Schü­ler­fahrt­kos­ten­er­stat­tung für die bilin­gua­le Real­schu­le

Ein Anspruch auf Schü­ler­fahrt­kos­ten­er­stat­tung haben auch Eltern von Kin­dern, die auf einer bilin­gua­len Real­schu­le ange­mel­det sind und alle Vor­aus­set­zun­gen für den Anspruch erfül­len, und das auch dann, wenn eine "klas­si­sche" Real­schu­le in unmit­tel­ba­rer Nähe zum Wohn­ort liegt.

Schü­ler­fahrt­kos­ten­er­stat­tung für die bilin­gua­le Real­schu­le

Für bilin­gua­le Gym­na­si­en sieht die nord­rhein-west­fä­li­sche Schü­ler­fahrt­kos­ten­ver­ord­nung aus­drück­lich vor, dass bei Gym­na­si­en die Schu­le mit dem gewähl­ten bilin­gua­len Bil­dungs­gang, die mit dem gerings­ten Auf­wand an Kos­ten und einem zumut­ba­ren Auf­wand an Zeit erreicht wer­den kann und deren Besuch schul­or­ga­ni­sa­to­ri­sche Grün­de nicht ent­ge­gen­ste­hen, als nächst­ge­le­ge­ne Schu­le der gewähl­ten Schul­form anzu­se­hen ist. Eine ent­spre­chen­de Rege­lung für bilin­gua­le Real­schu­len ent­hält die Ver­ord­nung nicht.

Nach Prü­fung der Ent­ste­hungs­ge­sich­te der Vor­schrift geht das Ver­wal­tungs­ge­richt Gel­sen­kir­chen davon aus, dass nach Ein­füh­rung des bilin­gua­len Bil­dungs­gan­ges auch an Real­schu­len zum Schul­jahr 2007/​08 ver­ges­sen wur­de, die Ver­ord­nung ent­spre­chend zu über­ar­bei­ten. Die­se Rege­lungs­lü­cke sei wegen der ver­gleich­ba­ren Inter­es­sen­la­ge durch eine ent­spre­chen­de Anwen­dung der Bestim­mung zu den bilin­gua­len Gym­na­si­en zu schlie­ßen. Es sei­en – auch mit Blick auf die Haus­halts­la­ge des Lan­des – kei­ne nach­voll­zieh­ba­ren Grün­de ersicht­lich, Schü­le­rin­nen und Schü­ler unter­schied­lich zu behan­deln, je nach dem, ob sie eine Real­schu­le oder ein Gym­na­si­um mit bilin­gua­lem Bil­dungs­gang besu­chen.

Soweit die beklag­te Stadt Glad­beck finanz­po­li­ti­sche Grün­de ange­führt habe, sei es durch eine Neu­re­ge­lung der Schü­ler­fahrt­kos­ten­er­stat­tung mög­lich, die Pri­vi­le­gie­rung der bilin­gua­len Bil­dungs­gän­ge ganz zu strei­chen.

Ver­wal­tungs­ge­richt Gel­sen­kir­chen, Urteil vom 22. Febru­ar 2011 – 4 K 1856/​10