Sicher­heit und Ord­nung in Sach­sen-Anhalt

Die im März 2013 in Kraft getre­te­nen Ände­run­gen des Geset­zes über die öffent­li­che Sicher­heit und Ord­nung des Lan­des Sach­sen-Anhalt sind teil­wei­se ver­fas­sungs­wid­rig. Das Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richts Sach­sen-Anhalt hat einem ent­spre­chen­den Nor­men­kon­troll­an­trag von Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten zwei­er Oppo­si­ti­ons­frak­tio­nen, die sich gegen das Vier­te Gesetz zur Ände­rung des Geset­zes über die öffent­li­che Sicher­heit und Ord­nung des Lan­des Sach­sen-Anhalt (SOG LSA) vom 26.03.2013 wen­de­ten, statt­ge­ge­ben.

Sicher­heit und Ord­nung in Sach­sen-Anhalt

Für nich­tig erklärt hat das Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt die Rege­lung des § 17c SOG LSA, die es der Poli­zei zur Gefah­ren­ab­wehr erlaubt, ohne Wis­sen der betrof­fe­nen Per­so­nen Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­in­hal­te und ‑umstän­de durch den Ein­satz tech­ni­scher Mit­tel zu erhe­ben. Zwar ver­folgt der Gesetz­ge­ber mit der Vor­schrift einen legi­ti­men Zweck. Da jedoch die tech­ni­schen Vor­aus­set­zun­gen der­zeit noch nicht geschaf­fen sind, konn­te der Gesetz­ge­ber die hier­für erfor­der­li­che ver­ant­wort­li­che Abwä­gungs­ent­schei­dung noch nicht tref­fen.

Ver­fas­sungs­wid­rig ist fer­ner die Ermäch­ti­gung der Kom­mu­nen gemäß § 94a SOG LSA, für bestimm­te öffent­li­che Berei­che zu bestimm­ten Zei­ten den Ver­kauf und Genuss alko­ho­li­scher Geträn­ke und sowie das Mit­füh­ren von Glas­ge­trän­ke­be­hält­nis­sen zu ver­bie­ten. Hier­für fehlt es bis­lang an trag­fä­hi­gen und nach­voll­zieh­ba­ren Sach­grün­den.

Bestä­tigt hat das Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt dage­gen die Neu­re­ge­lung des § 33 SOG LSA, der der Poli­zei die Unter­bre­chung und Ver­hin­de­rung von Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ver­bin­dun­gen gestat­tet.

Hin­sicht­lich der Video­auf­zeich­nung bei Per­so­nen- und Fahr­zeug­kon­trol­len, wei­te­rer Rege­lun­gen zur Erhe­bung von Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­in­hal­ten und ‑umstän­den sowie der Unter­su­chung von Per­so­nen mit poten­ti­ell gefähr­li­chen Krank­heits­er­re­gern hat das Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt dem Gesetz­ge­ber auf­ge­ge­ben, bis zum 31.12 2015 ver­fas­sungs­kon­for­me Neu­re­ge­lun­gen zu schaf­fen. Bis dahin sind die Vor­schrif­ten nach Maß­ga­be des Urteils anwend­bar.

Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt Sach­sen ‑Anhalt, Urteil vom 11. Novem­ber 2014 – LVer­wal­tungs­ge­richt 9/​13