Scha­dens­er­satz­an­spruch einer Gemein­de wegen Feh­lern des Finanz­amts

Einer Gemein­de steht kein Scha­dens­er­satz­an­spruch gegen das Land wegen Feh­lern des Finanz­amts bei der Gewer­be­steu­er­erhe­bung zu.

Scha­dens­er­satz­an­spruch einer Gemein­de wegen Feh­lern des Finanz­amts

Die Gemein­de hat­te einen Gewer­be­steu­er­be­scheid über ca. 350 000 € gegen ein steu­er­pflich­ti­ges Unter­neh­men auf­he­ben müs­sen, weil das zustän­di­ge Finanz­amt – auf Anre­gung des Finanz­ge­richts – den Gewer­be­steu­er­mess­be­scheid wegen eines Adres­sie­rungs­feh­lers für nich­tig erklärt hat­te.

Die auf Ersatz des Gewer­be­steu­er­aus­falls gerich­te­te Kla­ge ist sowohl erst­in­stanz­lich vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Karls­ru­he 1 wie auch in der Beru­fungs­in­stanz vor dem Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg in Mann­heim 2 erfolg­los geblie­ben. Und auch das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig hat jetzt die hier­ge­gen gerich­te­te Revi­si­on zurück­ge­wie­sen:

Ein Anspruch erge­be sich nicht aus dem Rechts­in­sti­tut der Fol­gen­be­sei­ti­gung. Steu­er­recht­li­che Vor­schrif­ten ver­lie­hen der Gemein­de gegen­über dem Finanz­amt kei­nen Anspruch auf Erlass eines Gewer­be­steu­er­mess­be­schei­des, wes­halb auch ein Ersatz­an­spruch in Geld aus­schei­de. Die­se Rechts­la­ge ver­sto­ße nicht gegen Ver­fas­sungs­recht. Das den Gemein­den durch Art. 28 Abs. 2 GG gewähr­leis­te­te Selbst­ver­wal­tungs­recht wer­de nicht ver­letzt. Art. 106 Abs. 6 Satz 1 GG ver­bür­ge einer Gemein­de die Erträ­ge aus der Gewer­be­steu­er, nicht die Steu­er in einer bestimm­ten Höhe. Ein einem pri­vat­recht­li­chen Auf­trags­ver­hält­nis ähn­li­ches öffent­lich-recht­li­ches Schuld­ver­hält­nis lie­ge nicht vor, weil die Lan­des­fi­nanz­ver­wal­tung mit ihrer Mit­wir­kung bei der Gewer­be­steu­er­erhe­bung eige­ne gesetz­li­che Kom­pe­ten­zen aus­übe.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 15. Juni 2011 – 9 C 4.10

  1. VG Karls­ru­he, Urteil vom 21.02.2008 – 6 K 2136/​07 []
  2. VGH Bad.-Württ., Urteil vom 29.03.2010 – 2 S 939/​08[]