Schwimm­un­ter­richt für Mus­li­ma

Mus­li­mi­sche Mäd­chen im Grund­schul­al­ter haben grund­sätz­lich kei­nen Anspruch auf Befrei­ung vom koedu­ka­ti­ven Schwimm­un­ter­richt. Regel­mä­ßig ist ihnen zumut­bar, eine den isla­mi­schen Beklei­dungs­vor­schrif­ten ent­spre­chen­de Schwimm­klei­dung zu tra­gen. Mit die­ser – gän­gi­ger Ver­wal­tungs­pra­xis zuwi­der lau­fen­den – Ent­schei­dung hat jetzt das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Müns­ter in einem Eil­ver­fah­ren einen gleich­lau­ten­den Beschluss des Ver­wal­tungs­ge­richts Gel­sen­kir­chen bestä­tigt.

Schwimm­un­ter­richt für Mus­li­ma

Die Eltern des Mäd­chens, das die Grund­schu­le in Gel­sen­kir­chen besucht, hat­ten beim Schul­amt ver­geb­lich die Befrei­ung ihrer Toch­ter vom Schwimm­un­ter­richt bean­tragt. Sie erklär­ten, sie befür­wor­te­ten eine stren­ge Aus­le­gung des Korans. Die­se gebie­te ihnen, Kin­der schon ab dem 7. Lebens­jahr vor sexu­el­len Ver­su­chun­gen zu bewah­ren.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt lehn­te die Befrei­ung ab, weil die Toch­ter sich durch ent­spre­chen­de Schwimm­be­klei­dung vor den Bli­cken ande­rer schüt­zen kön­ne. Hier­ge­gen wand­ten die Eltern ein, der Schwimm­an­zug sau­ge sich mit Was­ser voll und behin­de­re ihre Toch­ter beim Schwim­men. Außer­dem stel­le er eine zusätz­li­che Gefahr für Leib und Leben dar.

Das OVG hat die­se Ein­wän­de jetzt zurück­ge­wie­sen. Es sei inzwi­schen nichts Unge­wöhn­li­ches mehr, dass mus­li­mi­sche Frau­en und Mäd­chen beim Schwim­men einen sog. Bur­ki­ni trü­gen. Das gel­te sowohl in isla­misch gepräg­ten Län­dern als auch in Deutsch­land. Auch im Schwimm­un­ter­richt in der Grund­schu­le sei den Mäd­chen das Tra­gen einer der­ar­ti­gen Schwimm­be­klei­dung grund­sätz­lich zumut­bar. Es sei geeig­net, einen hier im Ein­zel­fall auf­tre­ten­den Glau­bens­kon­flikt ohne Tren­nung der Geschlech­ter und ohne Befrei­ung zu bewäl­ti­gen. Es sei auch nicht erkenn­bar, dass dies bei der Toch­ter der Antrag­stel­ler aus­nahms­wei­se anders sei. Ins­be­son­de­re bestehe bei ihr nicht etwa die Gefahr, wegen des Schwimm­an­zugs von Mit­schü­lern gehän­selt zu wer­den. Gesche­he dies gleich­wohl, sei es selbst­ver­ständ­lich auch im Schwimm­un­ter­richt die Pflicht der Lehr­kräf­te, auf die­se Mit­schü­ler mit dem Ziel päd­ago­gisch ein­zu­wir­ken, dem Mäd­chen ver­ständ­nis­voll, tole­rant und respekt­voll zu begeg­nen.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len, Beschluss vom – 19 B 1362/​08