Schutz­zäu­ne beim Musik­fes­ti­val

Der Umstand, dass eine Gemein­de zur Durch­füh­rung eines Fes­ti­vals für eini­ge bebau­te bzw. bewohn­te Grund­stü­cke die Errich­tung von Schutz­zäu­nen ange­ord­net hat, führt wegen unter­schied­li­cher Schutz­be­dürf­tig­keit der Flä­chen nicht zu einer Bin­dung der Gemein­de. Die mit erheb­li­chen Kos­ten ver­bun­de­ne Voll­um­zäu­nung sämt­li­cher Grund­stü­cke steht nicht mehr in ange­mes­se­nem Ver­hält­nis zu den betrof­fe­nen Nach­bar­rech­ten der angren­zen­den Grund­stücks­ei­gen­tü­mer und ist des­halb nicht zumut­bar.

Schutz­zäu­ne beim Musik­fes­ti­val

Mit die­ser Begrün­dung hat der Baye­ri­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof in den hier vor­lie­gen­den Fäl­len ent­schie­den, dass die Gemein­de Über­see nicht ver­pflich­tet war, in die Erlaub­nis­be­schei­de für die Durch­füh­rung des "Chiem­see Reg­gae Fes­ti­val" und des "Chiem­see Rocks" im Jahr 2011 eine Bestim­mung auf­zu­neh­men, nach der die land­wirt­schaft­lich genutz­ten Grund­stü­cke der kla­gen­den Land­wir­te voll­stän­dig durch zwei Meter hohe Bau­zäu­ne gegen das Betre­ten der Fes­ti­val­be­su­cher zu sichern gewe­sen wären.

Die Gemein­de Über­see ver­an­stal­tet regel­mä­ßig das "Chiem­see Reg­gae Fes­ti­val" und das "Chiem­see Rocks". Die Klä­ger sind Land­wir­te, deren Grund­stü­cke sich in der Nähe von Flä­chen befin­den, die vom Ver­an­stal­ter zur Zeit des Fes­ti­vals als Cam­ping­plät­ze, Stell­plät­ze für Wohn­mo­bi­le und Park­plät­ze genutzt wer­den. Sie möch­ten fest­stel­len las­sen, dass die Gemein­de ver­pflich­tet war, die Erlaub­nis­be­schei­de für die Durch­füh­rung der Ver­an­stal­tun­gen durch eine Auf­la­ge zu ergän­zen, nach der ihre Grund­stü­cke gegen das Betre­ten bzw. Durch­mar­schie­ren der Fes­ti­val­be­su­cher durch die Errich­tung von Bau­zäu­nen (2 m hoch, ver­schraubt, aus­hän­ge­si­cher, mit Schutz­bar-ren ver­se­hen) an den Grund­stücks­gren­zen zu sichern gewe­sen wären. Nach­dem die Klä­ger vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt kei­nen Erfolg hat­ten, haben sie ihr Ziel vor dem Baye­ri­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hof wei­ter ver­folgt.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat der Baye­ri­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof dar­auf hin­ge­wie­sen, dass sich unter Beach­tung nach­bar­recht­li­cher, immis­si­ons­schutz­recht­li­cher und sicher­heits­recht­li­cher Grund­sät­ze nicht mit hin­rei­chen­der Sicher­heit fest­stel­len lässt, ob durch den Fes­ti­val­be­trieb im Jahr 2011 auf allen von den Klä­gern genann­ten Grund­stü­cken das Ent­ste­hen erheb­li­cher Nach­tei­le durch Ver­mül­lung und Nie­der­tram­peln der Mäh­wei­den zu befürch­ten war.

Jeden­falls sei das Aus­wahler­mes­sen der Gemein­de, auf wel­che Wei­se sie den Schutz der Nach­bar­schaft sicher­stel­len wol­le, im Zeit­punkt der Durch­füh­rung der Ver­an­stal­tun­gen nicht der­ge­stalt redu­ziert gewe­sen, dass für die Grund­stü­cke der Klä­ger aus­schließ­lich die begehr­te Voll­um­zäu­nung als Schutz­auf­la­ge in die Erlaub­nis­be­schei­de hät­te auf­ge­nom­men wer­den müs­sen. Die mit erheb­li­chen Kos­ten ver­bun­de­ne Voll­um­zäu­nung sämt­li­cher Grund­stü­cke wäre wohl nicht mehr in ange­mes­se­nem Ver­hält­nis zu der Bedeu­tung des auf Sei­ten der Klä­ger betrof­fe­nen Schutz­gu­tes gestan­den und des­halb nicht zumut­bar gewe­sen.

Der Umstand, dass die Gemein­de für eini­ge bebau­te bzw. bewohn­te Grund­stü­cke die Errich­tung von Schutz­zäu­nen ange­ord­net habe, habe wegen unter­schied­li­cher Schutz­be­dürf­tig­keit der Flä­chen nicht zu einer Bin­dung der Gemein­de geführt.

Baye­ri­scher Ver­wal­tungs­ge­richts­hof, Urtei­le vom 7. August 2013 – 10 B 13.1231 und 10 B 13.1234