Revi­si­ons­zu­las­sung – und das über­hol­te Recht

Sinn und Zweck des § 132 Abs. 2 Nr. 2 VwGO, die Ein­heit­lich­keit der Recht­spre­chung im Ver­wal­tungs­rechts­weg zu sichern, for­dern eine Revi­si­ons­zu­las­sung nicht, wenn die Recht­spre­chung, von der das Beru­fungs­ge­richt abge­wi­chen ist, nach der aktu­el­len höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung in einem Revi­si­ons­ver­fah­ren nicht mehr zur Anwen­dung kommt.

Revi­si­ons­zu­las­sung – und das über­hol­te Recht

Sinn und Zweck der Diver­genz­zu­las­sung ist es, die Ein­heit­lich­keit der Recht­spre­chung inner­halb des Ver­wal­tungs­rechts­wegs zu sichern. Dem­entspre­chend ist eine Revi­si­ons­zu­las­sung wegen Diver­genz nicht gebo­ten, wenn das Beru­fungs­ge­richt von einer Recht­spre­chung, an der das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in spä­te­ren Ent­schei­dun­gen selbst nicht mehr fest­hält, abge­wi­chen ist1.

Eben­so liegt kei­ne Diver­genz vor, wenn das ange­foch­te­ne Urteil auf einer durch Geset­zes­än­de­rung über­hol­ten Recht­spre­chung beruht oder sich die Beru­fungs­ent­schei­dung auf jeden Fall durch eine nach ihrem Erlass erfolg­te Geset­zes­än­de­rung im Ergeb­nis als rich­tig erweist und es in einem etwai­gen Revi­si­ons­ver­fah­ren auf die von der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung ent­schie­de­ne Rechts­fra­ge nicht mehr ankä­me2.

Nichts ande­res kann gel­ten, wenn es auf die Recht­spre­chung, von der das Beru­fungs­ge­richt abge­wi­chen ist, nach der aktu­el­len höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung in einem Revi­si­ons­ver­fah­ren nicht mehr ankommt; auch dann kann der Sinn und Zweck der Diver­genz­zu­las­sung mit dem ange­streb­ten Revi­si­ons­ver­fah­ren nicht erreicht wer­den.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 9. Juli 2019 – 6 B 2.18

  1. vgl. dazu BVerwG, Beschluss vom 17.04.1991 – 5 B 55.91, Buch­holz 436.36 § 47 BAföG Nr. 1 m.w.N. []
  2. vgl. BVerwG, Beschluss vom 07.03.2002 – 5 B 60.01 5 m.w.N. []