Schorn­stein­fe­ger­ge­büh­ren beim zwangs­ver­wal­te­ten Grund­stück

§ 25 Abs. 4 Satz 4 SchfG ist eine taug­li­che Rechts­grund­la­ge für den Erlass eines Leis­tungs­be­schei­des über Schorn­stein­fe­ger­ge­büh­ren an den Zwangs­ver­wal­ter eines Grund­stücks.

Schorn­stein­fe­ger­ge­büh­ren beim zwangs­ver­wal­te­ten Grund­stück

Tur­nus­mä­ßig durch­zu­füh­ren­de Schorn­stein­fe­ger­ar­bei­ten nach § 13 Abs. 1 Nrn. 1 und 2 SchfG und zu erfül­len­de Kehr- oder Über­prü­fungs­pflich­ten nach der Nds. KÜVO sind wie­der­keh­ren­de Leis­tun­gen im Sin­ne der §§ 155 Abs. 2, 10 Abs. 1 Nr. 3 ZVG. Die Emis­si­ons­mes­sung bei Feue­rungs­an­la­gen für flüs­si­ge Brenn­stof­fe nach § 15 Abs. 1 1. BIm­schV und die nach einer Bean­stan­dung erfolg­te Wie­der­ho­lungs­mes­sung an der­sel­ben Feue­rungs­an­la­ge nach § 15 Abs. 5 i.V.m. § 14 Abs. 5 1. BIm­schV sind eine ein­heit­li­che (wie­der­keh­ren­de) Leis­tung im Sin­ne der §§ 155 Abs. 2, 10 Abs. 1 Nr. 3 ZVG.

Rechts­grund­la­ge für die Fest­set­zung der Schorn­stein­fe­ger­ge­büh­ren ist § 25 Abs. 4 Satz 4 Gesetz über das Schorn­stein­fe­ger­we­sen – SchfG – 1. Danach wer­den rück­stän­di­ge Schorn­stein­fe­ger­ge­büh­ren und Aus­la­gen, die trotz Mah­nung nicht ent­rich­tet wor­den sind, von der zustän­di­gen Ver­wal­tungs­be­hör­de auf Antrag des Bezirks­schorn­stein­fe­ger­meis­ters durch Bescheid fest­ge­stellt und nach den für sie gel­ten­den Vor­schrif­ten der Ver­wal­tungs­voll­stre­ckung bei­ge­trie­ben; der Schuld­ner ist vor­her zu hören.

Nach Ansicht des Nie­der­säch­si­schen Ober­ver­wal­tungs­ge­richts ist die­se Bestim­mung auch eine hin­rei­chen­de Rechts­grund­la­ge für den Erlass eines Leis­tungs­be­schei­des gegen­über dem Zwangs­ver­wal­ter eines Grund­stücks. § 25 Abs. 4 Satz 1 SchfG benennt zwar grund­sätz­lich den Grund­stücks­ei­gen­tü­mer oder im Fal­le von Woh­nungs­ei­gen­tum die Gemein­schaft der Woh­nungs­ei­gen­tü­mer als Schuld­ner der Schorn­stein­fe­ger­ge­büh­ren und Aus­la­gen. Die­se Bestim­mung beinhal­tet aber kei­ne Beschrän­kung der in § 25 Abs. 4 Satz 4 SchfG ent­hal­te­nen Ver­wal­tungs­akts­be­fug­nis. Bestim­men ande­re gesetz­li­che Rege­lun­gen als § 25 Abs. 4 Satz 1 SchfG einen abwei­chen­den oder ergän­zen­den Schuld­ner der Schorn­stein­fe­ger­ge­bühr, kann (auch) gegen­über die­sem auf der Grund­la­ge des § 25 Abs. 4 Satz 4 SchfG ein Leis­tungs­be­scheid erlas­sen wer­den.

Eine sol­che abwei­chen­de gesetz­li­che Rege­lung fin­det sich unter ande­rem in §§ 148 Abs. 2, 152, 155, 156 ZVG. Nach § 148 Abs. 2 ZVG wird dem eigent­li­chen Schuld­ner durch die Beschlag­nah­me die Ver­wal­tung und Benut­zung des Grund­stücks ent­zo­gen; nach § 152 Abs. 1 Halb­satz 1 ZVG hat nun­mehr der Zwangs­ver­wal­ter das Recht und die Pflicht, alle Hand­lun­gen vor­zu­neh­men, die erfor­der­lich sind, um das Grund­stück in sei­nem wirt­schaft­li­chen Bestand zu erhal­ten und ord­nungs­mä­ßig zu benut­zen. Der Zwangs­ver­wal­ter hat mit­hin ab Beschlag­nah­me grund­sätz­lich die Pflich­ten des Grund­stücks­ei­gen­tü­mers zu erfül­len. Die­se Ver­pflich­tung ist beschränkt auf den Umfang der Zwangs­ver­wal­tung und der durch die­se gezo­ge­nen Nut­zun­gen. So sind nach §§ 155 Abs. 1 und 2 Satz 1 ZVG vom Zwangs­ver­wal­ter nur aus den gezo­ge­nen Nut­zun­gen des Grund­stücks nach den Aus­ga­ben der Ver­wal­tung und den Kos­ten des Ver­fah­rens ver­blei­ben­de Über­schüs­se auf die in § 10 Abs. 1 Nr. 1 bis 5 ZVG bezeich­ne­ten Ansprü­che ohne wei­te­res Ver­fah­ren zu ver­tei­len. Nach § 155 Abs. 2 Satz 2 ZVG wer­den in der zwei­ten, drit­ten und vier­ten Rang­klas­se jedoch nur Ansprü­che auf lau­fen­de wie­der­keh­ren­de Leis­tun­gen berück­sich­tigt. Lie­gen aller­dings die tat­be­stand­li­chen Vor­aus­set­zun­gen die­ser Bestim­mung vor, rich­ten sich die Ansprü­che, obwohl sie das ver­wal­te­te Ver­mö­gen des Schuld­ners betref­fen, gegen den Zwangs­ver­wal­ter 2.

Hin­sicht­lich der im Bescheid vom 18.05.2010 fest­ge­setz­ten Schorn­stein­fe­ger­ge­büh­ren hat das Ver­wal­tungs­ge­richt zutref­fend das Vor­lie­gen der tat­be­stand­li­chen Vor­aus­set­zun­gen des § 155 Abs. 2 Satz 1 und 2 ZVG i.V.m. § 10 Abs. 1 Nr. 3 ZVG bejaht. Die fest­ge­setz­ten Schorn­stein­fe­ger­ge­büh­ren sind öffent­li­che Las­ten des Grund­stücks im Sin­ne des § 155 Abs. 2 Satz 1 ZVG i.V.m. § 10 Abs. 1 Nr. 3 ZVG und lau­fen­de Beträ­ge wie­der­keh­ren­der Leis­tun­gen im Sin­ne des § 155 Abs. 2 Satz 2 ZVG.

Der Cha­rak­ter der Schorn­stein­fe­ger­ge­bühr als öffent­li­che Last des Grund­stücks im Sin­ne des § 155 Abs. 2 Satz 1 ZVG i.V.m. § 10 Abs. 1 Nr. 3 ZVG ergibt sich aus der gesetz­li­chen Anord­nung in § 25 Abs. 4 Satz 1 SchfG. Danach sind Gebüh­ren nach der Rechts­ver­ord­nung nach § 24 Abs. 1 SchfG oder der Kehr- und Über­prü­fungs­ge­büh­ren­ord­nung öffent­li­che Las­ten des Grund­stücks 3.

Wie­der­keh­ren­de Leis­tun­gen im Sin­ne des § 155 Abs. 2 Satz 2 ZVG sind abzu­gren­zen von ein­ma­li­gen Leis­tun­gen 4. Als Leis­tung ist hier die Durch­füh­rung der in § 13 Abs. 1 Nrn. 1 und 2 SchfG in Ver­bin­dung mit der Ers­ten Ver­ord­nung zur Durch­füh­rung des Bun­des­Im­mis­si­ons­schutz­ge­set­zes (Ver­ord­nung über klei­ne und mitt­le­re Feue­rungs­an­la­gen) – 1. BIm­schV – vor­ge­schrie­be­nen Schorn­stein­fe­ger­ar­bei­ten und die Erfül­lung der in der Nie­der­säch­si­schen Ver­ord­nung über die Aus­füh­rung von Schorn­stein­fe­ger­ar­bei­ten – Nds. KÜVO – bestimm­ten Kehr- oder Über­prü­fungs­pflich­ten durch den Bezirks­schorn­stein­fe­ger­meis­ter anzu­se­hen. Die­se Leis­tun­gen wer­den tur­nus­ge­mäß in den in § 13 Abs. 1 Nrn. 1 und 2 SchfG i.V.m. § 15 1. BIm­schV sowie in den in § 4 Nds. KÜVO und in den in der Anla­ge 1 der Nds. KÜVO genann­ten Abstän­den bzw. Zeit­räu­men, mit­hin nicht nur ein­ma­lig, son­dern wie­der­keh­rend erbracht. Dabei teilt das Nie­der­säch­si­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt die Auf­fas­sung, dass im vor­lie­gen­den Fall die Emis­si­ons­mes­sung bei Feue­rungs­an­la­gen für flüs­si­ge Brenn­stof­fe nach § 15 Abs. 1 1. BIm­schV vom 11.08.2009 und die nach der Bean­stan­dung erfolg­te Wie­der­ho­lungs­mes­sung an der­sel­ben Feue­rungs­an­la­ge nach § 15 Abs. 5 i.V.m. § 14 Abs. 5 1. BIm­schV vom 22.01.2010 eine ein­heit­li­che (wie­der­keh­ren­de) Leis­tung dar­stel­len. Denn bei­de Leis­tungs­tei­le sind ein­heit­lich dar­auf gerich­tet fest- und sicher­zu­stel­len, dass die Feue­rungs­an­la­ge den gesetz­li­chen Anfor­de­run­gen genügt (vgl. sowohl § 15 Abs. 1 1. BIm­SchV als auch § 14 Abs. 5 Satz 1 1. BIm­schV).

Im streit­ge­gen­ständ­li­chen Bescheid sind auch nur lau­fen­de Beträ­ge der so bestimm­ten wie­der­keh­ren­den Leis­tung fest­ge­setzt wor­den. Lau­fen­de Beträ­ge wie­der­keh­ren­der Leis­tun­gen im Sin­ne des § 155 Abs. 2 Satz 2 ZVG sind nach § 13 Abs. 1 ZVG der letz­te vor der Beschlag­nah­me fäl­lig gewor­de­ne Betrag sowie die spä­ter fäl­lig wer­den­den Beträ­ge. Da hier in der Jah­res­ge­büh­ren­rech­nung 2009 und der nach­fol­gen­den Rech­nung ledig­lich zwei Leis­tungs­tei­le einer ein­heit­li­chen wie­der­keh­ren­den Leis­tung abge­rech­net wor­den sind, han­delt es sich bei dem Gesamt­be­trag bei­der Rech­nun­gen, wie er in den streit­ge­gen­ständ­li­chen Bescheid über die Fest­set­zung von Schorn­stein­fe­ger­ge­büh­ren über­nom­men wor­den ist, um einen ein­heit­li­chen lau­fen­den Betrag im Sin­ne der §§ 155 Abs. 2 Satz 2, 13 Abs. 1 ZVG. Daher ist kei­ne Abgren­zung der in den bei­den Rech­nun­gen ent­hal­te­nen Beträ­ge vor­zu­neh­men. Gegen die gegen­tei­li­ge Auf­fas­sung spricht auch, dass es von blo­ßen Zufäl­lig­kei­ten abhän­gen dürf­te, ob der Bezirks­schorn­stein­fe­ger­meis­ter die ein­heit­li­che wie­der­keh­ren­de Leis­tung in einer Rech­nung mit ein­heit­li­cher Fäl­lig­keit nach Abschluss der tur­nus­mä­ßi­gen Schorn­stein­fe­ger­ar­bei­ten und Fest­stel­lung, dass die Feue­rungs­an­la­ge den gesetz­li­chen Anfor­de­run­gen genügt, erstellt oder, wie hier, in zwei ver­schie­de­nen auf die ver­schie­de­nen Teil­leis­tun­gen bezo­ge­nen Teil­rech­nun­gen. Der sich aus bei­den Rech­nun­gen erge­ben­de Gesamt­be­trag ist bezo­gen auf die hier zu beur­tei­len­de wie­der­keh­ren­de Leis­tung auch der der letz­te vor der Beschlag­nah­me im März 2010 fäl­lig gewor­de­ne Betrag.

Schließ­lich sind kei­ne Feh­ler bei der Ermes­sens­aus­übung der Beklag­ten hin­sicht­lich der Aus­wahl des Schuld­ners und Adres­sa­ten des Beschei­des über die Fest­set­zung von Schorn­stein­fe­ger­ge­büh­ren ersicht­lich. Dass die Behör­de ein (Aus­wahl-)Ermes­sen aus­ge­übt hat, wird schon dadurch deut­lich, dass sie zunächst ver­sucht hat, den Grund­stücks­ei­gen­tü­mer selbst her­an­zu­zie­hen. Aus­ge­hend von den gerin­gen Erfolgs­aus­sich­ten, von die­sem die rück­stän­di­gen Schorn­stein­fe­ger­ge­büh­ren tat­säch­lich bei­trei­ben zu kön­nen, hat die Behör­de sich in der Fol­ge an den Zwangs­ver­wal­ter gewandt und die­sen schließ­lich mit dem streit­ge­gen­ständ­li­chen Bescheid her­an­ge­zo­gen. Die dabei erfolg­te Aus­wahl des Klä­gers als Zwangs­ver­wal­ter ist ange­sichts der man­geln­den finan­zi­el­len Leis­tungs­fä­hig­keit des Grund­stücks­ei­gen­tü­mers nicht zu bean­stan­den. Die Behör­de hat ihre Ermes­sens­ent­schei­dung auch hin­rei­chend begrün­det, als sie im Bescheid auf die feh­len­de Zah­lung der fest­ge­setz­ten Schorn­stein­fe­ger­ge­büh­ren durch den Grund­stücks­ei­gen­tü­mer hin­ge­wie­sen hat. Einer wei­te­ren Begrün­dung der Ermes­sens­ent­schei­dung im Bescheid bedurf­te es nicht.

Nie­der­säch­si­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 11.08.2011 – 8 LA 104/​11

  1. in der Fas­sung vom 10.08.1998, BGBl. I S. 2071, zuletzt geän­dert durch Gesetz vom 03.04.2009, BGBl. I S. 700[]
  2. so aus­drück­lich BGH, Urteil vom 09.02.2006 – IX ZR 151/​04, NJW-RR 2006, 1096, 1097 m.w.N.[]
  3. vgl. BVerwG, Urteil vom 18.03.1994 – 8 C 15.93, NJW-RR 1994, 972[]
  4. vgl. OVG Sach­sen-Anhalt, Beschluss vom 15.08.2007 – 4 L 21/​07; Haarmeyer/​Wutzke/​Förs­ter/​Hintzen, Zwangs­ver­wal­tung, 2. Aufl., ZVG, § 155 Rn. 10; Stö­ber, ZVG, 18. Aufl., § 155 Anm.06.5 jeweils m.w.N.[]