Steue­rung des Ein­zel­han­dels in der Regio­nal­pla­nung

Eine Steue­rung des Ein­zel­han­dels durch regio­nal­pla­ne­ri­sche Agglo­me­ra­ti­ons­re­ge­lung ist zuläs­sig.

Steue­rung des Ein­zel­han­dels in der Regio­nal­pla­nung

So hat jetzt das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig ent­schie­den, dass die im Regio­nal­plan Heil­bronn-Fran­ken 2020 fest­ge­leg­te Agglo­me­ra­ti­ons­re­ge­lung, die anord­net, dass meh­re­re selbst­stän­di­ge, je für sich nicht groß­flä­chi­ge Ein­zel­han­dels­be­trie­be bei einer räum­li­chen Kon­zen­tra­ti­on als Agglo­me­ra­ti­on anzu­se­hen sind, sofern raum­ord­ne­ri­sche Wir­kun­gen wie bei einem groß­flä­chi­gen Ein­zel­han­dels­be­trieb bzw. Ein­kaufs­zen­trum zu erwar­ten sind, von einer Gemein­de bei Auf­stel­lung eines Bebau­ungs­plans zu beach­ten ist.

Das jetzt vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­ne Ver­fah­ren betrifft einen Bebau­ungs­plan der Stadt Bad Fried­richs­hall, einer Gemein­de ohne raum­ord­nungs­recht­li­che Zen­trums­funk­ti­on. Der Bebau­ungs­plan setzt u.a. ein Gewer­be­ge­biet mit einer unein­ge­schränk­ten Band­brei­te von Ein­zel­han­dels­nut­zun­gen und einer mög­li­chen Gesamt­ver­kaufs­flä­che von nahe­zu 3 000 m² fest. Der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg in Mann­heim hat den Bebau­ungs­plan für unwirk­sam erklärt, weil er gegen die im Regio­nal­plan fest­ge­leg­te Agglo­me­ra­ti­ons­re­ge­lung ver­stößt 1. Sie bestimmt, dass meh­re­re selbst­stän­di­ge, je für sich nicht groß­flä­chi­ge Ein­zel­han­dels­be­trie­be bei einer räum­li­chen Kon­zen­tra­ti­on als Agglo­me­ra­ti­on anzu­se­hen und damit, sofern ver­gleich­ba­re raum­ord­ne­ri­sche Wir­kun­gen zu erwar­ten sind, als groß­flä­chi­ger Ein­zel­han­dels­be­trieb bzw. Ein­kaufs­zen­trum zu behan­deln sind. Das hat zur Fol­ge, dass die Zie­le im Regio­nal­plan zur Steue­rung des Ein­zel­han­dels, ins­be­son­de­re die Vor­ga­be, dass regio­nal­be­deut­sa­me Ein­zel­han­dels­groß­pro­jek­te in der Regel nur in Zen­tren zuläs­sig sind, auch auf Ein­zel­han­dels­ag­glo­me­ra­tio­nen Anwen­dung fin­den.

Die Agglo­me­ra­ti­ons­re­ge­lung des Regio­nal­plans hat zur Fol­ge, dass sei­ne Zie­le zur Steue­rung des Ein­zel­han­dels, ins­be­son­de­re die Vor­ga­be, dass regio­nal­be­deut­sa­me Ein­zel­han­dels­groß­pro­jek­te in der Regel nur in Ober‑, Mit­tel- und Unter­zen­tren zuläs­sig sind, auch auf Ein­zel­han­dels­ag­glo­me­ra­tio­nen Anwen­dung fin­den. Eine sol­che Agglo­me­ra­ti­ons­re­ge­lung dient einem raum­ord­nungs­recht­lich legi­ti­men Zweck. Die Kon­zen­tra­ti­on auch von einer Mehr­zahl für sich nicht groß­flä­chi­ger Ein­zel­han­dels­be­trie­be unter­schei­det sich je nach Lage und Sor­ti­ments­struk­tur häu­fig nicht von den Aus­wir­kun­gen, die von einem oder meh­re­ren "ech­ten" groß­flä­chi­gen Ein­zel­han­dels­be­trie­ben aus­ge­hen. Die Agglo­me­ra­ti­ons­re­ge­lung stellt in Ver­bin­dung mit dem Kon­zen­tra­ti­ons- und Kon­gru­enz­ge­bot ein wirk­sa­mes, ins­be­son­de­re mit Mit­teln der Bau­leit­pla­nung umsetz­ba­res Ziel der Raum­ord­nung dar, das von einer Gemein­de bei ihrer ört­li­chen Bau­leit­pla­nung gemäß § 1 Abs. 4 Bau­GB zu beach­ten ist.

Die­se Vor­ga­ben hat die Antrags­geg­ne­rin, die Stadt Bad Fried­richs­hall, eine Gemein­de mit ca. 2 700 Ein­woh­nern, die kei­ne zen­tral­ört­li­che Funk­ti­on hat, bei Erlass des hier ange­foch­te­nen Bebau­ungs­plans, der u.a. ein Gewer­be­ge­biet mit einer unein­ge­schränk­ten Band­brei­te von Ein­zel­han­dels­nut­zun­gen und einer mög­li­chen Gesamt­ver­kaufs­flä­che von nahe­zu 3 000 qm fest­setzt, nicht beach­tet. Zu Recht hat der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg daher den Bebau­ungs­plan für unwirk­sam erklärt.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 10. Novem­ber 2011 – 4 CN 9.10

  1. VGH Mann­heim, Urteil vom 21.09.2010 – 3 S 324/​08[]