Sprung­re­vi­si­on – und erst­in­stanz­lich zu Pro­to­koll erklär­te Zustim­mung

Bei der Sprung­re­vi­si­on muss der Revi­si­ons­schrift eine beglau­big­te Nie­der­schrift der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt nicht bei­gefügt wer­den, wenn die Zustim­mung der Betei­lig­ten zur Ein­le­gung der Sprung­re­vi­si­on in der Sit­zung zu Pro­to­koll erklärt wor­den ist.

Sprung­re­vi­si­on – und erst­in­stanz­lich zu Pro­to­koll erklär­te Zustim­mung

Nach § 134 Abs. 1 VwGO steht den Betei­lig­ten gegen das Urteil eines Ver­wal­tungs­ge­richts die Sprung­re­vi­si­on zu, wenn der Klä­ger und der Beklag­te der Ein­le­gung der Sprung­re­vi­si­on schrift­lich zustim­men und wenn sie von dem Ver­wal­tungs­ge­richt zuge­las­sen wird; die Zustim­mung muss der Revi­si­ons­schrift bzw. dem Antrag auf Zulas­sung der Sprung­re­vi­si­on bei­gefügt wer­den. Es reicht nicht aus, dass Klä­ger und Beklag­ter in der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt ledig­lich die Zulas­sung der Sprung­re­vi­si­on bean­tra­gen bzw. sich einem sol­chen Antrag des ande­ren Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten anschlie­ßen. Denn wegen des mit der Sprung­re­vi­si­on ver­bun­de­nen Ver­lusts einer Tat­sa­chen­in­stanz und der Bin­dung des Revi­si­ons­ge­richts an die Tat­sa­chen­fest­stel­lun­gen des Ver­wal­tungs­ge­richts ohne die Mög­lich­keit einer Ver­fah­rens­rüge muss die Zustim­mung zur Ein­le­gung der Sprung­re­vi­si­on ein­deu­tig for­mu­liert sein; die Zustim­mung zur Zulas­sung die­ses Rechts­mit­tels ist einer Aus­le­gung als Zustim­mung zu sei­ner Ein­le­gung regel­mä­ßig nicht zugäng­lich 1.

Ande­rer­seits reicht es aus, wenn die Zustim­mung zur Ein­le­gung der Sprung­re­vi­si­on in der münd­li­chen Ver­hand­lung zu Pro­to­koll erklärt wird 2. Zwar ent­spricht dies nicht dem gesetz­li­chen Leit­bild, das eine Ent­schei­dung über die Ein­le­gung der Sprung­re­vi­si­on erst nach Erlass und in Kennt­nis des Urteils vor­sieht. Doch ist auch bei Abga­be der Zustim­mungs­er­klä­rung bereits in der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt der Über­ei­lungs­schutz sicher­ge­stellt.

Ist die Zustim­mung zur Ein­le­gung der Sprung­re­vi­si­on zu Pro­to­koll erklärt wor­den, soll­te der Revi­si­ons­schrift eine beglau­big­te Nie­der­schrift über die Sit­zung bei­gefügt wer­den. Zwin­gend erfor­der­lich ist dies jedoch nicht, weil das Ver­wal­tungs­ge­richt dem Revi­si­ons­ge­richt die Akten und mit ihnen das Ori­gi­nal des Pro­to­kolls vor­legt; damit ist sicher­ge­stellt, dass das Revi­si­ons­ge­richt in die Lage ver­setzt wird, die Zuläs­sig­keit der Sprung­re­vi­si­on nach Ein­gang der Akten ohne Wei­te­res zu prü­fen 3.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 10. Dezem­ber 2013 – 1 C 1.2013

  1. BVerwG, Beschlüs­se vom 25.11.1992 – 4 C 16.92, Buch­holz 310 § 134 VwGO Nr. 40 = NVwZ-RR 1993, 219; vom 11.02.1997 – 8 C 4.97; und vom 08.03.2002 – 5 C 54.01[]
  2. BVerwG, Urtei­le vom 18.06.1962 – 5 C 92.61, BVerw­GE 14, 259 = Buch­holz 310 § 134 VwGO Nr. 3; und vom 07.06.2001 – 4 C 1.01, Buch­holz 310 § 134 VwGO Nr. 49 S. 2; Beschluss vom 25.08.1989 – 8 C 61.89[]
  3. BVerwG, Urtei­le vom 07.06.2001 a.a.O.; und vom 04.09.2008 – 5 C 30.07- BVerw­GE 132, 10 = Buch­holz 436.36 § 28 BAföG Nr. 2 jeweils Rn. 11[]