Rück­stel­lung vom Wehr­dienst – Dua­le Hoch­schu­le Baden-Würt­tem­berg

Ein Wehr­pflich­ti­ger ist wegen des Besuchs der Dua­len Hoch­schu­le Baden-Würt­tem­berg vom Wehr­dienst zurück­zu­stel­len.

Rück­stel­lung vom Wehr­dienst – Dua­le Hoch­schu­le Baden-Würt­tem­berg

In einem jetzt vom Ver­wal­tungs­ge­richt Neu­stadt ent­schie­de­nen Fall absol­vier­te der 1986 gebo­re­ne Klä­ger vom 1. August 2007 bis zum 31. Juli 2009 eine Berufs­aus­bil­dung zum Kauf­mann im Ein­zel­han­del. In die­ser Zeit war er vom Wehr­dienst zurück­ge­stellt.

Im Juni 2009 teil­te er mit, dass er sei­ne Abschluss­prü­fung bei der Indus­trie- und Han­dels­kam­mer der Pfalz bestan­den habe und ihm sein Aus­bil­dungs­be­trieb wegen sei­ner guten Ergeb­nis­se ab dem 1. Okto­ber 2009 ein drei­jäh­ri­ges Stu­di­um an der Dua­len Hoch­schu­le Bade-Würt­tem­berg in Karls­ru­he im Stu­di­en­gang Han­del zum Bache­lor of Arts ermög­li­che. Zur Durch­füh­rung die­ses Stu­di­ums habe er am 21. April 2009 einen von der Dua­len Hoch­schu­le vor­ge­ge­be­nen Aus­bil­dungs­ver­trag mit sei­nem bis­he­ri­gen Aus­bil­dungs­be­trieb geschlos­sen. Er bit­te daher um Zurück­stel­lung vom Wehr­dienst. Zur Durch­füh­rung des Stu­di­ums benö­ti­ge er näm­lich eine prak­ti­sche Aus­bil­dungs­stät­te, und der Betrieb bie­te ihm die prak­ti­sche Aus­bil­dung inner­halb des Stu­di­ums nur mit Beginn der Stu­di­en­pha­se ab dem 1. Okto­ber 2009 an.

Die­sen Antrag lehn­te die Wehr­be­reichs­ver­wal­tung West ab. Zugleich berief sie den Klä­ger zum neun­mo­na­ti­gen Grund­wehr­dienst ab dem 1. Novem­ber 2009 ein. Nach erfolg­lo­sem Wider­spruchs­ver­fah­ren erhob der Betrof­fe­ne Kla­ge zum Ver­wal­tungs­ge­richt.

Die Ver­wal­tungs­rich­ter von der Wein­stra­ße gaben ihm Recht: Der Klä­ger kön­ne sei­ne Zurück­stel­lung wegen sei­ner am 1. Okto­ber 2009 begon­ne­nen Aus­bil­dung an der Dua­len Hoch­schu­le ver­lan­gen. Nach den Bestim­mun­gen des Wehr­pflicht­ge­set­zes sol­le ein Wehr­pflich­ti­ger auf Antrag vom Wehr­dienst zurück­ge­stellt wer­den, wenn sei­ne Her­an­zie­hung für ihn u. a. aus beruf­li­chen Grün­den eine beson­de­re Här­te bedeu­ten wür­de. Eine sol­che Här­te lie­ge hier vor. Das Stu­di­um an der Dua­len Hoch­schu­le Baden-Würt­tem­berg sei dadurch gekenn­zeich­net, dass der Stu­die­ren­de zwin­gend einen Betrieb (einen sog. Dua­len Part­ner) als prak­ti­sche Aus­bil­dungs­stät­te zur Ableis­tung der vor­ge­schrie­be­nen prak­ti­schen Stu­di­en­zei­ten benö­ti­ge. Eine Unter­bre­chung durch den Wehr­dienst wür­de im Fal­le des Klä­gers aber dazu füh­ren, dass die Aus­bil­dungs­stät­te nicht mehr – auch nicht zu einem spä­te­ren Zeit­punkt nach Ableis­tung des Grund­wehr­diens­tes – zur Ver­fü­gung stün­de. Dies hät­te zur Fol­ge, dass er sein Stu­di­um ins­ge­samt nicht durch­füh­ren kön­ne.

Ver­wal­tungs­ge­richt Neu­stadt, Urteil vom 14. Juni 2010 – 3 K 939/​09.NW