Rhein­gold

Bei der Gewin­nung berg­frei­er Boden­schät­ze hat der Gewin­nungs­be­rech­tig­te nach § § 42 Abs. 1 BBergG das Recht, inner­halb des Fel­des sei­ner Gewin­nungs­be­rech­ti­gung ande­re Boden­schät­ze mit­zu­ge­win­nen, soweit sie nach der Ent­schei­dung der zustän­di­gen Behör­de bei plan­mä­ßi­ger Durch­füh­rung der Gewin­nung aus berg­tech­ni­schen oder sicher­heits­tech­ni­schen Grün­den nur gemein­schaft­lich gewon­nen wer­den kön­nen. Doch kann dies auch dazu füh­ren, dass zur Gewin­nung von jähr­lich drei bis fünf Kilo­gramm Fluß­gold am Rhein­ufer auch 400.000 t Kies mit­ge­won­nen wer­den dür­fen? Die­ser Streit bleibt wei­ter offen, das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig hat jetzt den Rechts­streit um die För­de­rung des so genann­ten "Rhein­golds" an das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz in Koblenz zur wei­te­ren Sach­ver­halts­klä­rung zurück­ver­wie­sen.

Rhein­gold

Die Bei­gela­de­ne, ein Unter­neh­men der Kies- und Beton­in­dus­trie, baut im Land­kreis Ger­mers­heim Quarz­kies ab. Eine roh­stoff­geo­lo­gi­sche Unter­su­chung des Lan­des­am­tes für Geo­lo­gie und Berg­bau Rhein­land-Pfalz bestä­tig­te das Vor­kom­men von Gold im Boden die­ses Gebie­tes. Es kommt in Form klei­ner flit­ter­ar­ti­ger Ble­che von maxi­mal 0,4 mm Durch­mes­ser oder als win­zi­ge Kör­ner vor, die mit dem Kies ver­mischt sind. Die zustän­di­ge Berg­be­hör­de erteil­te der Rechts­vor­gän­ge­rin der Bei­gela­de­nen eine Bewil­li­gung zur Gewin­nung von Gold in einem 913 000 qm gro­ßen Bewil­li­gungs­feld. Die Grund­stü­cke im Bewil­li­gungs­feld ste­hen nur zum Teil im Eigen­tum der Bei­gela­de­nen. Neben ande­ren ist der Klä­ger dort Eigen­tü­mer eines bis­her land­wirt­schaft­lich genutz­ten Grund­stücks. Auf Antrag der Bei­gela­de­nen ent­schied die zustän­di­ge Berg­be­hör­de gemäß § 42 BBergG fer­ner, dass in ihrem Bewil­li­gungs­feld die Gewin­nung des Boden­schat­zes Gold aus berg­tech­ni­schen Grün­den nur gemein­schaft­lich mit Quarz­kies mög­lich ist. Der Bescheid über die­se Mit­ge­win­nungs­be­rech­ti­gung ist bestands­kräf­tig. Nach­dem die Bei­gela­de­ne ver­geb­lich ver­sucht hat­te, das Grund­stück des Klä­gers zu erwer­ben, ord­ne­te die Berg­be­hör­de auf Antrag des Unter­neh­mens an, dass der Klä­ger dem Unter­neh­men gegen Ent­schä­di­gung eine Teil­flä­che sei­nes Grund­stücks von 500 m² befris­tet bis längs­tens Ende 2031 für den Abbau von Gold und anschlie­ßend als Betriebs­ge­län­de zur Ver­fü­gung stel­len müs­se.

Mit sei­ner Kla­ge gegen die­sen so genann­ten Grund­ab­tre­tungs­be­schluss hat der Klä­ger ins­be­son­de­re gel­tend gemacht, dem bei­gela­de­nen Unter­neh­men gehe es in ers­ter Linie nicht um die Gewin­nung von – nach eige­nen Anga­ben – jähr­lich nur drei bis fünf kg Gold, son­dern unter dem Deck­man­tel des für sich nicht wirt­schaft­li­chen Gold­ab­baus in Wahr­heit nur um die dabei mit­ge­won­ne­nen 400 000 t Kies. Sowohl das erst­in­stanz­lich mit der Kla­ge befass­te Ver­wal­tungs­ge­richt wie in der Beru­fungs­in­stanz auch das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhen­land-Pfalz haben die Kla­ge abge­wie­sen 1. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt hat ange­nom­men, wegen der von dem Klä­ger nicht ange­foch­te­nen Ent­schei­dung gemäß § 42 BBergG zur Mit­ge­win­nung von Quarz­kies beim Gold­ab­bau kön­ne der Klä­ger in dem jet­zi­gen Ver­fah­ren gegen die Grund­ab­tre­tung mit sei­nen Ein­wän­den zum Miss­ver­hält­nis zwi­schen den erwirt­schaf­te­ten Erträ­gen für Gold und für Quarz­kies nicht mehr gehört wer­den. Es hat wegen der von ihm ange­nom­me­nen Bin­dungs­wir­kung der Mit­ge­win­nungs­ent­schei­dung des­halb nicht mehr geprüft, ob der Gold­ab­bau durch das Unter­neh­men einen öko­no­misch sinn­vol­len Berg­bau dar­stellt, der gegen­über dem Inter­es­se des Klä­gers am Erhalt sei­nes Grund­stücks­ei­gen­tums über­wiegt.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat die­se Auf­fas­sung nicht geteilt: Die Ent­schei­dung gemäß § 42 BBergG bezieht sich allein auf die berg­tech­ni­schen Ver­hält­nis­se der Lager­stät­te; Belan­ge der spä­ter mög­li­cher­wei­se betrof­fe­nen Grund­stücks­ei­gen­tü­mer spie­len hier­bei eben­so wenig eine Rol­le wie die Wirt­schaft­lich­keit des geplan­ten Gewin­nungs­be­triebs. Der "Mit­ge­win­nungs­ent­schei­dung" kommt des­halb für die im Grund­ab­tre­tungs­ver­fah­ren bedeut­sa­me Fra­ge, ob die Gold­ge­win­nung als ein die Inter­es­sen des Grund­stücks­ei­gen­tü­mers über­wie­gen­der, öko­no­misch sinn­vol­ler Berg­bau anzu­se­hen ist, kei­ner­lei Bin­dungs­wir­kung zu. Da die­se – auch tat­säch­li­che Fest­stel­lun­gen ein­schlie­ßen­de – Beur­tei­lung in ers­ter Linie dem Tat­sa­chen­ge­richt zusteht und bis­her wegen des­sen abwei­chen­der Rechts­auf­fas­sung nicht aus­rei­chend vor­ge­nom­men wor­den ist, muss­te die Sache an das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz zurück­ver­wie­sen wer­den.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 24. Juni 2010 – 7 C 16.09

  1. OVG RLP -1 A 10231/​08[]