Rund­funk­bei­trag – aber ja doch

Der Rund­funk­bei­trag für pri­va­te Haus­hal­te wird nach Ansicht des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts ver­fas­sungs­ge­mäß erho­ben.

Rund­funk­bei­trag – aber ja doch

Nach dem Rund­funk­bei­trags­staats­ver­trag der Län­der wird seit dem 1. Janu­ar 2013 für jede Woh­nung ein ein­heit­li­cher Rund­funk­bei­trag erho­ben, der von den voll­jäh­ri­gen Bewoh­nern zu bezah­len ist. Der Rund­funk­bei­trag hat die frü­he­re Rund­funk­ge­bühr abge­löst, die anfiel, wenn ein Rund­funk­emp­fangs­ge­rät zum Emp­fang bereit­ge­hal­ten wur­de. Von der Bei­trags­zah­lung wird auf Antrag aus bestimm­ten sozia­len Grün­den sowie bei objek­ti­ver Unmög­lich­keit des Rund­funk­emp­fangs in der Woh­nung befreit. Eine Befrei­ung wegen feh­len­den Besit­zes eines Emp­fangs­ge­räts ist nicht vor­ge­se­hen. Die Bei­trags­hö­he ist im Rund­funk­fi­nan­zie­rungs­staats­ver­trag ent­spre­chend dem jewei­li­gen Vor­schlag der unab­hän­gi­gen Kom­mis­si­on zur Ermitt­lung und Über­prü­fung des Finanz­be­darfs (KEF) zunächst auf 17,98 € im Monat, seit 2015 auf 17,50 € im Monat fest­ge­setzt.

In den 18 hier vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Fäl­len haben die Klä­ger Beschei­de, in denen die beklag­ten Rund­funk­an­stal­ten rück­stän­di­ge Bei­trä­ge fest­ge­setzt haben, vor allem mit der Begrün­dung ange­foch­ten, nicht im Besitz eines Rund­funk­emp­fangs­ge­räts zu sein. Alle die­se Kla­gen hat­ten in den Vor­in­stan­zen kei­nen Erfolg gehabt, sowohl die erst­in­stanz­li­chen Ver­wal­tungs­ge­rich­te wie auch der Baye­ri­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof 1 und das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len 2 haben die Kla­gen abge­wie­sen. Und das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat nun auch die Revi­sio­nen der Klä­ger gegen die Beru­fungs­ur­tei­le aus Mün­chen und Müns­ter zurück­ge­wie­sen:

Die Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz der Län­der für das Rund­funk­recht umfasst auch die Rege­lungs­be­fug­nis für den Rund­funk­bei­trag. Die Kom­pe­tenz­re­ge­lun­gen der Finanz­ver­fas­sung des Grund­ge­set­zes sind nicht anwend­bar, weil es sich bei dem Rund­funk­bei­trag nicht um eine Steu­er, son­dern um eine rund­funk­spe­zi­fi­sche nicht­steu­er­li­che Abga­be han­delt. Der Rund­funk­bei­trag wird nicht wie eine Steu­er vor­aus­set­zungs­los, son­dern als Gegen­leis­tung für die Mög­lich­keit erho­ben, die öffent­lich-recht­li­chen Rund­funk­pro­gram­me emp­fan­gen zu kön­nen. Das Bei­trags­auf­kom­men wird nicht in die Haus­hal­te der Län­der ein­ge­stellt, um die vom Haus­halts­ge­setz­ge­ber bestimm­ten Gemein­las­ten zu finan­zie­ren. Nach dem Rund­funk­bei­trags­staats­ver­trag dient es der funk­ti­ons­ge­rech­ten Finanz­aus­stat­tung des öffent­lich-recht­li­chen Rund­funks. Dem­zu­fol­ge legt der Rund­funk­fi­nan­zie­rungs­staats­ver­trag fest, dass Über­schüs­se vom Finanz­be­darf für die fol­gen­de zwei­jäh­ri­ge Bei­trags­pe­ri­ode abge­zo­gen wer­den.

Für die­se Art der nicht­steu­er­li­chen Finan­zie­rung des öffent­lich-recht­li­chen Rund­funks besteht die ver­fas­sungs­recht­lich not­wen­di­ge beson­de­re Recht­fer­ti­gung. Dies folgt zum einen dar­aus, dass der Rund­funk­bei­trag den Vor­teil der Rund­funk­emp­fangs­mög­lich­keit abgilt. Die Anknüp­fung der Bei­trags­pflicht an die Woh­nung ist geeig­net, die­sen Vor­teil zu erfas­sen. Die Annah­me, dass Rund­funk­pro­gram­me typi­scher­wei­se in Woh­nun­gen emp­fan­gen wer­den, hält sich inner­halb des gesetz­ge­be­ri­schen Gestal­tungs­spiel­raums, weil nach den Erhe­bun­gen des Sta­tis­ti­schen Bun­des­amts weit über 90 % der pri­va­ten Haus­hal­te mit Fern­seh­ge­rä­ten aus­ge­stat­tet sind. Auch muss­ten die Lan­des­ge­setz­ge­ber nicht an der gerä­te­ab­hän­gi­gen Rund­funk­ge­bühr fest­hal­ten, weil deren Ver­ein­bar­keit mit dem Ver­fas­sungs­ge­bot der Abga­ben­ge­rech­tig­keit zumin­dest zwei­fel­haft war. Ins­be­son­de­re die Ver­brei­tung mul­ti­funk­tio­na­ler Emp­fangs­ge­rä­te führ­te dazu, dass das gebüh­ren­pflich­ti­ge Bereit­hal­ten eines Emp­fangs­ge­räts gegen den Wil­len der Besit­zer nicht mehr fest­ge­stellt wer­den konn­te.

Zum ande­ren stellt die Erhe­bung einer nicht­steu­er­li­chen Abga­be nach der bin­den­den Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts die dem öffent­lich-recht­li­chen Rund­funk gemä­ße Finan­zie­rung dar. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt geht davon aus, dass die Rund­funk­an­stal­ten dadurch in die Lage ver­setzt wer­den, den klas­si­schen, der Viel­falt­si­che­rung ver­pflich­te­ten Rund­funk­auf­trag unter den Bedin­gun­gen der dua­len Rund­funk­ord­nung zu erfül­len, ohne in eine mit der Rund­funk­frei­heit unver­ein­ba­re, weil die Viel­falt gefähr­den­de Abhän­gig­keit von Wer­be­ein­nah­men oder staat­li­chen Zuschüs­sen zu gera­ten.

Nach alle­dem ist es ver­fas­sungs­recht­lich nicht gebo­ten, eine Befrei­ungs­mög­lich­keit bei feh­len­dem Gerä­te­be­sitz zu eröff­nen. Dies wür­de das gesetz­li­che Ziel, eine mög­lichst gleich­mä­ßi­ge Erhe­bung des Bei­trags zu gewähr­leis­ten, kon­ter­ka­rie­ren. Hin­zu kommt, dass der Nach­weis, nicht über ein Emp­fangs­ge­rät zu ver­fü­gen, auf­grund der tech­ni­schen Ent­wick­lung mit ange­mes­se­nem Auf­wand nicht mehr ver­läss­lich erbracht wer­den kann.

Die Anknüp­fung der Bei­trags­pflicht an die Woh­nung ver­stößt nicht zu Las­ten der Per­so­nen, die eine Woh­nung allei­ne inne­ha­ben, gegen das Gebot der Gleich­be­hand­lung, weil hier­für ein hin­rei­chen­der sach­li­cher Grund besteht: Die Woh­nung stellt den typi­schen Ort des Pro­gramm­emp­fangs dar und ermög­licht es, die Bei­trä­ge ohne tat­säch­li­chen Ermitt­lungs­auf­wand zu erhe­ben. Dar­auf durf­ten die Lan­des­ge­setz­ge­ber ange­sichts der Viel­zahl der bei­trags­re­le­van­ten Sach­ver­hal­te, der Häu­fig­keit der Bei­trags­er­he­bung und der Bei­trags­hö­he abstel­len.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urtei­le vom 16. und 17. April 2016 – 6 C 6.15, 6 C 7.15, 6 C 8.15, 6 C 21.15, 6 C 22.15, 6 C 23.15, 6 C 25.15, 6 C 26.15, 6 C 27.15, 6 C 28.15, 6 C 29.15, 6 C 31.15, 6 C 32.15 und 6 C 33.15

  1. BayVGH, Urtei­le vom 29.06.2015 – 7 B 15.253; 7 B 15.379; vom 07.07.2015 – 7 B 15.809; 7 B 15.846; vom 15.07.2015 – 7 B 15.246; vom 21.07.2015 – 7 BV 14.1772; vom 22.07.2015 – 7 BV 14.1980; vom 23.07.2015 – 7 B 15.125; und vom 30.07.2015 – 7 B 15.614[]
  2. OVG NRW, Urtei­le vom 12.03.2015 – 2 A 2311/​14; 2 A 2422/​14; 2 A 2423/​14; vom 24.06.2015 – 2 A 2627/​14; und vom 17.07.2015 – 2 A 356/​15[]