Schul­aus­schluss wegen Tät­lich­keit gegen Mit­schü­ler

Schü­ler, die einen Mit­schü­ler zusam­men in einer Grup­pe nachts vor des­sen Eltern­haus bedro­hen, kön­nen vom Schul­lei­ter aus der Schu­le aus­ge­schlos­sen wor­den. Das ent­schied jetzt auf Antrag von zwei betrof­fe­nen Pforz­hei­mer Gym­na­si­as­ten im Rah­men von Ver­fah­ren des einst­wei­li­gen Rechts­schut­zes der Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs Baden-Würt­tem­berg in Mann­heim. Der VGH Mann­heim hat damit der Beschwer­de des Regie­rungs­prä­si­di­ums gegen einen anders­lau­ten­den Beschluss des Ver­wal­tungs­ge­richts Karls­ru­he statt­ge­ge­ben. Nach der Ent­schei­dung des VGH Mann­heim müs­sen die Antrag­stel­ler damit zum kom­men­den Schul­jahr auf eine ande­re Schu­le wech­seln.

Schul­aus­schluss wegen Tät­lich­keit gegen Mit­schü­ler

Die bei­den 17-jäh­ri­gen Antrag­stel­ler hat­ten – gemein­sam mit ande­ren – ihre Abnei­gung gegen einen Mit­schü­ler in der Schu­le wie­der­holt mit Rem­pe­lei­en, Hän­se­lei­en u.ä. zum Aus­druck gebracht. Ihnen war auch bewusst, dass die­ser Mit­schü­ler auch wegen sei­nes jüdi­schen Glau­bens ange­grif­fen wur­de, und dass dies sein „schwa­cher Punkt“ war, an dem man ihn tref­fen konn­te. Am Geburts­tag des einen Antrag­stel­lers zogen die Antrag­stel­ler dann zusam­men mit ande­ren Gäs­ten gegen Mit­ter­nacht vor das Haus des Mit­schü­lers, wo sie ihn in einer auf­ge­la­de­nen Stim­mung durch Lärm und Geschrei „so rich­tig erschre­cken“ und ein­schüch­tern woll­ten. Der eine Antrag­stel­ler ent­zün­de­te dabei auf einem Fens­ter­brett einen Feu­er­werks­kör­per, der ande­re uri­nier­te – wie auch ein Drit­ter – gegen das Haus und spuck­te in den Brief­kas­ten. Dazu wur­den aus der Grup­pe anti­jü­di­sche Rufe laut.

Der VGH Mann­heim hat die­ses Vor­komm­nis als ein beson­ders schwe­res, den Schul­frie­den gefähr­den­des Fehl­ver­hal­ten bewer­tet, das auch den sofor­ti­gen Aus­schluss aus der Schu­le ohne vor­her­ge­hen­de mil­de­re Ord­nungs­maß­nah­me recht­fer­ti­gen kön­ne. Das gra­vie­ren­de Fehl­ver­hal­ten sei dar­in zu sehen, dass sich ein Schü­ler zusam­men mit ande­ren nicht auf das blo­ße Aus­gren­zen eines miss­lie­bi­gen Mit­schü­lers in der Schu­le beschrän­ke, son­dern die­se Miss­ach­tung dar­über hin­aus in mas­si­ver und bedroh­li­cher Form „bis vor die Tür“ des Betrof­fe­nen tra­ge und dort zum Aus­druck brin­ge, soweit der ein­zel­ne Ange­hö­ri­ge die­ser Grup­pe hier­zu einen eige­nen nicht unwe­sent­li­chen Bei­trag geleis­tet habe.

Der VGH Mann­heim macht zugleich deut­lich, dass der Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit hier ins­be­son­de­re des­we­gen gewahrt sei, weil den Antrag­stel­lern die Fort­set­zung des Schul­be­suchs an einer ande­ren geeig­ne­ten Schu­le und dort ein dis­kri­mi­nie­rungs­frei­er Neu­an­fang mög­lich sei.

Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg, Beschlüs­se vom 28. Juli 2009 – 9 S 1077/​09 und 1078/​09