Stra­ßen­rei­ni­gungs­ge­büh­ren und Gebüh­ren­sat­zung

Beim Feh­len einer hin­rei­chend bestimm­ten Sat­zungs­re­ge­lung über die Ent­ste­hung der Gebüh­ren­schuld kön­nen Stra­ßen­rei­ni­gungs­ge­büh­ren nicht erho­ben wer­den. Mit die­ser Begrün­dung hob jetzt das Nie­der­säch­si­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in Lüne­burg einen ent­spre­chen­den Gebüh­ren­be­scheid einer nie­der­säch­si­schen Gemein­de auf.

Stra­ßen­rei­ni­gungs­ge­büh­ren und Gebüh­ren­sat­zung

Gemäß § 2 Abs. 1 Satz 2 NKAG müs­sen Gebüh­ren­sat­zun­gen unter ande­rem die Ent­ste­hung der Gebüh­ren­schuld regeln. Die­ses Erfor­der­nis trägt dem Ver­fas­sungs­grund­satz der Rechts­staat­lich­keit Rech­nung, ins­be­son­de­re den Prin­zi­pi­en der Gesetz­mä­ßig­keit der Ver­wal­tung, der Rechts­si­cher­heit und der Rechts­gleich­heit 1. Es sol­len der Zeit­punkt der Ent­ste­hung der Gebüh­ren­schuld fixiert und dadurch Zwei­fel über die Ent­ste­hung aus­ge­räumt wer­den 2. Wer­den – wie bei der Stra­ßen­rei­ni­gungGebüh­ren für die lau­fen­de Inan­spruch­nah­me einer öffent­li­chen Ein­rich­tung erho­ben, ist die Fest­le­gung des Zeit­in­ter­valls, für den die Gebüh­ren jeweils anfal­len sol­len, erfor­der­lich. Es muss also ein­deu­tig in der Sat­zung bestimmt sein, ob die Gebühr täg­lich, wöchent­lich, monat­lich, vier­tel­jähr­lich oder jähr­lich ent­steht 3.

Das Feh­len einer hin­rei­chend bestimm­ten Rege­lung über die Ent­ste­hung der Gebüh­ren­schuld hat nach dem Rechts­ge­dan­ken des § 139 BGB nicht die Gesamt­un­wirk­sam­keit der Stra­ßen­rei­ni­gungs­ge­büh­ren­sat­zung der Gemein­de zur Fol­ge 4. Es führt ledig­lich dazu, dass eine Gebüh­ren­schuld auf der Grund­la­ge der nicht den Anfor­de­run­gen des § 2 Abs. 1 Satz 2 NKAG genü­gen­den Gebüh­ren­sat­zung der Gemein­de nicht ent­ste­hen kann. Die Gemein­de kann den zur­zeit vor­han­de­nen Man­gel rück­wir­kend hei­len und die Anlie­ger auf der Grund­la­ge einer dem § 2 Abs. 1 Satz 2 NKAG genü­gen­den Gebüh­ren­sat­zung erneut zu Stra­ßen­rei­ni­gungs­ge­büh­ren her­an­zie­hen.

Nie­der­säch­si­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 30. Novem­ber 2009 – 9 LB 415/​07

  1. vgl. Drie­haus, in: Drie­haus, Kom­mu­nal­ab­ga­ben­recht, Stand: Sep­tem­ber 2009, § 2 Rdnr. 50[]
  2. vgl. Drie­haus, a. a. O., § 2 Rdnr. 92[]
  3. vgl. Drie­haus, a. a. O. unter Bezug­nah­me auf OVG Greifs­wald, Urteil vom 07.11.1996 – 4 K 11/​96, Ver­wal­tungs­rechts­re­port Aus­ga­be Mitte/​Ost 1997, 13; Loh­mann, in: Drie­haus, a. a. O., § 6 Rdnr. 661; Lich­ten­feld, in: Drie­haus, a. a. O., § 6 Rdnr. 721 a[]
  4. im Ergeb­nis anders OVG Greifs­wald, Beschluss vom 15.08.1995 – 6 L 44795, LKV 1996, 214 und OVG Bran­den­burg, Beschluss vom 27.11.2003 – 2 B 303/​03, KStZ 2004, 52; wie hier Drie­haus, a. a. O., § 2 Rdnr. 50[]