Spen­den­ver­tei­lung durch die Gemein­de

Zu den frei­wil­li­gen Selbst­ver­wal­tungs­auf­ga­ben einer Kom­mu­ne gehört grund­sätz­lich auch die Orga­ni­sa­ti­on von Hilfs­leis­tun­gen aller Art für Ein­woh­ner, die von einer Umwelt­ka­ta­stro­phe betrof­fen sind. Die gespen­de­ten Gel­der wer­den dabei zu öffent­li­chen Mit­teln, wel­che die Gemein­de ent­spre­chend dem vor­ge­ge­be­nen Zweck der Spen­de ein­set­zen muss. Die Fest­le­gung der Kri­te­ri­en zur Ver­tei­lung der Gel­der ist grund­sätz­lich Sache des Gemein­de­rats.

Spen­den­ver­tei­lung durch die Gemein­de

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz in dem hier vor­lie­gen­den Fall ent­schie­den, dass durch feh­ler­haf­tes Ermes­sen der Gemein­de Graf­schaft die nach einer Hoch­was­ser­ka­ta­stro­phe gespen­de­ten Gel­der nicht ord­nungs­ge­mäß an Betrof­fe­ne ver­teilt wor­den sind. Da auf dem Son­der­kon­to noch 614,24 € für die Opfer der Hoch­was­ser­ka­ta­stro­phe vor­han­den sind, hat ein Betrof­fe­ner, der trotz Antrag kei­ne Zuwen­dung erhal­ten hat, einen Anspruch auf die Neu­be­schei­dung sei­nes Antrags – nach­dem der Graf­schaf­ter Gemein­de­rat die Kri­te­ri­en für die Ver­wen­dung der Mit­tel aus dem Spen­den­auf­kom­men fest­ge­legt hat.

Am 3. Juli 2010 kam es im Orts­teil Nie­ren­dorf der Gemein­de Graf­schaft nach einem schwe­ren Unwet­ter zu einem Hoch­was­ser. Hier­durch wur­den zahl­rei­che Häu­ser und Haus­rat schwer geschä­digt, u. a. war auch der Klä­ger erheb­lich betrof­fen. Unmit­tel­bar nach dem Ereig­nis bat der 1. Bei­geord­ne­te der Gemein­de über die Medi­en um Spen­den. Auf das von der Gemein­de ein­ge­rich­te­te Son­der­kon­to gin­gen in der Fol­ge­zeit (Stand: August 2010) 45.499,44 € ein. Über die Ver­wen­dung ent­schied der 1. Bei­geord­ne­te im Rah­men einer Eil­ent­schei­dung auf­grund von Kri­te­ri­en, die zuvor von einer Ver­ga­berun­de, bestehend aus Ange­hö­ri­gen der Gemein­de­ver­wal­tung und Rats­mit­glie­dern, auf­ge­stellt wor­den waren. Danach soll ein Betrof­fe­ner u. a. nur dann eine Zuwen­dung erhal­ten, wenn ein beson­ders hoher Haus­ratscha­den ent­stan­den ist und er über kei­nen Ver­si­che­rungs­schutz ver­fügt. In der Fol­ge­zeit wur­den Gel­der an die Betrof­fe­nen der Kata­stro­phe ver­teilt, der Klä­ger blieb unbe­rück­sich­tigt. Im April 2011 stell­te der Klä­ger einen Antrag auf eine Zuwen­dung und wies hier­bei dar­auf hin, sein Haus­rat sei mit einer Eigen­be­tei­li­gung von 10 % ver­si­chert, nicht aber sein Gebäu­de, an dem er einen beträcht­li­chen Scha­den erlit­ten habe. Dar­auf ant­wor­te­te die Gemein­de, bei der Ver­tei­lung der Spen­den han­de­le es sich um eine frei­wil­li­ge Leis­tung, auf die kein Anspruch bestehe. Hier­mit war der Klä­ger nicht ein­ver­stan­den und bat nach erfolg­lo­ser Durch­füh­rung eines Wider­spruchs­ver­fah­rens um gericht­li­chen Rechts­schutz.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben: Nach sei­ner Auf­fas­sung gehö­re zu den frei­wil­li­gen Selbst­ver­wal­tungs­auf­ga­ben einer Kom­mu­ne grund­sätz­lich auch die Orga­ni­sa­ti­on von Hilfs­leis­tun­gen aller Art für Ein­woh­ner, die von einer Umwelt­ka­ta­stro­phe betrof­fen sei­en. In einem sol­chen Fall wer­de die Gemein­de im Bereich der Daseins­vor­sor­ge tätig und neh­me eine im öffent­li­chen Inter­es­se lie­gen­de Auf­ga­be wahr. Die gespen­de­ten Gel­der wür­den zu öffent­li­chen Mit­teln, wel­che die Gemein­de ent­spre­chend dem vor­ge­ge­be­nen Zweck der Spen­de ein­set­zen müs­se. Bei der Ent­schei­dung hier­über habe die Gemein­de Graf­schaft das ihr ein­ge­räum­te Ermes­sen feh­ler­haft betä­tigt. Über die Fest­le­gung der Kri­te­ri­en zur Ver­tei­lung der Gel­der habe näm­lich der 1. Bei­geord­ne­te befun­den, obwohl er hier­zu nicht befugt gewe­sen sei. Dies sei grund­sätz­lich Sache des Gemein­de­rats. Zwar gebe es beson­de­re Situa­tio­nen, in denen wegen der Dring­lich­keit einer Ange­le­gen­heit statt des Rates der Bür­ger­meis­ter ent­schei­den dür­fe. Die Vor­aus­set­zun­gen für eine sol­che Eil­ent­schei­dung hät­ten hier aber nicht vor­ge­le­gen, da sich der 1. Bei­geord­ne­te in Ver­tre­tung des Bür­ger­meis­ters bei der Ver­tei­lung der Spen­den an Kri­te­ri­en ori­en­tiert habe, die eine zuvor hier­zu ein­ge­la­de­ne Ver­ga­berun­de auf­ge­stellt habe. Statt die­sem Gre­mi­um hät­te sich mit die­ser Ange­le­gen­heit aber eben­so der Rat der Gemein­de Graf­schaft ggf. unter Abkür­zung der Ladungs­frist in einer Rats­sit­zung befas­sen kön­nen. Die­ser Man­gel sei auch nicht beho­ben wor­den. Da aber auf dem Son­der­kon­to noch 614,24 € für die Opfer der Hoch­was­ser­ka­ta­stro­phe zur Ver­fü­gung stün­den, kön­ne der Klä­ger noch eine Zuwen­dung aus den Spen­den­mit­teln erhal­ten. Von daher habe er Anspruch auf die Neu­be­schei­dung sei­nes Antrags, wobei zu beach­ten ist, dass zuvor der Graf­schaf­ter Gemein­de­rat die Kri­te­ri­en für die Ver­wen­dung der Mit­tel aus dem Spen­den­auf­kom­men fest­le­gen müs­se.

Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz, Urteil vom 15. Janu­ar 2013 – 1 K 593/​12.KO