Sitz­ver­tei­lungs­ver­fah­ren bei Kom­mu­nal­wah­len

Das bei Kom­mu­nal­wah­len in Nord­rhein-West­fa­len ange­wand­te zur Sitz­ver­tei­lung ange­wand­te mathe­ma­ti­sche Divi­sor­ver­fah­ren mit Stan­dard­run­dung ist ver­fas­sungs­ge­mäß. Mit die­ser Begrün­dung wies ges­tern das Ver­wal­tungs­ge­richt Düs­sel­dorf die Kla­gen von drei Bür­gern der Stadt Rem­scheid gegen Ergeb­nis der Wahl der Bezirks­ver­tre­tun­gen in den drei Rem­schei­der Stadt­be­zir­ken Süd, Len­nep und Lüttring­hau­sen ab.

Sitz­ver­tei­lungs­ver­fah­ren bei Kom­mu­nal­wah­len

Die Klä­ger mach­ten zur Begrün­dung ihrer Kla­ge jeweils gel­tend, das zur Ver­tei­lung der 11 Sit­ze der Bezirks­ver­tre­tun­gen ange­wand­te Ver­tei­lungs­ver­fah­ren sei ver­fas­sungs­wid­rig und ver­sto­ße gegen den Grund­satz der Gleich­heit der Wahl, der unter ande­rem auch ver­lan­ge, dass jeder abge­ge­be­nen Stim­me der glei­che Ein­fluss auf das Wahl­er­geb­nis zukom­me. Bei dem ange­grif­fe­nen Wahl­er­geb­nis sei­en ganz erheb­li­che Abwei­chun­gen zwi­schen den von den ver­schie­de­nen Par­tei­en für die Erlan­gung eines Sit­zes benö­tig­ten Stim­men fest­zu­stel­len.

Die­ser Argu­men­ta­ti­on folg­te das Ver­wal­tungs­ge­richt Düs­sel­dorf nicht: Das zur Sitz­ver­tei­lung ange­wand­te mathe­ma­ti­sche Divi­sor­ver­fah­ren mit Stan­dard­run­dung sei, so das Ver­wal­tungs­ge­richt, nicht zu bean­stan­den, weil nach ihm der Anteil der erlang­ten Man­da­te grund­sätz­lich dem Wahl­er­folg ent­spre­che. Der Umstand, dass ein pro­zen­tua­ler Wahl­er­folg in eine ganz­zah­li­ge Man­dats­zahl über­tra­gen wer­den und des­halb eine Run­dung zwin­gend erfol­gen müs­se, sei bei jedem mathe­ma­ti­schen Ver­tei­lungs­ver­fah­ren unum­gäng­lich und des­halb hin­zu­neh­men.

Zwar kön­ne eine umso exak­te­re Abbil­dung des Wahl­er­geb­nis­ses erreicht wer­den, je grö­ßer das zu beset­zen­de Gre­mi­um sei. Es sei aber auch in Anbe­tracht des Grund­sat­zes der Wahl­gleich­heit nicht zu bean­stan­den, dass der Rat der Stadt Rem­scheid die Mit­glie­der­zahl de drei frag­li­chen Bezirks­ver­tre­tun­gen auf 11 fest­ge­setzt habe. Dies ste­he mit den gesetz­li­chen Vor­schrif­ten in Ein­klang. Da Rem­scheid die kreis­freie Stadt in Nord­rhein-West­fa­len mit der kleins­ten Ein­woh­ner­zahl sei und die Erfor­der­nis­se der Effek­ti­vi­tät und Funk­tio­na­li­tät einer Bezirks­ver­tre­tung eine Begren­zung bei der Bestim­mung der Mit­glie­der­zahl ver­lang­ten, sei eine Ori­en­tie­rung an der unte­ren Gren­ze der mög­li­chen Mit­glie­der­zah­len nicht zu bean­stan­den.

Auch bei einem Gre­mi­um mit 11 Mit­glie­dern sei eine Sitz­ver­tei­lung nach dem ange­wand­ten Ver­fah­ren mög­lich, ohne den Grund­satz der Wahl­gleich­heit zu ver­let­zen. Es sei eine aus­rei­chen­de Reprä­sen­ta­ti­on auch klei­ne­rer poli­ti­scher Grup­pie­run­gen gewähr­leis­tet. Auch die mög­li­chen sys­tem­be­ding­ten Abwei­chun­gen bei der Sitz­zu­tei­lung vom tat­säch­li­chen Wahl­er­folgt sei­en hin­nehm­bar.

Ver­wal­tungs­ge­richt Düs­sel­dorf, Urtei­le vom 19. April 2010 – 1 K 314/​10, 1 K 315/​10 und 1 K 316/​10