Resti­tu­ti­on eines Kies­ab­bau­rechts

Nut­zungs­rech­te eines Grund­stücks­ei­gen­tü­mers an grund­ei­ge­nen Boden­schät­zen kön­nen nicht Gegen­stand von der Grund­stücks­re­sti­tu­ti­on getrenn­ter ver­mö­gens­recht­li­cher Rück­über­tra­gungs­an­sprü­che sein. Es erfolgt mit­hin kei­ne ver­mö­gens­recht­li­che Resti­tu­ti­on eines grund­ei­ge­nen Kies­ab­bau­rechts.

Resti­tu­ti­on eines Kies­ab­bau­rechts

Das ent­schied jetzt das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt im Fall eines ehe­ma­li­gen meck­len­bur­gi­schen land­wirt­schaft­li­chen Gutes. Des­sen Eigen­tü­mer, ein jüdi­scher Land­wirt, hat­te sein Gut, auf dem sich auch eine Kies­gru­be befand, 1934 zur Vor­be­rei­tung sei­ner NS-ver­fol­gungs­be­ding­ten Aus­wan­de­rung nach Paläs­ti­na zwangs­ver­kauft. Nach 1945 wur­de das Gut still­ge­legt; das Kies­vor­kom­men wur­de in der DDR als Eigen­tum des Vol­kes über Plan­kenn­zif­fern bewirt­schaf­tet. Im Zuge der Wie­der­ver­ei­ni­gung wur­de zuguns­ten der Treu­hand­an­stalt ein eigen­stän­di­ges, vom Grund­ei­gen­tum abge­trenn­tes Berg­werks­ei­gen­tum an den Boden­schät­zen begrün­det, wel­ches die­se im Jah­re 1994 an ein Berg­bau­un­ter­neh­men ver­äu­ßer­te.

Im ver­mö­gens­recht­li­chen Ver­fah­ren wur­de die Resti­tu­ti­ons­be­rech­ti­gung der Rechts­nach­fol­ge­rin des ehe­ma­li­gen Guts­be­sit­zers für die Grund­stü­cke des still­ge­leg­ten Gutes fest­ge­stellt. Ihr Antrag auf Her­aus­ga­be des an die Treu­hand­an­stalt geflos­se­nen Erlö­ses aus dem Ver­kauf des Berg­werks­ei­gen­tums an dem Kies­vor­kom­men wur­de abge­lehnt. Das Ver­wal­tungs­ge­richt wies ihre Kla­ge hier­ge­gen ab1. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt bestä­tig­te die­ses Urteil und wies die Revi­si­on zurück:

Das Ver­wal­tungs­ge­richt hat, so das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, einen Anspruch der Klä­ge­rin auf Her­aus­ga­be des Ver­kaufs­er­lö­ses im Ergeb­nis zu Recht ver­neint. Aus­schlag­ge­bend hier­für ist aller­dings nicht, dass im Zuge der Wie­der­ver­ei­ni­gung das Recht zur Gewin­nung von Kies im Bei­tritts­ge­biet vom Grund­ei­gen­tum abge­spal­ten und Drit­ten zur Nut­zung zuge­wie­sen wur­de. Viel­mehr setzt der Anspruch vor­aus, dass es sich bei dem Recht zum Abbau von Kies im Zeit­punkt der Ver­mö­gens­schä­di­gung im Jah­re 1934 um einen zum Unter­neh­men gehö­ren­den eigen­stän­di­gen Ver­mö­gens­ge­gen­stand han­del­te. Das war nicht der Fall. Das Kies­ab­bau­recht war nach dama­li­gem meck­len­bur­gi­schen Lan­des­recht untrenn­bar mit dem Eigen­tum am Grund­stück ver­bun­den und weder berg­recht­lich noch zivil­recht­lich als geson­der­tes Recht aner­kannt. Die Fra­ge einer Berück­sich­ti­gung des grund­ei­ge­nen Abbau­rechts als wert­bil­den­der Fak­tor bei der Bemes­sung der Ent­schä­di­gung für die betrof­fe­nen Grund­stü­cke war nicht Gegen­stand des vor­lie­gen­den Ver­fah­rens.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 23.09.2015 – 8 C 9.14

  1. VG Greifs­wald, Urteil vom 08.05.2013 – 6 A 1287/​11