Revi­si­ons­ur­teil – und der Tat­be­stands­be­rich­ti­gungs- und ‑ergän­zungs­an­trag

Über einen Antrag auf Tat­be­stands­be­rich­ti­gung hat der Spruch­kör­per in der Beset­zung aller Rich­ter zu ent­schei­den, die an dem Urteil mit­ge­wirkt haben, soweit sie dem Gericht noch ange­hö­ren, auch wenn sie zwi­schen­zeit­lich den Spruch­kör­per gewech­selt haben.

Revi­si­ons­ur­teil – und der Tat­be­stands­be­rich­ti­gungs- und ‑ergän­zungs­an­trag

Der Tat­be­stand eines Revi­si­ons­ur­teils unter­liegt der Tat­be­stands­be­rich­ti­gung gemäß § 119 Abs. 1 VwGO nur bezüg­lich eige­ner Fest­stel­lun­gen des Revi­si­ons­ge­richts, auf die sich die urkund­li­che Beweis­kraft des Urteils erstreckt und die für einen nach­fol­gen­den Ver­fah­rens­ab­schnitt bin­dend wären; dies sind ins­be­son­de­re Fest­stel­lun­gen zu den Revi­si­ons­an­trä­gen und sons­ti­gen Pro­zess­erklä­run­gen in der Revisionsinstanz.03. Ein Antrag auf Berich­ti­gung des Tat­be­stands eines Revi­si­ons­ur­teils ist unzu­läs­sig, wenn sich der Antrag ledig­lich auf die angeb­lich unrich­ti­ge Wie­der­ga­be von Tat­sa­chen­fest­stel­lun­gen der Vor­in­stanz bezieht, an die das Revi­si­ons­ge­richt gemäß § 137 Abs. 2 VwGO man­gels durch­grei­fen­der Ver­fah­rens­rügen gebun­den war.

Ein Antrag auf Urteils­er­gän­zung gemäß § 120 Abs. 1 VwGO ist nur zuläs­sig, wenn zumin­dest die Mög­lich­keit des Über­ge­hens eines gestell­ten Antrags oder der Kos­ten­fol­ge schlüs­sig auf­ge­zeigt wird.

Der Tat­be­stand eines Revi­si­ons­ur­teils unter­liegt der Tat­be­stands­be­rich­ti­gung gemäß § 119 Abs. 1 VwGO nur bezüg­lich eige­ner Fest­stel­lun­gen des Revi­si­ons­ge­richts, auf die sich die urkund­li­che Beweis­kraft des Urteils gemäß § 173 VwGO i.V.m. § 314 ZPO oder § 98 VwGO, § 417 ZPO erstreckt und die für einen nach­fol­gen­den Ver­fah­rens­ab­schnitt bin­dend wären. Das sind ins­be­son­de­re Fest­stel­lun­gen zu den Revi­si­ons­an­trä­gen und sons­ti­gen Pro­zess­erklä­run­gen in der Revi­si­ons­in­stanz. Die revi­si­ons­ge­richt­li­che Wie­der­ga­be von Tat­sa­chen­fest­stel­lun­gen der Vor­in­stanz, an die das Revi­si­ons­ge­richt nach § 137 Abs. 2 VwGO gebun­den ist, kann dage­gen nicht nach § 119 Abs. 1 VwGO berich­tigt wer­den 1.

Die Beweis­kraft des Tat­be­stands des Revi­si­ons­ur­teils erstreckt sich nur auf die dar­in bezeug­ten eige­nen Fest­stel­lun­gen des Revi­si­ons­ge­richts und nicht auf die Wie­der­ga­be der Tat­sa­chen­fest­stel­lun­gen der Vor­in­stanz, an die es nach Maß­ga­be des § 137 Abs. 2 VwGO man­gels wirk­sa­mer Ver­fah­rens­rügen gebun­den ist. Selbst wenn die Wie­der­ga­be feh­ler­haft sein und sich nicht mehr als Zusam­men­fas­sung des von der Vor­in­stanz ange­nom­me­nen Sach­ver­halts dar­stel­len soll­te, läge dar­in noch kei­ne eige­ne, der urkund­li­chen Beweis­kraft fähi­ge Tat­sa­chen­fest­stel­lung des Revi­si­ons­ge­richts. Mit einem Tat­be­stands­be­rich­ti­gungs­an­trag nach § 119 Abs. 1 VwGO kann auch kei­ne Ände­rung der Sach­ver­halts­be­wer­tung oder gar eine Kor­rek­tur der recht­li­chen Wür­di­gung ver­langt wer­den 2.

Dar­über hin­aus bestimmt § 120 Abs. 1 VwGO, dass auf Antrag das Urteil durch nach­träg­li­che Ent­schei­dung zu ergän­zen ist, wenn ein nach dem Tat­be­stand von einem Betei­lig­ten gestell­ter Antrag oder die Kos­ten­fol­ge bei der Ent­schei­dung ganz oder zum Teil über­gan­gen wor­den ist. Der Antrag auf Ergän­zung eines Urteils nach § 120 Abs. 1 VwGO ist nur zuläs­sig, wenn zumin­dest die Mög­lich­keit des Über­ge­hens eines gestell­ten Antrags oder der Kos­ten­fol­ge schlüs­sig auf­ge­zeigt wird 3.

Der Tat­be­stands­be­rich­ti­gungs- und ‑ergän­zungs­an­trag des Klä­gers betrifft kei­ne im Urteil vom 20.07.2017 doku­men­tier­ten Tat­sa­chen­fest­stel­lun­gen oder Anträ­ge des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts, auf die sich die Beweis­kraft des Tat­be­stands gemäß § 173 VwGO i.V.m. § 314 ZPO oder § 98 VwGO, § 417 ZPO erstreckt und die des­halb der Ent­schei­dung in einem nach­fol­gen­den Ver­fah­ren zugrun­de zu legen wären. Statt­des­sen rügt der Klä­ger die unrich­ti­ge Wie­der­ga­be von Sach­ver­halts­fest­stel­lun­gen und Anträ­gen der Vor­in­stanz, eine Miss­ach­tung der revi­si­ons­recht­li­chen Bin­dung an die­se Fest­stel­lun­gen gemäß § 137 Abs. 2 VwGO und die recht­li­che Wür­di­gung fest­ge­stell­ter Tat­sa­chen.

Die im vor­lie­gen­den Fall erho­be­nen Ein­wän­de des Klä­gers betref­fen die Aus­füh­run­gen in den Rand­num­mern 1, 2 und 3 des ange­grif­fe­nen Revi­si­ons­ur­teils. Die­se Text­pas­sa­gen ent­hal­ten kei­ne einer Tat­be­stands­be­rich­ti­gung zugäng­li­che Dar­stel­lung von Pro­zess­erklä­run­gen oder Ver­fah­rens­hand­lun­gen im Revi­si­ons­ver­fah­ren, son­dern allein die gedräng­te infor­ma­to­ri­sche Wie­der­ga­be der wesent­li­chen tat­be­stand­li­chen Fest­stel­lun­gen des Beru­fungs­ge­richts. Aus­las­sun­gen im Tat­be­stand, die über die tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen im Beru­fungs­ur­teil hin­aus­ge­hen, rügt der Klä­ger nicht.

Eine Tat­be­stand­ser­gän­zung ist aus­ge­schlos­sen, weil kein nach dem Tat­be­stand von einem Betei­lig­ten im Revi­si­ons­ver­fah­ren gestell­ter Antrag bei der Ent­schei­dung über­gan­gen wor­den ist. Der Klä­ger ver­langt in der Sache viel­mehr die Rich­tig­stel­lung einer von ihm für falsch gehal­te­nen Ent­schei­dung. Dazu aber dient das Ver­fah­ren nach § 120 VwGO eben­so wenig wie das Ver­fah­ren der Anhö­rungs­rü­ge nach § 152a VwGO 4.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 24. April 2018 – 2 C 36.16

  1. stRspr, vgl. zuletzt BVerwG, Beschlüs­se vom 31.05.2013 – 2 C 6.11, NVwZ 2013, 1237 Rn. 2 m.w.N.; und vom 12.03.2014 – 8 C 16.12 7 ff. m.w.N.[]
  2. BVerwG, Beschlüs­se vom 12.03.2014 – 8 C 16.12 10; und vom 13.02.2012 – 9 B 77.11, Buch­holz 310 VwGO § 108 Abs. 1 Nr. 73 S. 8[]
  3. BVerwG, Beschluss vom 09.06.2011 – 3 C 14.11, Buch­holz 310 § 120 VwGO Nr. 10 Rn. 14[]
  4. vgl. BVerwG, Beschluss vom 08.03.2018 – 2 C 37.17 4 ff. in dem den glei­chen Klä­ger betref­fen­den Anhö­rungs­rü­ge­ver­fah­ren[]