Stör­wir­kung von Wind­ener­gie­an­la­gen auf eine Fun­k­na­vi­ga­ti­ons­an­la­ge

Der Bau und der Betrieb von Wind­ener­gie­an­la­gen in Nach­bar­schaft zur Fun­k­na­vi­ga­ti­ons­an­la­ge – DVOR – Bre­men der Deut­schen Flug­si­che­rungs-GmbH ist vor­läu­fig nicht zu stop­pen, da die Zusatz­stör­bei­trä­ge der Wind­ener­gie­an­la­gen unstrei­tig gering­fü­gig sind und die Flug­si­cher­heit dadurch nicht bedeut­sam beein­träch­tigt wird, zumal es auch wei­te­re Navi­ga­ti­ons­ver­fah­ren gibt, die unab­hän­gig von DVOR-Signa­len funk­tio­nie­ren. Dar­über hin­aus gibt es selbst bei nicht zu erwar­ten­den dau­ern­den Über­schrei­tun­gen maxi­ma­ler Win­kel­feh­ler zumut­ba­re Mög­lich­kei­ten, Stö­run­gen der Flug­si­che­rung zu ver­mei­den.

Stör­wir­kung von Wind­ener­gie­an­la­gen auf eine Fun­k­na­vi­ga­ti­ons­an­la­ge

So das Ver­wal­tungs­ge­richt Olde­burg in dem hier vor­lie­gen­den vor­läu­fi­gen Rechts­schutz­ver­fah­ren, mit dem die Deut­sche Flug­si­che­rungs-GmbH (DFS) sich gegen den Bau und Betrieb von wei­te­ren 5 Wind­ener­gie­an­la­gen im Wind­park Gan­der­ke­see – Lem­wer­der "Sannau­er Hel­mer" gewehrt hat. Die geplan­ten 5 WEA befin­den sich im Abstand von etwa 11 bis 13,5 km im Radi­al­be­reich 304° bis 310° zur Fun­k­na­vi­ga­ti­ons­an­la­ge – DVOR – Bre­men der DFS. Die­se Fun­k­na­vi­ga­ti­ons­an­la­ge sen­det Signa­le an Luft­fahr­zeu­ge, mit denen sich dort aus­wer­ten lässt, in wel­chem Win­kel sich das Luft­fahr­zeug auf die DVOR-Anla­ge zu‑, weg- oder vor­bei­be­wegt. Die Umge­bung ist durch wei­te­re bestehen­de und geneh­mig­te WEA vor­be­las­tet. Bei den strei­ti­gen WEA han­delt es sich um 5 von ins­ge­samt 32 geplan­ten Anla­gen.

Die DFS wand­te sich mit Unter­stüt­zung der bei­gela­de­nen Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, ver­tre­ten durch das Bun­des­auf­sichts­amt für Flug­si­che­rung (BAF), gegen die im Sep­tem­ber 2013 vom Land­kreis Weser­marsch unter gleich­zei­ti­ger Anord­nung der sofor­ti­gen Voll­zie­hung erteil­te Geneh­mi­gung für die 5 WEA zu Guns­ten der Wind­farm Gan­der­ke­see-Lem­wer­der GmbH, die eben­falls zum Ver­fah­ren bei­gela­den wur­de. Die DFS erstreb­te damit die Wie­der­her­stel­lung der auf­schie­ben­den Wir­kung ihrer zwi­schen­zeit­lich auch erho­be­nen Kla­ge (5 A 108/​14), um den behörd­lich zuge­las­se­nen Bau und Betrieb der WEA wäh­rend des schwe­ben­den Kla­ge­ver­fah­rens zu ver­hin­dern.

In der Sache befürch­te­te die DFS, die Funk­ti­ons­fä­hig­keit ihrer DVOR Bre­men kön­ne durch die geneh­mig­ten WEA unzu­mut­bar gestört wer­den. Die WEA reflek­tier­ten die Über­tra­gung der DVOR-Signa­le und führ­ten ange­sichts des zuläs­si­gen anla­gen­ei­ge­nen Feh­lers (Align­ment – Feh­ler) und der Vor­be­las­tung durch topo­gra­phi­sche Fak­to­ren sowie die Stör­wir­kun­gen bereits bestehen­der oder zuvor geneh­mig­ter WEA zu einer unzu­mut­ba­ren Gesamt­be­las­tung. Der Land­kreis Weser­marsch habe sich in der ange­foch­te­nen Geneh­mi­gung zu Unrecht über die gegen­tei­li­ge Ein­schät­zung des BAF hin­weg­ge­setzt und eine zu erwar­ten­de Stö­rung von Flug­si­che­rungs­ein­rich­tun­gen ver­neint.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Olden­burg sei der Antrag auf Gewäh­rung vor­läu­fi­gen Recht­schut­zes bereits unzu­läs­sig. Das ver­wal­tungs­ge­richt sieht weder die Mög­lich­keit einer Ver­let­zung der DFS in eige­nen pri­va­ten Rech­ten noch in ihr über­tra­ge­nen Hoheits­rech­ten als Luft­ver­kehrs­kon­troll­be­hör­de. Über­dies sei die DFS mit ihren Ein­wen­dun­gen aus­ge­schlos­sen, weil sie die­se nicht zuvor selbst im Ver­wal­tungs­ver­fah­ren gel­tend gemacht habe.

Unab­hän­gig davon habe der Land­kreis Weser­marsch aller Vor­aus­sicht nach die Geneh­mi­gung zu Recht erteilt und das Inter­es­se am Bau und Betrieb der WEA wäh­rend des schwe­ben­den Haupt­sa­che­ver­fah­rens über­wie­ge die Inter­es­sen von DFS und BAF dar­an, den Voll­zug vor­läu­fig zu stop­pen. For­mel­le Feh­ler wei­se die immis­si­ons­schutz­recht­li­che Geneh­mi­gung vor­aus­sicht­lich nicht auf. Der Land­kreis Weser­marsch habe sich über die gegen­tei­li­ge Ent­schei­dung des BAF hin­weg­set­zen dür­fen, weil im immis­si­ons­schutz­recht­li­chen Ver­fah­ren auch inso­weit eine Ent­schei­dungs­be­fug­nis kon­zen­triert sei. In der Sache habe der Land­kreis Weser­marsch die Stö­rungs­pro­gno­se recht­lich zutref­fend und fach­lich gut ver­tret­bar auf­grund eines plau­si­blen Gut­ach­tens des Vor­ha­ben­trä­gers ange­stellt. Die Zusatz­stör­bei­trä­ge der WEA sei­en unstrei­tig gering­fü­gig und die Flug­si­cher­heit wer­de dadurch nicht bedeut­sam beein­träch­tigt, zumal es auch wei­te­re Navi­ga­ti­ons­ver­fah­ren gebe, die unab­hän­gig von DVOR-Signa­len funk­tio­nie­ren. Der tat­säch­lich gerin­ge anla­gen­ei­ge­ne Feh­ler­bei­trag der DVOR bie­te eben­falls Spiel­raum für gering­fü­gi­ge Zusatz­be­ein­träch­ti­gun­gen. Selbst bei nicht zu erwar­ten­den dau­ern­den Über­schrei­tun­gen maxi­ma­ler Win­kel­feh­ler gebe es zumut­ba­re Mög­lich­kei­ten, Stö­run­gen der Flug­si­che­rung zu ver­mei­den (öffent­li­che Bekannt­ma­chung der hohen Win­kel­feh­ler für Pilo­ten; Maß­nah­men zur Redu­zie­rung des anla­gen­ei­ge­nen Feh­lers).

Aus die­sen Grün­den ist der Antrag auf Gewäh­rung vor­läu­fi­gen Recht­schut­zes vom Ver­wal­tungs­ge­richt abge­lehnt wor­den.

Ver­wal­tungs­gricht Olden­burg, Beschluss vom 5. Febru­ar 2014 – 5 B 6430/​13