Schü­ler­aus­tausch ohne Zeit­ver­lust: Richt­li­ni­en für die Aner­ken­nung von Aus­lands­jah­ren

Ein Jahr im Aus­land – für vie­le Schü­ler wird die­ser Traum Wirk­lich­keit, wenn sie an einem Schü­ler­aus­tausch teil­neh­men. Doch die­se Ent­schei­dung will wohl­über­legt sein. Immer­hin besteht das Risi­ko, dass die Zeit an einer Schu­le im Aus­land nicht aner­kannt wird. Die Fol­ge wäre, dass das Schul­jahr wie­der­holt wer­den muss. Es gibt jedoch Situa­tio­nen, in denen die Aner­ken­nung mög­lich ist.

Schü­ler­aus­tausch ohne Zeit­ver­lust: Richt­li­ni­en für die Aner­ken­nung von Aus­lands­jah­ren

Aller­dings bestehen hier­über kei­ne deutsch­land­weit ein­heit­li­chen Rege­lun­gen. Jedes Bun­des­land hat eige­ne Richt­li­ni­en für den Schü­ler­aus­tausch fest­ge­legt (wei­te­re Infos fin­den Sie hier). Doch wel­che Mög­lich­kei­ten bestehen aktu­ell in den ver­schie­de­nen Bun­des­län­dern?

Recht­li­che Grund­la­gen des Schü­ler­aus­tauschs

An einem Schü­ler­aus­tausch sind meh­re­re Par­tei­en betei­ligt, dar­un­ter die Gast­el­tern im Aus­land, der Aus­tausch­schü­ler (bzw. bei Min­der­jäh­ri­gen des­sen Eltern) und die Schü­ler­aus­tau­sch­or­ga­ni­sa­ti­on. Sie schlie­ßen einen rechts­gül­ti­gen Ver­trag, in dem sie die Rech­te und Pflich­ten aller Betei­lig­ten fest­hal­ten. Zudem unter­liegt ein Schü­ler­aus­tausch wei­te­ren recht­li­chen Grund­la­gen, bei­spiels­wei­se dem Pau­schal­rei­se­recht, dem § 651I BGB (Gast­schul­auf­ent­hal­te) und der BGB Info V § 7 vom 21. Okto­ber 2005 zu Ver­trä­gen über Gast­schul­auf­ent­hal­te.

Richt­li­ni­en zur Aner­ken­nung von Aus­lands­jah­ren

In den deut­schen Bun­des­län­dern bestehen die fol­gen­den Richt­li­ni­en, anhand denen ein län­ger­fris­ti­ger Schü­ler­aus­tausch im Aus­land ange­rech­net wer­den kann:

  • Baden-Würt­tem­berg: In der 10. und 11. Klas­se ist es mög­lich, das Aus­lands­jahr anrech­nen zu las­sen, wenn der Schü­ler nach­wei­sen kann, die Schu­le regel­mä­ßig besucht und aus­rei­chen­de Leis­tun­gen erzielt zu haben. In der 12. und 13. Klas­se ist eine Anrech­nung nicht mehr mög­lich, die Zeit im Aus­land muss nach­ge­holt wer­den.
  • Bay­ern: In Bay­ern kann das Aus­lands­jahr aner­kannt wer­den, sofern es in der 10. Klas­se (G8) bzw. in der 11. Klas­se (G9) absol­viert wird. Nach der Rück­kehr wird der Schü­ler auf Pro­be in die nächs­te Jahr­gangs­stu­fe ver­setzt, sofern er die Schu­le im Aus­land regel­mä­ßig besucht hat und sei­ne Leis­tun­gen nach­wei­sen kann. Eine Aner­ken­nung ist aller­dings nicht mög­lich, wenn das Aus­lands­jahr ab der 12. Klas­se absol­viert wird.
  • Ber­lin: Ber­li­ner Schü­ler kön­nen ein Aus­lands­jahr in der 11. Klas­se aner­ken­nen las­sen oder maxi­mal das ers­te Kurs­halb­jahr in der 12. Klas­se, wenn von einem erfolg­rei­che Fort­gang des Schul­be­suchs aus­ge­gan­gen wer­den kann. Im zwölf­jäh­ri­gen Bil­dungs­gang ist eine Aner­ken­nung nur in Jahr­gangs­stu­fe 10 mög­lich.
  • Bran­den­burg: Das Land Bran­den­burg ermög­licht es Schü­lern sowohl in der Ein­füh­rungs­pha­se als auch in der Qua­li­fi­ka­ti­ons­pha­se, ein Aus­lands­jahr aner­ken­nen zu las­sen. Dies erfor­dert, dass die nach­ge­wie­se­nen Leis­tun­gen einen erfolg­rei­chen Besuch der nächs­ten Klas­sen­stu­fe erwar­ten las­sen. In der 13. Klas­se ist dies nicht mehr mög­lich.
  • Bre­men: Ob eine Aner­ken­nung mög­lich ist, unter­liegt einer Ein­zel­fall­ent­schei­dung. Spä­tes­tens zum Beginn der 12. Jahr­gangs­stu­fe muss der Schü­ler zurück­keh­ren.
  • Ham­burg: Schü­ler kön­nen Aus­lands­schul­jah­re anrech­nen las­sen, sofern die Anfor­de­run­gen im Aus­land denen in Deutsch­land ent­spre­chen. Vor­aus­set­zung ist aber, dass die Qua­li­fi­ka­ti­ons­pha­se voll­stän­dig absol­viert wird.
  • Hes­sen: In der Ein­füh­rungs­pha­se ist es im Regel­fall mög­lich, nach dem Aus­lands­auf­ent­halt ohne zeit­li­che Ver­zö­ge­rung wie­der­ein­zu­stei­gen. In der Qua­li­fi­ka­ti­ons­pha­se ist die Anrech­nung von schu­li­schen Leis­tun­gen aus dem Aus­land nicht mehr mög­lich.
  • Meck­len­burg-Vor­pom­mern: Die Aner­ken­nung in der 10. Klas­se ist nur mög­lich, wenn im Aus­land bestimm­te Fächer belegt wer­den. Die Qua­li­fi­ka­ti­ons­pha­se muss voll­stän­dig besucht wer­den.
  • Nie­der­sach­sen: Im 13-jäh­ri­gen Bil­dungs­gang ermög­licht die Schu­le häu­fig die Aner­ken­nung in der 11. Klas­se bei einem regel­mä­ßi­gen Besuch der aus­län­di­schen Schu­le. Im 12-jäh­ri­gen Bil­dungs­gang ist eine Anrech­nung nicht vor­ge­se­hen, sodass die Wie­der­ho­lung des Schul­jahrs erfor­der­lich wäre.
  • Sach­sen: In der 9. und 10. Klas­se ist eine Aner­ken­nung der schu­li­schen Leis­tun­gen im Aus­land mög­lich, danach muss das Schul­jahr wie­der­holt wer­den.
  • Sach­sen-Anhalt: Wäh­rend der Qua­li­fi­ka­ti­ons­pha­se ist ein Schü­ler­aus­tausch nicht mög­lich, da eine Unter­bre­chung nicht erwünscht ist. In der Ein­füh­rungs­pha­se kann die Aner­ken­nung bei Bele­gung ent­spre­chen­der Fächer bean­tragt wer­den.
  • Schles­wig-Hol­stein: Eine Aner­ken­nung der aus­län­di­schen Schul­leis­tun­gen ist in Schles­wig-Hol­stein meist mög­lich. Die Ein­füh­rungs­zeit kann ganz oder teil­wei­se über­sprun­gen wer­den, wenn beson­de­re Leis­tun­gen vor­lie­gen und ein ent­spre­chen­der Antrag gestellt wird.
  • Thü­rin­gen: Grund­sätz­lich muss das ver­pass­te Jahr nach­ge­holt wer­den. Es besteht aber die Mög­lich­keit, einen Antrag auf Ver­set­zung in die nächs­te Klas­sen­stu­fe zu stel­len, sofern vor dem Aus­lands­jahr sehr gute Leis­tun­gen vor­la­gen. In der Qua­li­fi­ka­ti­ons­pha­se kommt eine Aner­ken­nung nicht in Fra­ge.

In den Län­dern Rhein­land-Pfalz, Saar­land und Nord­rhein-West­fa­len gibt es kei­ne ein­heit­li­chen Rege­lun­gen. Hier läuft es stets auf eine Ein­zel­fall­be­trach­tung mit einer indi­vi­du­el­len Ent­schei­dung der Schul­lei­tung oder der Schul­be­hör­de hin­aus.

Ehe sie ihren Schü­ler­aus­tausch pla­nen und umset­zen, soll­ten sich Schü­ler und ihre Eltern stets im Vor­feld infor­mie­ren, wel­che Rege­lun­gen für ihr Bun­des­land gel­ten. In den meis­ten Fäl­len ist ein Schü­ler­aus­tausch wäh­rend der Ein­füh­rungs­pha­se pro­blem­los mög­lich, wäh­rend in der Qua­li­fi­ka­ti­ons­pha­se oft­mals sehr spe­zi­el­le Rege­lun­gen gel­ten.