Sal­va­to­ri­sche Klau­sel in einem städ­te­bau­li­chen Ver­trag

Die Geset­zes­bin­dung der Gemein­de steht einer Hei­lung von Ver­stö­ßen einer Fol­ge­kos­ten­ver­ein­ba­rung gegen die Vor­ga­ben des § 11 Abs. 1 Satz 2 Nr. 3 Bau­GB auf der Grund­la­ge einer sal­va­to­ri­schen Klau­sel nicht ent­ge­gen, die eine Ver­pflich­tung der Betei­lig­ten zur Erset­zung einer ein­zel­nen unwirk­sa­men Ver­trags­be­stim­mung durch eine dem damit ver­folg­ten Zweck am nächs­ten kom­men­de zuläs­si­ge Bestim­mung vor­sieht.

Sal­va­to­ri­sche Klau­sel in einem städ­te­bau­li­chen Ver­trag

Schon vor der Nor­mie­rung der recht­li­chen Anfor­de­run­gen an Fol­ge­kos­ten­ver­ein­ba­run­gen in § 11 Abs. 1 Satz 2 Nr. 3 Bau­GB und sei­nen Vor­gän­ger­re­ge­lun­gen war aner­kannt, dass Fol­ge­kos­ten­ver­trä­ge der Bin­dung an Gesetz und Recht (Art. 20 Abs. 3 GG) unter­lie­gen 1. Zu den ein­schlä­gi­gen recht­li­chen Bin­dun­gen gehört nament­lich das Erfor­der­nis der Ursäch­lich­keit zwi­schen dem geplan­ten Vor­ha­ben und den städ­te­bau­li­chen Maß­nah­men, für die Fol­ge­kos­ten anfal­len 2. § 11 Abs. 1 Satz 2 Nr. 3 Bau­GB hat das Kau­sa­li­täts­er­for­der­nis aus­drück­lich fest­ge­schrie­ben; der Vor­schrift zufol­ge kann Gegen­stand eines städ­te­bau­li­chen Ver­trags die Über­nah­me von Kos­ten oder sons­ti­gen Auf­wen­dun­gen sein, die der Gemein­de für städ­te­bau­li­che Maß­nah­men ent­ste­hen oder ent­stan­den sind und die Vor­aus­set­zung oder Fol­ge des geplan­ten Vor­ha­bens sind. Das hat zur Kon­se­quenz, dass die städ­te­bau­li­chen Maß­nah­men, deren Kos­ten über­nom­men wer­den sol­len, im Ver­trag aus­rei­chend kon­kre­ti­siert wer­den müs­sen. Nur wenn die ver­ein­bar­ten Beträ­ge durch den Ver­trag in bestimm­ter Höhe bestimm­ten Fol­ge­maß­nah­men zuge­ord­net wer­den, lässt sich gege­be­nen­falls gericht­lich über­prü­fen, ob das Kau­sa­li­täts­er­for­der­nis gewahrt ist 3.

Hier­von aus­ge­hend liegt es auf der Hand, dass die Geset­zes­bin­dung der Gemein­de einer Hei­lung von Ver­stö­ßen gegen die erwähn­ten Vor­ga­ben des § 11 Abs. 1 Satz 2 Nr. 3 Bau­GB durch eine Anpas­sungs­ver­pflich­tung der Betei­lig­ten nicht ent­ge­gen­steht, wie sie hier das Beru­fungs­ge­richt der sal­va­to­ri­schen Klau­sel in § 22 Abs. 1 Satz 2 des Ver­trags ent­nom­men hat. Danach war eine unwirk­sa­me Ver­trags­be­stim­mung durch die­je­ni­ge zuläs­si­ge Bestim­mung zu erset­zen, die dem erstreb­ten Zweck der unwirk­sa­men Bestim­mung am nächs­ten kommt 4. Für die Wah­rung des Gebots der Gesetz­mä­ßig­keit der Ver­wal­tung macht es kei­nen Unter­schied, ob bereits die ursprüng­li­che ver­trag­li­che Rege­lung den gesetz­li­chen Vor­ga­ben ent­spricht oder ob eine geset­zes­kon­for­me Rege­lung in Anwen­dung einer sal­va­to­ri­schen KIau­sel nach­träg­lich in den Ver­trag Ein­gang fin­det.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 29. Okto­ber 2010 – 9 B 9.10

  1. vgl. BVerwG, Urteil vom 06.07.1973 – 4 C 22.72, BVerw­GE 42, 331, 334[]
  2. BVerwG, Urteil vom 06.07.1973, a.a.O., S. 343[]
  3. BVerwG, Urteil vom 06.07.1973, a.a.O., S. 343; vgl. auch BVerwG, Urteil vom 29.01.2009 – 4 C 15.07, BVerw­GE 133, 85 Rn. 32[]
  4. zur grund­sätz­li­chen Unbe­denk­lich­keit sol­cher Klau­seln in öffent­lich-recht­li­chen Ver­trä­gen Bonk, in: Stelkens/​Bonk/​Sachs, VwVfG, 7. Aufl. 2008, § 55 Rn. 57[]