Sank­tio­nen in der Par­tei­en­fi­nan­zie­rung – der Rechen­schafts­be­richt der NPD

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig hat die Fest­set­zung einer Zah­lungs­ver­pflich­tung durch den Prä­si­den­ten des Deut­schen Bun­des­ta­ges wegen Unrich­tig­kei­ten im Rechen­schafts­be­richt der NPD für das Jahr 2007 teil­wei­se als rechts­wid­rig auf­ge­ho­ben.

Sank­tio­nen in der Par­tei­en­fi­nan­zie­rung – der Rechen­schafts­be­richt der NPD

Mit Bescheid vom 26. März 2009 stell­te der beklag­te Prä­si­dent des Deut­schen Bun­des­ta­ges fest, dass wegen fest­ge­stell­ter Unrich­tig­kei­ten in Höhe von ca.1,25 Mio. € im Rechen­schafts­be­richt der Natio­nal­de­mo­kra­ti­schen Par­tei Deutsch­lands (NPD) für das Jahr 2007 nach den Bestim­mun­gen des Par­tei­en­geset­zes ein Anspruch in Höhe des Zwei­fa­chen des den unrich­ti­gen Anga­ben ent­spre­chen­den Betra­ges ent­stan­den sei; fer­ner stell­te er die Ver­pflich­tung der Klä­ge­rin zur Zah­lung von rund 2,5 Mio. € fest. Die bean­stan­de­ten Unrich­tig­kei­ten betra­fen im Wesent­li­chen die fal­sche Aus­wei­sung staat­li­cher Mit­tel, die Nicht­auf­nah­me bestehen­der For­de­run­gen aus der staat­li­chen Teil­fi­nan­zie­rung, die feh­len­de Erläu­te­rung sons­ti­ger Ein­nah­men trotz Erläu­te­rungs­pflicht und das Feh­len eines lücken­lo­sen Anschlus­ses des Rein­ver­mö­gens des Rech­nungs­jah­res 2007 an das­je­ni­ge des Jah­res 2006.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin gab der gegen den Bescheid erho­be­nen Kla­ge zum Teil statt 1; das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg wies sie in der Beru­fungs­in­stanz jedoch in vol­lem Umfang ab 2. Der hier­ge­gen gerich­te­ten Revi­si­on der NPD hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt nun teil­wei­se statt­ge­ge­ben:

Zwar weist der Rechen­schafts­be­richt der Klä­ge­rin im Wesent­li­chen die vom Prä­si­den­ten des Deut­schen Bun­des­ta­ges bean­stan­de­ten Unrich­tig­kei­ten auf. Ins­be­son­de­re hät­te die Klä­ge­rin bei ihren Ein­nah­men aus "staat­li­chen Mit­teln" im Rech­nungs­jahr statt der im Rech­nungs­jahr tat­säch­lich geflos­se­nen Leis­tun­gen den­je­ni­gen Betrag ange­ben müs­sen, den der Prä­si­dent des Deut­schen Bun­des­ta­ges für das ent­spre­chen­de Jahr fest­ge­setzt hat, und zwar unge­ach­tet des Umstands, dass die Fest­set­zung nach den Bestim­mun­gen des Par­tei­en­geset­zes erst zum 15. Febru­ar des Fol­ge­jahrs erfolgt. Dies folgt ins­be­son­de­re aus dem ver­fas­sungs­recht­li­chen Trans­pa­renz- und Publi­zi­täts­ge­bot (Art. 21 Abs. 1 Satz 4 GG), des­sen Ziel dar­in besteht, eine Ver­flech­tung von poli­ti­schen und wirt­schaft­li­chen Inter­es­sen offen­zu­le­gen und den Wäh­ler über jene Kräf­te zu infor­mie­ren, die die Poli­tik der ein­zel­nen Par­tei­en bestim­men. Für die Bewer­tung der wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se einer Par­tei sind ins­be­son­de­re die Höhe und der Anteil der staat­li­chen Mit­tel an den der Par­tei ins­ge­samt zur Ver­fü­gung ste­hen­den Mit­tel von zen­tra­ler Bedeu­tung. Aus der gesetz­lich gefor­der­ten Beach­tung der Grund­sät­ze ord­nungs­mä­ßi­ger Buch­füh­rung folgt fer­ner, dass das Rein­ver­mö­gen des Rech­nungs­jah­res lücken­los an das Rein­ver­mö­gen des Vor­jah­res anschlie­ßen bzw. eine vor­han­de­ne Dif­fe­renz im Rechen­schafts­be­richt erläu­tert wer­den muss, wor­an es hier eben­falls fehl­te.

Aller­dings bestehen die Unrich­tig­kei­ten in dem von der Klä­ge­rin ein­ge­reich­ten Rechen­schafts­be­richt nicht in der im ange­foch­te­nen Bescheid fest­ge­stell­ten Höhe. Ins­be­son­de­re hät­te der Prä­si­dent des Deut­schen Bun­des­ta­ges bei der Aus­le­gung des Rechen­schafts­be­richts auch nach Ablauf der im Par­tei­en­gesetz gere­gel­ten Aus­schluss­frist zur Ein­rei­chung des Berichts sol­che Umstän­de berück­sich­ti­gen müs­sen, die die Par­tei im Rah­men der Anhö­rung vor­ge­tra­gen hat. Hier­zu gehör­te im vor­lie­gen­den Fall die Erläu­te­rung eines offen­sicht­li­chen Wider­spruchs bei den Anga­ben zu den Ein­nah­men aus "staat­li­chen Mit­teln". Da sich auf die­ser Grund­la­ge eine gerin­ge­re Abwei­chung des ange­ge­be­nen von dem rich­ti­ger­wei­se aus­zu­wei­sen­den Betrag ergab, ist auch die Fest­stel­lung einer Unrich­tig­keit man­gels lücken­lo­sen Anschlus­ses des Rein­ver­mö­gens im Rech­nungs­jahr 2007 an das­je­ni­ge des Rech­nungs­jah­res 2006 nur hin­sicht­lich eines ent­spre­chend gerin­ge­ren Betra­ges zu Recht erfolgt.

Da die NPD die Unrich­tig­kei­ten hät­te vor­aus­se­hen und ver­mei­den kön­nen und damit zumin­dest fahr­läs­sig gehan­delt hat, muss­te das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt nicht ent­schei­den, ob die gesetz­lich vor­ge­se­he­ne Sank­tio­nie­rung aus Grün­den der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit ein Ver­schul­den vor­aus­setzt.

Im Ergeb­nis war der Sank­ti­ons­be­scheid des Prä­si­den­ten des Deut­schen Bun­des­ta­ges auf­zu­he­ben, soweit dar­in der den unrich­ti­gen Anga­ben im Rechen­schafts­be­richt der Klä­ge­rin für das Jahr 2007 ent­spre­chen­de Betrag über den Betrag in Höhe von ca. 635 000 € hin­aus sowie die Ver­pflich­tung zur Zah­lung über den Betrag in Höhe von 1 270 000 € hin­aus fest­ge­stellt wer­den.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 12. Dezem­ber 2012 – 6 C 32.11

  1. VG Ber­lin, Urteil vom 15.05.2009 – 2 K 39.09[]
  2. OVG Ber­lin-Bran­den­burg, Urteil­vom 23.05.2011 – 3a B 1.11[]