Sports­bar mit Wett­ver­mitt­lung

Ein pro­ba­tes Mit­tel für eine Stadt, unlieb­sa­me Spiel­höl­len und Wett­bü­ros zu ver­hin­dern, ist regel­mä­ßig das Bau­pla­nungs­recht und damit die Ver­sa­gung der Bau­ge­neh­mi­gung für die kon­kre­te Nut­zung als Wett­bü­ro. Aber auch die­ses Mit­tel ver­sagt in vie­len Fäl­len, wie ein aktu­el­ler Fall aus Spey­er zeigt:

Sports­bar mit Wett­ver­mitt­lung

In einem jetzt vom Ver­wal­tungs­ge­richt Neut­stadt ent­schie­de­nen Fall betreibt der Klä­ger seit sechs Jah­ren in der Innen­stadt von Spey­er für einen lizen­sier­ten Pfer­de­wett­an­bie­ter ein Wett­lo­kal in einem bis­her als Laden geneh­mig­ten Geschäfts­lo­kal. Den Bau­an­trag für die Nut­zungs­än­de­rung in eine Sports­bar mit Wett­ver­mitt­lung und Geträn­keau­schank lehn­te die Stadt ab mit der Begrün­dung, eine Wett­ver­mitt­lung wider­spre­che dem bau­recht­li­chen Cha­rak­ter des Gebiets als Misch­ge­biet. Sei­ne Kla­ge vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Neu­stadt hat­te Erfolg:

Nach Ansicht der Ver­wal­tungs­rich­ter stellt der Betrieb mit Geträn­ke­aus­schank und Wett­ver­mitt­lung zwar eine Ver­gnü­gungs­stät­te dar, weil der Unter­hal­tungs­wert des Wett­spiels im Vor­der­grund ste­he. Auf­grund der gerin­gen Grö­ße von unter 100 qm Nutz­flä­che sei das Lokal aber im Misch­ge­biet all­ge­mein zuläs­sig.

Dem Ein­wand der Stadt Spey­er, die Wett­an­nah­me las­se einen soge­nann­ten „Tra­ding-Down-Effekt” befürch­ten, also die schlei­chen­de Ver­drän­gung des her­kömm­li­chen Gewer­bes aus dem Bau­ge­biet und eine damit ein­her­ge­hen­de Abwer­tung der dor­ti­gen Geschäfts­la­gen, folg­te das Ver­wal­tungs­ge­richt Neu­stadt nicht: Trotz einer schon in der Nach­bar­schaft vor­han­de­nen klei­ne­ren Spiel­hal­le sei nicht von einer domi­nan­ten Kon­zen­tra­ti­on des Ver­gnü­gungs­ge­wer­bes aus­zu­ge­hen, zumal die bei­den Betrie­be seit Jah­ren dort geführt wür­den, ohne dass sich eine nega­ti­ve städt­bau­li­che Ent­wick­lung erge­ben habe.

Ver­wal­tungs­ge­richt Neu­stadt, Urteil vom 12. August 2010 – 4 K 272/​10.NW