Revi­si­ons­zu­las­sung – und die tatrich­ter­li­che Über­zeu­gungs­bil­dung

Nach § 133 Abs. 3 Satz 3 VwGO muss der Beschwer­de­füh­rer schlüs­sig dar­le­gen, wel­che Auf­klä­rungs­maß­nah­men das Gericht hät­te ergrei­fen müs­sen, wel­che Fest­stel­lun­gen es dabei vor­aus­sicht­lich getrof­fen hät­te und inwie­fern dies zu einer für den Beschwer­de­füh­rer güns­ti­ge­ren Ent­schei­dung hät­te füh­ren kön­nen.

Revi­si­ons­zu­las­sung – und die tatrich­ter­li­che Über­zeu­gungs­bil­dung

Auch muss er dar­le­gen, dass er in der Tat­sa­chen­in­stanz auf eine bestimm­te Sach­auf­klä­rung hin­ge­wirkt hat oder hier­zu nach dem Pro­zess­ver­lauf außer­stan­de gewe­sen ist.

Die Auf­klä­rungs­rü­ge stellt kein Mit­tel dar, um Ver­säum­nis­se in der Tat­sa­chen­in­stanz zu kom­pen­sie­ren, vor allem wenn der Beschwer­de­füh­rer es unter­las­sen hat, einen Beweis­an­trag zu stel­len. Des­halb muss ent­we­der dar­ge­legt wer­den, dass bereits im Ver­fah­ren vor dem Tat­sa­chen­ge­richt, ins­be­son­de­re in der münd­li­chen Ver­hand­lung, auf die Vor­nah­me der Sach­ver­halts­auf­klä­rung, deren Unter­blei­ben nun­mehr gerügt wird, hin­ge­wirkt wor­den ist oder auf­grund wel­cher Anhalts­punk­te sich dem Gericht die bezeich­ne­ten Ermitt­lun­gen auch ohne ein sol­ches Hin­wir­ken hät­ten auf­drän­gen müs­sen1.

Ver­gleich­ba­res gilt auch für die Ver­let­zung des in § 108 Abs. 1 Satz 1 VwGO nor­mier­ten Über­zeu­gungs­grund­sat­zes wegen Ver­sto­ßes gegen Denk­ge­set­ze: Die tatrich­ter­li­che Beweis­wür­di­gung ist vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt nicht dar­auf­hin nach­zu­prü­fen, ob die Gewich­tung ein­zel­ner Umstän­de und deren Gesamt­wür­di­gung über­zeu­gend erschei­nen. Dem­entspre­chend kann sie von einem Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten nicht mit dem Argu­ment in Fra­ge gestellt wer­den, ande­re Gewich­tun­gen und Fol­ge­run­gen lägen näher oder sei­en plau­si­bler.

Die Tat­sa­chen­ge­rich­te über­schrei­ten den ihnen eröff­ne­ten Wer­tungs­rah­men nur dann, wenn ihre Beweis­wür­di­gung gesetz­li­che Beweis­re­geln außer Acht lässt, objek­tiv will­kür­lich ist, gegen die Geset­ze der Logik ver­stößt, Wider­sprü­che ent­hält oder einen all­ge­mei­nen Erfah­rungs­satz miss­ach­tet oder irr­tüm­lich annimmt2.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 9. Juli 2019 – 6 B 2.18

  1. stRspr, vgl. BVerwG, Beschlüs­se vom 12.12 2017 – 6 B 30.17 [ECLI:?DE:?BVerwG:?2017:?121217B6B30.17.0] 14; und vom 03.08.2018 – 6 B 124.18 [ECLI:?DE:?BVerwG:?2018:?030818B6B124.18.0] 9 jeweils m.w.N.
  2. stRspr, vgl. nur BVerwG, Urteil vom 16.05.2012 – 5 C 2.11, BVerw­GE 143, 119 Rn. 18; Beschluss vom 23.01.2018 – 6 B 67.17 [ECLI:?DE:?BVerwG:?2018:?230118B6B67.17.0], Buch­holz 421.0 Prü­fungs­we­sen Nr. 431 Rn. 9