Rich­ter­vor­la­gen bei bereits außer Kraft getre­te­nem Recht

Es besteht kei­ne Vor­la­ge­ver­pflich­tung der Gerich­te für von die­sen für ver­fas­sungs­wid­rig ange­se­he­ne, aber bereits außer Kraft getre­te­ne Vor­schrif­ten.

Rich­ter­vor­la­gen bei bereits außer Kraft getre­te­nem Recht

Es besteht regel­mä­ßig kein über den Ein­zel­fall hin­aus­grei­fen­des Inter­es­se dar­an, die Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit von Recht zu klä­ren, das außer Kraft getre­ten ist 1.

Nichts ande­res gilt, wenn mit der Ver­fas­sungs­be­schwer­de gel­tend gemacht wird, das ent­schei­den­de Gericht habe gegen Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG ver­sto­ßen, weil es eine Rege­lung unter Umge­hung der Vor­la­ge­pflicht nach Art. 100 Abs. 1 GG zur (ver­meint­li­chen) Wah­rung ihrer Ver­fas­sungs­kon­for­mi­tät in nicht ver­tret­ba­rer Wei­se aus­ge­legt habe, die­se Rege­lung aber – wie hier – bereits außer Kraft getre­ten ist.

So wie regel­mä­ßig kein Inter­es­se an der Klä­rung der Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit von außer Kraft getre­te­nem Recht besteht, besteht im Regel­fall auch kein über den Ein­zel­fall hin­aus­ge­hen­des Inter­es­se an der Klä­rung, ob eine außer Kraft getre­te­ne Rege­lung jener Aus­le­gung zugäng­lich war, die das Gericht zur Ver­mei­dung ihrer (ver­meint­li­chen) Ver­fas­sungs­wid­rig­keit gewählt hat oder ob das Gericht nach Art. 100 Abs. 1 GG zur Vor­la­ge ver­pflich­tet war.

Der durch Art. 100 Abs. 1 GG bezweck­te Schutz davor, dass sich die Fach­ge­rich­te über den Wil­len des Gesetz­ge­bers hin­weg­set­zen, indem sie sei­nem Gesetz durch ver­meint­lich ver­fas­sungs­kon­for­me, unzu­läs­si­ge Aus­le­gung die Aner­ken­nung ver­sa­gen 2, ist regel­mä­ßig nicht mehr erfor­der­lich, wenn das Gesetz ohne­hin nicht mehr gilt. Auch der Durch­set­zung des Rechts auf den durch Art. 100 Abs. 1 GG bestimm­ten gesetz­li­chen Rich­ter im Sin­ne des Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG 3 bedarf es dann grund­sätz­lich nicht mehr.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 21. August 2018 – 1 BvR 2674/​17

  1. vgl. BVerfGE 91, 186, 200; stRspr[]
  2. vgl. BVerfGE 138, 64, 90 Rn. 78 m.w.N.[]
  3. vgl. BVerfGE 138, 64, 89 ff. Rn. 76 ff.[]