Sach­sen: Über­höh­te Tele­fon­ge­büh­ren im Maß­re­gel­voll­zug

Der Frei­staat Sach­sen darf als Trä­ger des Säch­si­schen Kran­ken­hau­ses für Psych­ia­trie und Neu­ro­lo­gie in Arns­dorf (Land­kreis Baut­zen) kei­ne höhe­ren Prei­se für Tele­fon­ge­sprä­che abrech­nen, als sie den Kos­ten der Deut­schen Tele­kom AG ent­spre­chen. So hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Dres­den in fol­gen­dem Fall ent­schie­den:

Sach­sen: Über­höh­te Tele­fon­ge­büh­ren im Maß­re­gel­voll­zug

Pati­en­ten des Lan­des­kran­ken­hau­ses in Arns­dorf wer­den der­zeit 15 Cent für das Tele­fo­nie­ren pro Ein­heit berech­net. Dage­gen wand­te sich der Klä­ger, der Pati­ent des Maß­re­gel­voll­zugs in dem Säch­si­schen Kran­ken­haus ist. Er mach­te gel­tend, dass das an den »Info­High­Way« des Frei­staats Sach­sen ange­schlos­se­ne Kran­ken­haus selbst ledig­lich 1,98 Cent pro Minu­te an sei­nen Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­an­bie­ter zah­le. Durch den hohen Preis wer­de sein Recht auf Tele­kom­mu­ni­ka­ti­on unzu­läs­sig beschränkt, zudem sei der Frei­staat ver­pflich­tet, die von ihm erreich­te Preis­re­du­zie­rung an die Pati­en­ten wei­ter­zu­ge­ben.

Dem­ge­gen­über brach­te das den Frei­staat Sach­sen ver­tre­ten­de Säch­si­sche Staats­mi­nis­te­ri­um des Innern vor, die Kli­nik sei auf­grund beson­de­rer Bedin­gun­gen im Kran­ken­haus – etwa dem häu­fi­gen Pati­en­ten­wech­sel oder der Not­wen­dig­keit ein­zel­ne Ruf­num­mern zu sper­ren – sowie wegen des Unter­halts- und Repa­ra­tur­auf­wands ihrer Tele­fon­an­la­ge dar­auf ange­wie­sen, min­des­tens 15 Cent zu erhe­ben.

Der Klä­ger hat eine deut­li­che Sen­kung sei­ner ihm von der Kli­nik in Rech­nung gestell­ten Tele­fon­kos­ten erstrit­ten. Der Frei­staat Sach­sen als Trä­ger des Kran­ken­hau­ses wur­de ver­pflich­tet, »gegen­über dem Klä­ger kei­ne höhe­ren Prei­se für Tele­fon­ge­sprä­che abzu­rech­nen, als sie den Kos­ten der Deut­schen Tele­kom AG ent­spre­chen«.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Dres­den wies dar­auf hin, dass nach den gesetz­li­chen Vor­ga­ben das Leben im Maß­re­gel­voll­zug den all­ge­mei­nen Lebens­be­din­gun­gen ange­gli­chen wer­den sol­le, soweit dies ohne Beein­träch­ti­gung des Zwecks der Unter­brin­gung mög­lich sei. Dazu gehö­re auch, dass Tele­fon­ge­sprä­che – eben­so wie sons­ti­ge Ange­bo­te – markt­ge­rech­ten Prei­sen ent­spre­chen müss­ten. Es sei in die­sem Zusam­men­hang zwar recht­lich nicht zu bean­stan­den, dass der Frei­staat in einer Ver­wal­tungs­vor­schrift die Höhe des Ent­gelts für pri­va­te Tele­fon­ge­sprä­che ent­spre­chend den all­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen der Deut­schen Tele­kom fest­ge­legt habe, obwohl er sich selbst eines ande­ren Unter­neh­mens bedie­ne. Tele­fon­ta­ri­fe unter­lä­gen Schwan­kun­gen, einen Anspruch auf den nied­rigs­ten Preis, der gera­de von irgend einem Unter­neh­men ange­bo­ten wer­de, gebe es nicht. Ein Ent­gelt von 15 Cent pro Ein­heit lie­ge jedoch außer­halb des recht­lich vor­ge­ge­be­nen Rah­mens. Der Klä­ger habe dar­ge­legt, dass die Deut­sche Tele­kom AG Prei­se zwi­schen 1,6 und 5,03 Cent je Ein­heit zuzüg­lich Grund­ge­büh­ren erhe­be. Dem­ge­gen­über habe der Beklag­te nicht nach­wei­sen kön­nen, dass die von ihm »behaup­te­ten Kos­ten erfor­der­lich, ange­mes­sen und pro­por­tio­nal« sei­en.

Ver­wal­tungs­ge­richt Dres­den, Urteil vom 18. Okto­ber 2011 – 2 K 1431/​08