Son­der­ur­laub wegen Kinds­ge­burt

Eine Son­der­ur­laubs­ver­ord­nung, nach der Son­der­ur­laub nur bei Nie­der­kunft der Ehe­frau oder Lebens­part­ne­rin nach dem Lebens­part­ner­schafts­ge­setz gewährt wird, ver­letzt weder das Gebot des Ehe- und Fami­li­en­schut­zes des Art. 6 Abs. 1 GG noch den Gleich­heits­satz. Aller­dings kann bei einer nicht­ehe­li­chen Lebens­ge­mein­schaft die Nie­der­kunft der Lebens­ge­fähr­tin als einen ande­ren wich­ti­gen per­sön­li­chen Grund im Sin­ne der Son­der­ur­laubs­ver­ord­nung ange­se­hen wer­den, nach der eben­falls Son­der­ur­laub gewährt wer­den kann.

Son­der­ur­laub wegen Kinds­ge­burt

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin in dem hier vor­lie­gen­den Fall den Dienst­herrn dazu ver­pflich­tet, über den Antrag eines Kri­mi­nal­be­am­ten auf Son­der­ur­laub aus Anlass der Geburt sei­nes Kin­des noch­mals zu ent­schei­den. Der Klä­ger, ein Kri­mi­nal­kom­mis­sar beim Bun­des­kri­mi­nal­amt, hat­te im Jahr 2011 die Gewäh­rung von Son­der­ur­laub von einem Tag wegen der Nie­der­kunft sei­ner nicht­ehe­li­chen Lebens­ge­fähr­tin bean­tragt. Dies war mit der Begrün­dung abge­lehnt wor­den, die Son­der­ur­laubs­ver­ord­nung gewäh­re Son­der­ur­laub nur bei Nie­der­kunft der Ehe­frau oder Lebens­part­ne­rin nach dem Lebens­part­ner­schafts­ge­setz. Soweit nach der Ver­ord­nung dane­ben Son­der­ur­laub auch aus ande­ren gewich­ti­gen Grün­den gewährt wer­den kön­ne, sei der Fall der Geburt durch die spe­zi­el­le­re Vor­schrift abschlie­ßend gere­gelt. Mit der hier­ge­gen erho­be­nen Kla­ge begehr­te der Klä­ger die Gewäh­rung von Son­der­ur­laub und rüg­te u.a. sei­ne Ungleich­be­hand­lung gegen­über Ehen und ein­ge­tra­ge­nen Lebens­part­ner­schaf­ten.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Ber­lin kön­ne sich der Klä­ger zwar nicht auf die für ver­hei­ra­te­te oder in ein­ge­tra­ge­ner Lebens­part­ner­schaft leben­de Beam­ten gel­ten­de Bestim­mung beru­fen. Die­se Rege­lung ver­letz­te weder das Gebot des Ehe- und Fami­li­en­schut­zes des Art. 6 Abs. 1 GG noch den Gleich­heits­satz. Denn die Unter­schei­dung beru­he auf einem sach­li­chen Grund. Der Gesetz­ge­ber habe die Ehe bzw. die Lebens­part­ner­schaft als eine auf Lebens­zeit ange­leg­te Gemein­schaft mit wech­sel­sei­ti­gen Bei­stands­pflich­ten aus­ge­stal­tet. Die­se Pflich­ten bestün­den bei der nicht­ehe­li­chen Lebens­ge­mein­schaft gera­de nicht.

Aller­dings schlie­ße dies nicht aus, die Nie­der­kunft der Lebens­ge­fähr­tin als einen ande­ren wich­ti­gen per­sön­li­chen Grund im Sin­ne der Vor­schrift anzu­se­hen. Dies habe die Beklag­te zu Unrecht ver­kannt. Der Klä­ger kann nun ver­lan­gen, dass die Beklag­te noch­mals unter Zugrun­de­le­gung der Rechts­auf­fas­sung des Gerichts über sei­nen dama­li­gen Antrag ent­schei­det und ihr Ermes­sen aus­übt.

Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin, Urteil vom 26. Febru­ar 2014 – VG 7 K 158.12