Kla­ge eines Mit­glieds des Rates der Stadt Clop­pen­burg und Vor­sit­zen­den einer Frak­ti­on gegen den Vor­sit­zen­den des Rates der Stadt Clop­pen­burg statt­ge­ge­ben. Der Klä­ger begehr­te in die­sem Ver­fah­ren die Fest­stel­lung, dass der Vor­sit­zen­de des Rates der Stadt Clop­pen­burg ihm in einer Rats­sit­zung das Rede­recht zu Unrecht vor­ent­hal­ten habe.

Rede­recht eines Rats­mit­glieds

Aus­gangs­punkt der recht­li­chen Aus­ein­an­der­set­zung war eine Sit­zung des Rates der Stadt Clop­pen­burg am 14. Juni 2010, bei der als Tages­ord­nungs­punkt unter ande­rem die „Siche­rung und Erwei­te­rung der Hort­grup­pe St. Andre­as“ behan­delt wur­de. Der zugrun­de lie­gen­de Antrag war von der Frak­ti­on des Klä­gers zusam­men mit zwei wei­te­ren Frak­tio­nen ein­ge­bracht wor­den. Nach Auf­ruf des Tages­ord­nungs­punk­tes wur­de zunächst einer Unter­zeich­ne­rin des Antrags das Wort erteilt. Dann führ­te der Bür­ger­meis­ter aus, dass der Rat ohne­hin kei­nen Beschluss fas­sen kön­ne, weil der Ver­wal­tungs­aus­schuss noch nicht bera­ten habe. Der Antrag wer­de für die nächs­te Tages­ord­nung des Ver­wal­tungs­aus­schus­ses vor­ge­se­hen und kön­ne dann im Rat wei­ter behan­delt und dort beschlos­sen wer­den. Die dann erfolg­te Wort­mel­dung des Klä­gers wies der Rats­vor­sit­zen­de aus­weis­lich des Pro­to­kolls zurück. Er ver­wies unter ande­rem dar­auf, dass er kei­ne wei­te­ren Rede­bei­trä­ge mehr zulas­se, da die Bera­tung in der nächs­ten Sit­zung wei­ter erfol­gen kön­ne. Nach­dem der Klä­ger sei­ne Wort­mel­dung erneu­ert und der Beklag­te sei­ne Wei­ge­rung bekräf­tigt hat­te, um wäh­rend der lau­fen­den Ver­hand­lun­gen Scha­den von der Stadt fern­zu­hal­ten, beschimpf­te der Klä­ger den Beklag­ten und ver­ließ mit ande­ren Rats­mit­glie­dern den Sit­zungs­saal. Der Klä­ger hat sich wegen der Belei­di­gung des Beklag­ten öffent­lich ent­schul­digt. Der Beklag­te hat die Ent­schul­di­gung nicht ange­nom­men.

Mit sei­ner Kla­ge woll­te der Klä­ger fest­stel­len las­sen, dass der Vor­sit­zen­de des Rates der Stadt Clop­pen­burg gegen sei­ne Betei­li­gungs­rech­te ver­sto­ßen hat. Das Ver­wal­tungs­ge­richt Olden­burg hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben und fest­ge­stellt, dass der Rats­vor­sit­zen­de des Rates der Stadt Clop­pen­burg gegen Betei­li­gungs­rech­te des Klä­gers ver­sto­ßen hat, als er ihm zu Top 17 der Rats­sit­zung der Stadt Clop­pen­burg am 14. Juni 2010 nicht das Wort erteil­te:

Eine Rechts­grund­la­ge dafür, dass dem Klä­ger das Wort nicht erteilt wor­den sei, exis­tiert nicht. Zwar habe der Rats­vor­sit­zen­de das Recht, die Sit­zung zu lei­ten, er kön­ne aber die Dis­kus­si­on über einen Tages­ord­nungs­punkt nicht been­den, wenn noch Wort­mel­dun­gen vor­lä­gen. Einen Schluss der Red­ner­lis­te oder eine Ver­ta­gung kön­ne nur der Rat mit Mehr­heit und in Über­ein­stim­mung mit der Geschäfts­ord­nung, nicht aber der Rats­vor­sit­zen­de beschlie­ßen. Dem Rats­vor­sit­zen­den ste­he auch kei­ne Ent­schei­dung dar­über zu, ob durch zu erwar­ten­de Dis­kus­si­ons­bei­trä­ge Scha­den für die Gemein­de ent­ste­he.

Ver­wal­tungs­ge­richt Olden­burg, Urteil vom 18. Janu­ar 2011 – 1 A 1736/​10