Stra­ßen­um­be­nen­nung – oder: Der streit­ba­re Erbe des bis­he­ri­gen Namens­ge­bers

Der Erbe des Namens­ge­bers einer Stra­ße kann sich nicht dage­gen weh­ren, dass die Gemein­de die Stra­ße umbe­nennt und den bis­he­ri­gen Namens­ge­ber aus dem Stra­ßen­na­men ent­fernt. Mit die­ser Begrün­dung hat der Baye­ri­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof eine Ent­schei­dung der Lan­des­haupt­stadt Mün­chen bestä­tigt, die Meis­er­stra­ße in Katha­ri­na-von-Bora-Stra­ße umzu­be­nen­nen.

Stra­ßen­um­be­nen­nung – oder: Der streit­ba­re Erbe des bis­he­ri­gen Namens­ge­bers

Der Klä­ger ist ein Enkel des 1956 ver­stor­be­nen ehe­ma­li­gen Lan­des­bi­schofs der Evan­ge­lisch-Luthe­ri­schen Kir­che in Bay­ern, Dr. Hans Mei­ser, nach dem die Stra­ße bis­her benannt wor­den war. Als in der Öffent­lich­keit eine kon­tro­vers geführ­te Dis­kus­si­on ent­stand, ob der ver­stor­be­ne Lan­des­bi­schof im Hin­blick auf Äuße­run­gen wäh­rend der Zeit des Natio­nal­so­zia­lis­mus die­se Ehrung ver­die­ne, beschloss der Stadt­rat der Lan­des­haupt­stadt auf Antrag eini­ger Frak­tio­nen im Febru­ar 2008, die Stra­ße umzu­be­nen­nen. Der Voll­zug der Umbe­nen­nung wur­de bis zur Ent­schei­dung des Baye­ri­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs auf­ge­scho­ben. Der Klä­ger macht gel­tend, als Enkel des ver­stor­be­nen Lan­des­bi­schofs kön­ne er sich auf das Rechts­in­sti­tut des post­mor­ta­len Ehren­schut­zes beru­fen; die Umbe­nen­nung stel­le eine Her­ab­wür­di­gung sei­nes Groß­va­ters dar.

Der Baye­ri­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof ist die­ser Argu­men­ta­ti­on nicht gefolgt. Nach sei­ner Ansicht ist die Kla­ge des Enkels schon nicht zuläs­sig. Die Vor­schrif­ten über die Benen­nung von Stra­ßen im Baye­ri­schen Stra­ßen- und Wege­ge­setz hät­ten rein ord­nungs­recht­li­chen Cha­rak­ter. Sie dien­ten nicht dem Schutz der Ehre von namens­ge­ben­den Per­so­nen, wenn Gemein­den Stra­ßen wie­der umbe­nen­nen wür­den. Die Bemer­kung in der Sit­zungs­vor­la­ge der Lan­des­haupt­stadt, eine der­ar­ti­ge Ehrung erhiel­ten nur ver­dien­te Bür­ger, nicht jedoch sol­che, die den Anti­se­mi­tis­mus geför­dert und gestützt hät­ten, sei nur bei Gele­gen­heit der Ent­schei­dung gefal­len. Sie habe die Ent­schei­dung des Stadt­rats nicht beein­flusst.

Im Übri­gen ste­he den Gemein­den bei der Stra­ßen­be­nen­nung ein über­aus brei­tes Ermes­sen zu. Selbst ein Stra­ßen­an­lie­ger, der der Klä­ger nicht sei, kön­ne allen­falls bean­spru­chen, dass eine Umbe­nen­nung nicht will­kür­lich erfol­ge. Aus der Stel­lung­nah­me von Ober­bür­ger­meis­ter Ude im Stadt­rat anläss­lich der Umbe­nen­nung las­se sich letzt­end­lich ent­neh­men, dass sich die Stadt der kon­tro­ver­sen Dis­kus­si­on um die Per­son des Lan­des­bi­schofs nicht habe wei­ter aus­set­zen wol­len. Dies sei nicht will­kür­lich. Zudem sei es dem Klä­ger grund­sätz­lich mög­lich, gegen Stadt­rä­te oder Beam­te, die im Zusam­men­hang mit der Umbe­nen­nung ehr­ver­let­zen­de Äuße­run­gen abge­ge­ben hät­ten, Unter­las­sungs­kla­gen zu erhe­ben.

Baye­ri­scher Ver­wal­tungs­ge­richts­hof, Urteil vom 2. März 2009 – 8 BV 08.3320