Stimm­zet­tel-Kla­ge

In wel­cher Rei­hen­fol­ge sind bei der im Herbst anste­hen­den Kom­mu­nal­wahl in Nord­rhein-West­fa­len die Kan­di­da­ten für das Bür­ger­meis­ter­amt auf den Stimm­zet­teln auf­zu­füh­ren? Mit die­ser Fra­ge hat­te sich auf die Kla­ge des par­tei­lo­sen Bür­ger­meis­ters von Waren­dorf, Jochen Wal­ter, jetzt das Ver­wal­tungs­ge­richt Müns­ter zu befas­sen, das die Kla­ge aller­dings als unzu­läs­sig abwies.

Stimm­zet­tel-Kla­ge

Am 24. Juli 2009 hat­te der Wahl­aus­schuss für die Kom­mu­nal­wahl 2009 der Stadt Waren­dorf die ein­ge­gan­ge­nen zwei Wahl­vor­schlä­ge für die Bür­ger­meis­ter­wahl am 30. August 2009 bekannt gemacht und dabei den par­tei­lo­sen Klä­ger in der zwei­ten Zei­le des Stimm­zet­tels nach dem Kan­di­da­ten der CDU auf­ge­führt. Hier­ge­gen wand­te sich der Klä­ger mit der Begrün­dung, die Fest­set­zung die­ser Rei­hen­fol­ge auf den Stimm­zet­teln, die an das Abschnei­den der Par­tei­en und Wäh­ler­grup­pen bei der letz­ten Wahl zum Stadt­rat anknüp­fe, ent­spre­che zwar den gesetz­li­chen Vor­ga­ben, sei aber ver­fas­sungs­wid­rig. Die gesetz­li­chen Bestim­mun­gen stün­den im logi­schen Wider­spruch zur Abkop­pe­lung der Wahl des Bür­ger­meis­ters von der des Stadt­rats sowie der mit der letz­ten Novel­lie­rung der Gemein­de­ord­nung Nord­rhein-West­fa­len ver­folg­ten Stär­kung der Posi­ti­on des Bür­ger­meis­ters gegen­über dem Rat. Dar­in lie­ge ein Ver­stoß gegen den im Grund­ge­setz ver­an­ker­ten Grund­satz der Chan­cen­gleich­heit bei Wah­len.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Müns­ter wies die Kla­ge jedoch ohne Ent­schei­dung in der Sache ab:

Die Kla­ge sei, so die Müns­te­ra­ner Ver­wal­tungs­rich­ter in den Urteils­grün­den, jeden­falls des­halb unzu­läs­sig, weil auf­grund der Beson­der­hei­ten des Wahl­rechts gegen die mit der Kla­ge ange­grif­fe­ne Fest­le­gung der Rei­hen­fol­ge der Wahl­vor­schlä­ge auf den Stimm­zet­teln ein ver­wal­tungs­ge­richt­li­cher Rechts­schutz im Vor­feld der Wahl aus­ge­schlos­sen sei. Ent­schei­dun­gen und Maß­nah­men, die sich unmit­tel­bar auf das Wahl­ver­fah­ren bezie­hen, könn­ten nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts nur mit den in den Wahl­vor­schrif­ten vor­ge­se­he­nen Rechts­be­hel­fen und im Wahl­prü­fungs­ver­fah­ren ange­foch­ten wer­den. Beson­der­hei­ten, die hier ver­wal­tungs­ge­richt­li­chen Rechts­schutz im unmit­tel­ba­ren Vor­feld der Wahl recht­fer­tig­ten, sei­en nicht zu erken­nen. Wür­de man die vom Klä­ger gel­tend gemach­te Ver­fas­sungs­wid­rig­keit der einer Vor­fel­d­ent­schei­dung zugrun­de­lie­gen­den Norm aus­rei­chen las­sen, bestün­de nicht nur die stän­di­ge Gefahr der Ver­schie­bung von Wah­len, denen in einem demo­kra­ti­schen Gemein­we­sen eine her­aus­ra­gen­de Bedeu­tung zukom­me, son­dern auch das ste­te Risi­ko der Ungül­tig­keit der Wahl, wenn nach einer statt­ge­ben­den erst­in­stanz­li­chen (Eil-)Entscheidung letzt­end­lich doch die Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der Norm fest­ge­stellt wür­de.

Ver­wal­tungs­ge­richt Müns­ter, Ureil vom 10. August 2009 – 1 K 1447/​09