Rund­funk­bei­trag

Der Rund­funk­bei­trag ist eben­so­we­nig ver­fas­sungs­wid­rig wie der Rund­funk­bei­trags­staats­ver­trag (RBStV), der seit dem 1.01.2013 die Rechts­grund­la­ge für die Erhe­bung von Rund­funk­bei­trä­gen dar­stellt.

Rund­funk­bei­trag

Mit die­ser Begrün­dung hat jetzt das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len die Beru­fun­gen von drei Klä­gern zurück­ge­wie­sen, die sich gegen die Erhe­bung von Rund­funk­bei­trä­gen im pri­va­ten Bereich durch den WDR gewandt hat­ten. Die kla­ge­ab­wei­sen­den Urtei­le der Ver­wal­tungs­ge­rich­te Arns­berg und Köln wur­den damit vom Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in Müns­ter bestä­tigt.

Der Rund­funk­bei­trags­staats­ver­trag, so die Müns­te­ra­ner Rich­ter, begeg­ne kei­nen durch­grei­fen­den euro­pa­recht­li­chen oder ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken. Ins­be­son­de­re sei er in allen sei­nen Rege­lungs­tei­len for­mell und mate­ri­ell ver­fas­sungs­ge­mäß. Die Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz für die Erhe­bung des Rund­funk­bei­trags lie­ge bei den Län­dern. Der durch den Rund­funk­bei­trags­staats­ver­trag sowohl für den pri­va­ten Bereich als auch für den nicht pri­va­ten Bereich aus­ge­stal­te­te Rund­funk­bei­trag sei kei­ne (ver­deck­te) Steu­er, die der Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz des Bun­des unter­fie­le. Auch wenn die Anknüp­fung der Bei­trags­er­he­bung an die Woh­nung (im pri­va­ten Bereich) bzw. an die Betriebs­stät­te (im nicht pri­va­ten Bereich) all­ge­mein gefasst sei, han­de­le es sich noch um einen ech­ten Bei­trag. Der Rund­funk­bei­trag blei­be eine Gegen­leis­tung für die indi­vi­du­el­le Emp­fangs­mög­lich­kei t öffent­lich-recht­li­chen Rund­funks mit einer spe­zi­el­len, zweck­ge­bun­de­nen Finan­zie­rungs­funk­ti­on nach einem bestimm­ten Ver­tei­lungs­schlüs­sel. Mit Blick auf sei­nen wei­ten Gestal­tungs­spiel­raum bei der Aus­ge­stal­tung der Rund­funk­ord­nung, der sei­ner­seits ver­fas­sungs­recht­lich garan­tiert sei, habe der Gesetz­ge­ber typi­sie­rend anneh­men dür­fen, dass von der Rund­funk­emp­fangs­mög­lich­keit übli­cher­wei­se in den gesetz­lich bestimm­ten Raum­ein­hei­ten Woh­nung und Betriebs­stät­te Gebrauch gemacht wird. Beson­de­re Här­te­fäl­le könn­ten über die aus­nahms­wei­se Befrei­ungs­mög­lich­keit des § 4 Abs. 6 Satz 1 RBStV gelöst wer­den. In mate­ri­el­ler Hin­sicht ver­sto­ße der Rund­funk­bei­trags­staats­ver­trag nament­lich nicht gegen den all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz. Auch inso­weit bewe­ge sich der Gesetz­ge­ber noch im Bereich einer zuläs­si­gen Typi­sie­rung als sach­li­chem Grund für die Anbin­dung der Bei­trags­pflicht an die Woh­nung bzw. die Betriebs­stä tte. Dies gel­te gera­de unter Berück­sich­ti­gung sowohl der gesetz­lich vor­ge­se­he­nen Befrei­ungs­mög­lich­kei­ten und Aus­nah­men als auch der degres­si­ven Staf­fe­lung der Bei­trags­pflicht für Betriebs­stät­ten nach der Anzahl der Beschäf­tig­ten. Zuletzt sei­en auch die im Rund­funk­bei­trags­staats­ver­trag vor­ge­se­he­nen Nach­weis- und Anzei­ge­pflich­ten eben­so wie der ein­ma­li­ge Mel­de­da­ten­ab­gleich mit dem all­ge­mei­nen Per­sön­lich­keits­recht ver­ein­bar. Aus den vor­ste­hen­den Grün­den sei eine Vor­la­ge der Sachen an das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nach Art. 100 Abs. 1 GG nicht in Betracht gekom­men.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein ‑West­fa­len, Urtei­le vom 12. März 2015 – 2 A 2311/​142 A 2422/​14 und 2 A 2423/​14