Rück­sicht­nah­me auf die Nach­bar­be­bau­ung im Gewer­be­ge­biet

nner­halb eines Gewer­be­ge­biets kann nicht das­sel­be Maß an Rück­sicht­nah­me bezüg­lich der erdrückenden/​einmauernden oder der ver­schat­ten­den Wir­kung eines Nach­bar­ge­bäu­des ver­langt wer­den wie in Wohn­ge­bie­ten.

Rück­sicht­nah­me auf die Nach­bar­be­bau­ung im Gewer­be­ge­biet

§ 15 Abs. 1 Satz 2 BauN­VO ent­hält in unmit­tel­ba­rer bzw. ent­spre­chen­der Anwen­dung das Gebot der Rück­sicht­nah­me – auch in einer sub­jek­tiv recht­li­chen Aus­prä­gung 1. Um erfolg­reich zu sein, müss­ten sie – unter Wür­di­gung aller maß­geb­li­chen Umstän­de des Ein­zel­falls, ins­be­son­de­re der tat­säch­li­chen und recht­li­chen Vor­be­las­tung der Grund­stü­cke und des Gebiets, der tat­säch­li­chen und recht­li­chen Schutz­wür­dig­keit der Betei­lig­ten wie der Art und Inten­si­tät aller in Betracht kom­men­den Nach­tei­le – in städ­te­bau­lich rele­van­ten Belan­gen unzu­mut­bar beein­träch­tigt sein 2.

In recht­li­cher Hin­sicht ist in den Blick zu neh­men, dass Gewer­be­ge­bie­te nach dem Wil­len des Gesetz­ge­bers wesent­lich enger und dich­ter bebaut wer­den dür­fen als Wohn­ge­bie­te. So lässt etwa § 17 Abs. 1 BauN­VO für Gewer­be­ge­bie­te eine dop­pelt so hohe Aus­nut­zung nach der GRZ und GFZ zu wie in Wohn­ge­bie­ten. Fer­ner müs­sen in Gewer­be­ge­bie­ten wesent­lich gerin­ge­re Abstands­flä­chen­tie­fen ein­ge­hal­ten wer­den als in Wohn­ge­bie­ten. Die Abstän­de wer­den in Gewer­be­ge­bie­ten mit dem Fak­tor von nur 0,125 der Wand­hö­he, in Wohn­ge­bie­ten hin­ge­gen mit dem Fak­tor von 0,4 der Wand­hö­he errech­net. Hier­aus folgt, dass das Schutz­ni­veau gegen „her­an­rü­cken­de“ Bau­kör­per in Gewer­be­ge­bie­ten deut­lich gerin­ger ist als in Wohn­ge­bie­ten. Dies müs­sen sich auch die Antrag­stel­ler ent­ge­gen hal­ten las­sen.

Aus Vor­ste­hen­dem folgt, dass in Gewer­be­ge­bie­ten auch das Schutz­ni­veau gegen Belich­tungs- und Beson­nungs­nach­tei­le im Ver­hält­nis zu Wohn­ge­bie­ten deut­lich abge­senkt ist 3.

Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg, Beschluss vom 24. Mai 2012 – 3 S 629/​12

  1. vgl. hier­zu BVerwG, Urteil vom 06.10.1989 – 4 C 14.87, NJW 1990, 364 ff.; und Urteil vom 07.12.2000 – 4 C 3.00, NVwZ 2001, 813 ff.[]
  2. st. Rspr. des VGH Bad.-Württ., vgl. etwa Beschluss vom 20.03.2012 – 3 S 223/​12; vom 08.11.2007 – 3 S 1923/​07, VBlBW 20008, 147 ff.; und v. 16.02.1990 – 3 S 155/​90[]
  3. so zutref­fend auch VG Ans­bach, Urteil vom 28.07.2009 – AN 9 K 08.02274[]