Schu­li­sche Bau­maß­nah­men der Bezirks­ver­wal­tung

Schu­li­sche Bau­maß­nah­men der Bezirks­ver­wal­tung sind dem für das Schul­we­sen zustän­di­gen Sena­tor per­so­nal­ver­tre­tungs­recht­lich nicht zuzu­rech­nen.

Schu­li­sche Bau­maß­nah­men der Bezirks­ver­wal­tung

In der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts ist geklärt, unter wel­chen Umstän­den eine Maß­nah­me, die der Dienst­stel­len­lei­ter nicht selbst trifft, ihm per­so­nal­ver­tre­tungs­recht­lich zuzu­rech­nen ist. Dies ist der Fall, wenn der Dienst­stel­len­lei­ter einem Dezer­nat oder einer ande­ren orga­ni­sa­to­ri­schen nach­ge­ord­ne­ten Stel­le, die kei­ne Dienst­stel­le im per­so­nal­ver­tre­tungs­recht­li­chen Sin­ne ist, Befug­nis­se zur eigen­stän­di­gen Bear­bei­tung und Ent­schei­dung über­trägt 1. Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind in Bezug auf den für das Schul­we­sen zustän­di­gen Sena­tor offen­sicht­lich nicht erfüllt, wenn die Bezirks­ver­wal­tun­gen schu­li­sche Bau­maß­nah­men zu tref­fen beab­sich­ti­gen. Die Bezirks­ver­wal­tun­gen sind kei­ne der Senats­ver­wal­tung für das Schul­we­sen nach­ge­ord­ne­ten Stel­len; sie haben viel­mehr das Recht auf Selbst­ver­wal­tung. Über­dies sind sie per­so­nal­ver­tre­tungs­recht­lich eigen­stän­di­ge Dienst­stel­len (§ 5 Abs. 1, § 9 Abs. 2 Nr. 1 Bln­Pers­VG i.V.m. Nr. 14 der Anla­ge zum Bln­Pers­VG).

Nach den Grund­sät­zen der Ver­fas­sung von Ber­lin (VvB) nimmt der Senat durch die Haupt­ver­wal­tung die Auf­ga­ben von gesamt­städ­ti­scher Bedeu­tung wahr. Sei­ne Auf­ga­ben außer­halb der Lei­tungs­auf­ga­ben wer­den im Ein­zel­nen durch Gesetz mit zusam­men­fas­sen­dem Zustän­dig­keits­ka­ta­log bestimmt. Die Bezir­ke neh­men alle ande­ren Auf­ga­ben der Ver­wal­tung nach den Grund­sät­zen der Selbst­ver­wal­tung wahr 2. Dem fol­gen die Bestim­mun­gen in §§ 2 bis 4 des All­ge­mei­nen Zustän­dig­keits­ge­set­zes (AZG). Nach Nr. 16 Abs. 1 und 3 des All­ge­mei­nen Zustän­dig­keits­ka­ta­logs (Anla­ge zum AZG) gehö­ren zu den Auf­ga­ben der Haupt­ver­wal­tung außer­halb der Lei­tungs­auf­ga­ben im Bereich der Schu­len die Schul­auf­sicht und die Schul­or­ga­ni­sa­ti­on.

Die vor­be­zeich­ne­ten orga­ni­sa­ti­ons­recht­li­chen Grund­sät­ze spie­geln die Rege­lun­gen in Teil VIII des Schul­ge­set­zes (SchulG) wider. Danach wird die Schul­auf­sicht von der für das Schul­we­sen zustän­di­gen Senats­ver­wal­tung aus­ge­übt (§ 105 Abs. 1 SchulG). Ihr obliegt die Geneh­mi­gung der Ent­schei­dun­gen des Bezirks über die Grün­dung, Zusam­men­le­gung, Umwand­lung und Auf­he­bung der von ihm ver­wal­te­ten Schu­len (§ 105 Abs. 4 Satz 1, § 109 Abs. 3 Satz 1 SchulG). Dies sind die all­ge­mein­bil­den­den Schu­len mit Aus­nah­me der zen­tral ver­wal­te­ten Schu­len (§ 109 Abs. 1 Satz 1 SchulG). In § 105 Abs. 4 Satz 1 und § 109 Abs. 3 Satz 1 SchulG sind die klas­si­schen Schul­or­ga­ni­sa­ti­ons­ak­te ange­spro­chen, ins­be­son­de­re die Errich­tung und Schlie­ßung von Schu­len, ihre Ver­bin­dung und ihre Ände­rung in Bezug auf die Schul­art (vgl. § 17 Abs. 1 und 2 SchulG). Die­se Maß­nah­men ste­hen im Span­nungs­ver­hält­nis zwi­schen staat­li­cher Schul­ho­heit und Selbst­ver­wal­tung 3. Bau­maß­nah­men fal­len nicht unter § 109 Abs. 3 SchulG, son­dern unter § 109 Abs. 1 Satz 1 und 2 SchulG. Danach obliegt den Bezir­ken die Ver­wal­tung und Unter­hal­tung der äuße­ren Ange­le­gen­hei­ten der All­ge­mein­bil­den­den Schu­len, wozu ins­be­son­de­re der Bau, die Aus­stat­tung und die Unter­hal­tung der Schu­len nach Maß­ga­be von § 7 SchulG zäh­len. Abge­se­hen von klei­nen bau­li­chen Unter­hal­tungs­maß­nah­men, die in die Kom­pe­tenz der Schu­len selbst fal­len (§ 7 Abs. 5 Satz 2 Nr. 6 SchulG), ent­schei­den die Bezir­ke auto­nom über die ein­zel­nen schu­li­schen Bau­maß­nah­men. Inso­weit bedür­fen sie weder der Geneh­mi­gung der Senats­ver­wal­tung noch unter­lie­gen sie ihrer Wei­sungs­be­fug­nis. Damit ent­fällt jede Vor­aus­set­zung dafür, die schu­li­schen Bau­maß­nah­men der Bezir­ke der Senats­ver­wal­tung für das Schul­we­sen per­so­nal­ver­tre­tungs­recht­lich zuzu­rech­nen.

Eine spe­zi­el­le Zurech­nungs­norm, auf wel­che sich der Antrag­stel­ler beru­fen kann, ist § 77 Bln­Pers­VG nicht. Zwar gibt die Vor­schrift für den Bereich des Arbeits­schut­zes dem Per­so­nal­rat Hin­zu­zie­hungs- und Infor­ma­ti­ons­rech­te gegen­über dienst­stel­len­ex­ter­nen Stel­len. Die Vor­schrift steht jedoch außer­halb der förm­li­chen Betei­li­gung ins­be­son­de­re in Gestalt der Mit­be­stim­mung, um die es hier geht. Ihr las­sen sich kei­ne greif­ba­ren Anhalts­punk­te dafür ent­neh­men, dass in mit­be­stim­mungs­pflich­ti­gen Ange­le­gen­hei­ten des Arbeits­schut­zes die per­so­nal­ver­tre­tungs­recht­li­chen Zurech­nungs­zu­sam­men­hän­ge anders zu beur­tei­len sind als bei ande­ren mit­be­stim­mungs­pflich­ti­gen Maß­nah­men.

Frei­lich ist dem Antrag­stel­ler zuzu­ge­ben, dass er sein Mit­be­stim­mungs­recht aus § 85 Abs. 1 Satz 1 Nr. 12 Bln­Pers­VG auch gegen­über der für die Bau­maß­nah­me zustän­di­gen Bezirks­ver­wal­tung nicht durch­set­zen kann. Denn als Per­so­nal­rat für die all­ge­mein­bil­den­den Schu­len des Bezirks, der dem Sena­tor für das Schul­we­sen zuzu­ord­nen ist (§ 9 Abs. 2 Nr. 2 Bln­Pers­VG i.V.m. Nr. 12 Buchst. a der Anla­ge zum Bln­Pers­VG), steht er in kei­ner per­so­nal­ver­tre­tungs­recht­li­chen Bezie­hung zur Bezirks­ver­wal­tung. Die Betei­li­gungs­lü­cke kann nicht im Wege rich­ter­li­cher Rechts­fort­bil­dung geschlos­sen wer­den. Ein Mit­be­stim­mungs­ver­fah­ren beim Sena­tor für das Schul­we­sen schei­tert dar­an, dass die­ser über die Bau­maß­nah­me nicht ver­fü­gen kann, ohne das Selbst­ver­wal­tungs­recht des Bezirks zu ver­let­zen. Ein Mit­be­stim­mungs­ver­fah­ren bei der Bezirks­ver­wal­tung schei­det aus, weil nach den Grund­sät­zen des Ber­li­ner Per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­set­zes die Dienst­stel­le nur einen Per­so­nal­rat betei­li­gen kann, der Dienst­kräf­te aus ihren Geschäfts­be­reich reprä­sen­tiert. Der Ansatz, die für das Schul­we­sen zustän­di­ge Dienst­stel­le müs­se den Schul­trä­ger in das Betei­li­gungs­ver­fah­ren ein­be­zie­hen 4, ver­mei­det jene Defi­zi­te nicht, son­dern kumu­liert sie nur. Die Betei­li­gungs­lü­cke kann nur geschlos­sen wer­den, indem die Kon­zep­ti­on des Ber­li­ner Per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­set­zes durch­bro­chen wird. Dazu ist allein der Gesetz­ge­ber befugt.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 16. Juni 2011 – 6 PB 3.11

  1. vgl. Beschluss vom 09.09. 2010 – 6 PB 12.10 – juris Rn. 3 m.w.N.[]
  2. Art. 66 Abs. 2, Art. 67 Abs. 1 bis 3 VvB[]
  3. vgl. BVerwG, Beschluss vom 24.02.2006 – 6 P 4.05, Buch­holz 251.91 § 77 Sächs­Pers­VG Nr. 1 Rn. 9 ff.; Krzyweck/​Duveneck, Das Schul­recht in Ber­lin, § 105 Rn. 6 und § 109 Rn. 5; Ave­na­ri­us, Schul­recht, 8. Aufl. 2010, TZ 10.411; Niehues/​Rux, Schul­recht, 4. Auf­la­ge 2006, Rn. 783[]
  4. vgl. Hess. VGH, Beschluss vom 27.02.1992 – HPV TL 630/​87[]