Sanie­rungs­sat­zung für die Köl­ner Innen­stadt

Die Sat­zung der Stadt Köln über die förm­li­che Fest­le­gung des Sanie­rungs­ge­biets „Ent­wick­lungs­be­reich süd­li­che Innen­stadt-Erwei­te­rung – ESIE – in Köln-Bay­en­thal, Rader­berg, Zoll­stock und Sülz" lei­det nach einer aktu­el­len Ent­schei­dung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts an Ermitt­lungs­feh­lern und ist daher unwirk­sam.

Sanie­rungs­sat­zung für die Köl­ner Innen­stadt

Die im Jahr 2013 vom Rat der Stadt Köln beschlos­se­ne Sat­zung legt ein etwa 100 ha gro­ßes Gebiet süd­lich der Köl­ner Innen­stadt als Sanie­rungs­ge­biet fest. Nach der Begrün­dung der Sat­zung soll u.a. der Inne­re Grün­gür­tel der Stadt bis zur Ufer­pro­me­na­de des Rheins fort­ge­führt wer­den, was den Abriss oder den Rück­bau vor­han­de­ner Bau­wer­ke und die Ver­la­ge­rung oder Ent­schä­di­gung dort ansäs­si­ger gewerb­li­cher Nut­zun­gen erfor­der­lich macht.

Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len in Müns­ter hat die Sat­zung im Nor­men­kon­troll­ver­fah­ren für unwirk­sam erklärt 1. Sie sei u.a. des­halb in erheb­li­cher Wei­se abwä­gungs­feh­ler­haft, weil sie wegen des Feh­lens einer Kos­ten- und Finan­zie­rungs­über­sicht hin­sicht­lich der finan­zi­el­len Erreich­bar­keit des Sanie­rungs­ziels auf einem unzu­rei­chend ermit­tel­ten Sach­ver­halt beru­he.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat das Nor­men­kon­trol­l­ur­teil im Ergeb­nis bestä­tigt. Die gebo­te­ne zügi­ge Durch­füh­rung der städ­te­bau­li­chen Sanie­rungs­maß­nah­me erfor­dert, dass sich die Gemein­de im Zeit­punkt des Sat­zungs­be­schlus­ses Klar­heit dar­über ver­schafft, ob sie die Sanie­rungs­maß­nah­me in abseh­ba­rer Zeit finan­zie­ren kann. Eine Kos­ten- und Finan­zie­rungs­über­sicht i.S.v. § 149 Abs. 1 Satz 1 Bau­GB ist hier­für zwar ein denk­ba­res und nahe­lie­gen­des Mit­tel, jedoch – anders, als das OVG mein­te – kei­ne zwin­gen­de Vor­aus­set­zung. Denn auch über­schlä­gi­ge Ermitt­lun­gen kön­nen aus­rei­chen, sofern sich auf ihrer Grund­la­ge die finan­zi­el­le Durch­führ­bar­keit der Maß­nah­me nach­voll­zieh­bar pro­gnos­ti­zie­ren lässt. Die­sen Anfor­de­run­gen genügt die Sanie­rungs­at­zung der Stadt Köln nicht. Das hat das OVG im Ergeb­nis zu Recht ange­nom­men.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urtei­le vom 10. April 2018 – 4 CN 2.174 CN 3.174 CN 4.17 und 4 CN 5.17

  1. OVG NRW, Urtei­le vom 12.11.2015 – 7 D 66/​14.NE, 7 D 67/​14.NE, 7 D 70/​14.NE und 7 D 76/​14.NE[]