Schlie­ßung der größ­ten Dis­ko­thek Bre­mens

Die Auf­he­bung der Gast­stät­ten­er­laub­nis und die sofor­ti­ge Voll­zie­hung der Schlie­ßung des Betrie­bes ist recht­mä­ßig, wenn der Gast­stät­ten­be­trei­ber ledig­lich als sog. Stroh­mann fun­giert und er daher nicht die für den Gast­stät­ten­be­trieb erfor­der­li­che Zuver­läs­sig­keit besitzt.

Schlie­ßung der größ­ten Dis­ko­thek Bre­mens

So das Ver­wal­tungs­ge­richt der Frei­en Han­se­stadt Bre­men in dem hier vor­lie­gen­den Eil­ver­fah­ren, in dem sich die Stu­bu Dance­House GmbH dage­gen wehrt, dass die von ihr betrie­be­nen Loka­le unter Anord­nung der sofor­ti­gen Voll­zie­hung geschlos­sen wer­den. Die Antrag­stel­le­rin betreibt in einem Gebäu­de in Bre­men im Kel­ler­ge­schoss die Dis­ko­thek „Stu­bu“, im Erd­ge­schoss die Dis­ko­thek „Coco­nut“ und im 1. und 2. Ober­ge­schoss die Dis­ko­the­ken „Sky­line“ und „six­ties“ sowie die „Latin Lounge“. Das Stadt­amt Bre­men (Antrags­geg­ne­rin) hat die der Antrag­stel­le­rin in den Jah­ren 2007 und 2010 erteil­ten Gast­stät­ten­er­laub­nis­se auf­ge­ho­ben und zur Schlie­ßung des Betriebs auf­ge­for­dert. Für den Fall der Nicht­be­fol­gung wur­de die zwangs­wei­se Schlie­ßung ange­droht. Die sofor­ti­ge Voll­zie­hung wur­de ange­ord­net. Zur Begrün­dung wur­de in dem Bescheid aus­ge­führt, dass die Antrag­stel­le­rin nicht die für den Gast­stät­ten­be­trieb erfor­der­li­che Zuver­läs­sig­keit besit­ze. Die­se sei ledig­lich Stroh­mann für Herrn Rai­ner B., der als allei­ni­ger Gesell­schaf­ter der Antrag­stel­le­rin einen beherr­schen­den Ein­fluss auf deren Geschäfts­tä­tig­keit aus­übe. Die Antrag­stel­le­rin hat vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt der Frei­en Han­se­stadt Bre­men gegen die Ent­schei­dung des Stadt­amts Bre­men Kla­ge erho­ben und zugleich um vor­läu­fi­gen Rechts­schutz nach­ge­sucht.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts sei davon aus­zu­ge­hen, dass die seit 2010 von dem allei­ni­gen Gesell­schaf­ter der Antrag­stel­le­rin ein­ge­setz­ten Geschäfts­füh­rer nicht über die erfor­der­li­che Unab­hän­gig­keit und Selb­stän­dig­keit in der Betriebs­füh­rung ver­füg­ten. Bereits ver­trag­li­che Kon­struk­tio­nen sprä­chen hier­für. Danach sei Herr B. nicht nur allei­ni­ger Gesell­schaf­ter der Antrag­stel­le­rin, son­dern zugleich auch Eigen­tü­mer und Ver­päch­ter der Immo­bi­lie und Geträn­ke­lie­fe­rant der Antrag­stel­le­rin. Vor allem aber neh­me Herr B. unmit­tel­ba­ren Ein­fluss auf das Tages­ge­schäft der Antrags­stel­le­rin. Dazu lägen dem Stadt­amt zahl­rei­che Aus­sa­gen ehe­ma­li­ger Mit­ar­bei­ter der Antrag­stel­le­rin vor. Dies gel­te ins­be­son­de­re auch im sen­si­blen Bereich der Sicher­heit, in dem es bereits in der Ver­gan­gen­heit noch unter der Ver­ant­wor­tung von Herrn B. zu gra­vie­ren­den Vor­fäl­len gekom­men sei. Für den maß­geb­li­chen Ein­fluss spre­che u.a., dass Herr B. per­sön­lich den Ver­trag der Antrag­stel­le­rin mit einem Sicher­heits­un­ter­neh­men gekün­digt habe. Der Umstand, dass Herr B. offen­sicht­lich über vie­le Jah­re hin­weg ver­sucht habe, durch stän­dig neue Begrün­dung von Stroh­mann­ver­hält­nis­sen den von der Antrags­geg­ne­rin bereits im Jahr 2006 aus­ge­spro­che­nen Wider­ruf sei­ner eige­nen Gast­stät­ten­er­laub­nis zu umge­hen, las­se auch auf sei­ne eige­ne gast­stät­ten­recht­li­che Unzu­ver­läs­sig­keit schlie­ßen. Im Bereich des Gast­stät­ten­rechts recht­fer­ti­ge bereits die Exis­tenz sol­cher Stroh­mann­ver­hält­nis­se die Annah­me der gast­stät­ten­recht­li­chen Unzu­ver­läs­sig­keit aller dar­an betei­lig­ten Per­so­nen.

Es bestehe auch ein beson­de­res öffent­li­ches Inter­es­se an einer sofor­ti­gen Voll­zie­hung der behörd­li­chen Ver­fü­gun­gen. Bei der Dis­ko­thek der Antrag­stel­le­rin han­de­le es sich um die größ­te Dis­ko­thek der Bre­mer Dis­ko­mei­le, die schon wegen der hohen Anzahl ihrer Gäs­te und mit Blick auf deren Alko­hol­kon­sum beson­de­re Vor­keh­run­gen zur Siche­rung von Leib und Leben der Gäs­te erfor­de­re. Das Ver­wal­tungs­ge­richt der Frei­en Han­se­stadt Bre­men gehe mit der Antrags­geg­ne­rin davon aus, dass auf­grund der getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen zu befürch­ten sei, dass ohne ein rasches behörd­li­ches Han­deln jene Zustän­de wie­der ein­tre­ten wür­den, die bereits im Jahr 2006 die Unzu­ver­läs­sig­keit des Herrn B. als Gast­stät­ten­be­trei­ber begrün­det und zum Ent­zug sei­ner eige­nen Gast­stät­ten­er­laub­nis geführt hät­ten.

Ver­wal­tungs­ge­richt der Frei­en Han­se­stadt Bre­men, Beschluss vom 7. Sep­tem­ber 2012 – 5 V 1137/​12