Streit im Unter­su­chungs­aus­schuss – und die Fra­ge des rich­ti­gen Rechts­we­ges

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat die bei ihm erho­be­ne Organ­kla­ge der Frak­tio­nen DIE LINKE sowie BÜNDNIS 90/​DIE GRÜNEN, von 127 Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten und zwei Aus­schuss­mit­glie­dern gegen die Bun­des­re­gie­rung und den 1. Unter­su­chungs­aus­schuss der 18. Wahl­pe­ri­ode des Deut­schen Bun­des­ta­ges, den NSA-Unter­su­chungs­aus­schuss, als unzu­läs­sig ver­wor­fen. Nach Ansicht des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ist für der­ar­ti­ge Strei­tig­kei­ten nicht die Organ­kla­ge zum Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt eröff­net, son­dern viel­mehr der Rechts­weg zum Bun­des­ge­richts­hof.

Streit im Unter­su­chungs­aus­schuss – und die Fra­ge des rich­ti­gen Rechts­we­ges

Die bean­stan­de­te Ein­schät­zung der Bun­des­re­gie­rung zu recht­li­chen Fra­gen im Zusam­men­hang mit der Zeu­gen­ver­neh­mung von Edward Snow­den in Ber­lin ist ledig­lich vor­läu­fig; sie stellt daher nach Ansicht des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts kei­ne rechts­er­heb­li­che Maß­nah­me dar, die zuläs­si­ger Gegen­stand eines Organ­streit­ver­fah­rens sein könn­te. Gegen die Ableh­nung des Unter­su­chungs­aus­schus­ses, die Ver­neh­mung in Ber­lin durch­zu­füh­ren, ist der Rechts­weg zum Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nicht eröff­net. Der Antrag betrifft kein in Art. 44 Abs. 1 GG wur­zeln­des Recht der Aus­schuss­min­der­heit gegen­über dem Unter­su­chungs­aus­schuss, son­dern die ver­fah­rens­recht­li­che Über­prü­fung der Aus­schuss­ar­beit im Ein­zel­nen, die dem Bun­des­ge­richts­hof zuge­wie­sen ist.

Die Organ­kla­ge[↑]

Der Organ­streit betrifft die Fra­ge der Beweis­erhe­bung des 1. Unter­su­chungs­aus­schus­ses der 18. Wahl­pe­ri­ode des Deut­schen Bun­des­ta­ges (NSA-Unter­su­chungs­aus­schuss) durch Zeu­gen­ver­neh­mung von Edward Snow­den, einem US-ame­ri­ka­ni­schen Staats­an­ge­hö­ri­gen und frü­he­ren Mit­ar­bei­ter des Geheim­diens­tes Natio­nal Secu­ri­ty Agen­cy. Antrag­stel­ler sind die Frak­tio­nen DIE LINKE sowie BÜNDNIS 90/​DIE GRÜNEN im 18. Deut­schen Bun­des­tag, 127 Mit­glie­der des 18. Deut­schen Bun­des­ta­ges und zwei Mit­glie­der des NSA-Unter­su­chungs­aus­schus­ses, die Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten Kon­stan­tin von Notz und Mar­ti­na Ren­ner. Sie wen­den sich gegen die nach ihrer Ansicht unzu­läs­si­ge Wei­ge­rung der Bun­des­re­gie­rung, die Vor­aus­set­zun­gen für eine Zeu­gen­ver­neh­mung Edward Snow­dens durch den 1. Unter­su­chungs­aus­schuss des 18. Deut­schen Bun­des­ta­ges in Ber­lin zu schaf­fen, sowie gegen die Ableh­nung von Anträ­gen der bei­den Mit­glie­der des NSA-Unter­su­chungs­aus­schus­ses auf Ver­neh­mung Edward Snow­dens in Ber­lin durch den Unter­su­chungs­aus­schuss.

Die Antrag­stel­ler begeh­ren die Fest­stel­lung, sie sei­en durch die Wei­ge­rung der Bun­des­re­gie­rung, die tat­säch­li­chen und recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für eine Zeu­gen­ver­neh­mung Edward Snow­dens in Ber­lin zu schaf­fen, sowie auf­grund der Ableh­nung der Beweis­an­trä­ge gerich­tet auf des­sen Zeu­gen­ver­neh­mung in Ber­lin durch den NSA-Unter­su­chungs­aus­schuss in ihrem Recht aus Art. 44 Abs. 1 GG ver­letzt wor­den.

Der Aus­gangs­sach­ver­halt[↑]

Am 14.06.2013 wur­de beim United Sta­tes District Court for the Eas­tern District of Vir­gi­nia Ankla­ge gegen Edward Snow­den erho­ben. Ihm wur­den wegen der Ver­brei­tung von Infor­ma­tio­nen über die Inter­net- und Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­über­wa­chung durch ame­ri­ka­ni­sche und bri­ti­sche Geheim­diens­te Theft of Government Pro­per­ty (Dieb­stahl von Regie­rungs­ei­gen­tum), Unaut­ho­ri­zed Com­mu­ni­ca­ti­on of Natio­nal Defen­se Infor­ma­ti­on (unau­to­ri­sier­te Ver­öf­fent­li­chung von Infor­ma­tio­nen über die Lan­des­ver­tei­di­gung) und Will­full Com­mu­ni­ca­ti­on of Clas­si­fied Com­mu­ni­ca­ti­ons Intel­li­gence Infor­ma­ti­on to an Unaut­ho­ri­zed Per­son (vor­sätz­li­che Wei­ter­ga­be von als geheim ein­ge­stuf­ter Geheim­dienst­kom­mu­ni­ka­ti­on an nicht auto­ri­sier­te Per­so­nen) vor­ge­wor­fen. Am glei­chen Tag wur­de gegen ihn ein Haft­be­fehl erlas­sen. Seit Juni 2013 hält Snow­den sich in Mos­kau auf.

Am 20.03.2014 setz­te der 18. Deut­sche Bun­des­tag einen Unter­su­chungs­aus­schuss ein 1. Der Unter­su­chungs­aus­schuss soll im Wesent­li­chen auf­klä­ren, ob, in wel­cher Wei­se und in wel­chem Umfang durch Nach­rich­ten­diens­te der Staa­ten der soge­nann­ten "Five Eyes" (der Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka, des Ver­ei­nig­ten König­reichs, Kana­das, Aus­tra­li­ens und Neu­see­lands) eine Erfas­sung von Daten über Kom­mu­ni­ka­ti­ons­vor­gän­ge, deren Inhal­te sowie sons­ti­ge Daten­ver­ar­bei­tungs­vor­gän­ge von, nach und in Deutsch­land auf Vor­rat oder eine Nut­zung sol­cher durch öffent­li­che Unter­neh­men der genann­ten Staa­ten oder pri­va­te Drit­te erfass­ter Daten erfolg­te bezie­hungs­wei­se erfolgt und inwie­weit Stel­len des Bun­des von der­ar­ti­gen Prak­ti­ken Kennt­nis hat­ten, dar­an betei­ligt waren, die­sen ent­ge­gen­wirk­ten oder gege­be­nen­falls dar­aus Nut­zen zogen.

In sei­ner 2. Sit­zung am 10.04.2014 2 beschloss der NSA-Unter­su­chungs­aus­schuss mit den Stim­men der Aus­schuss­mehr­heit der Ver­tre­ter der Frak­tio­nen von CDU/​CSU und SPD gegen die Stim­men der Aus­schuss­min­der­heit der Ver­tre­ter der Frak­tio­nen DIE LINKE und von BÜNDNIS 90/​DIE GRÜNEN, die Ent­schei­dung über den Antrag der sei­ner Mit­glie­der Kon­stan­tin von Notz und Mar­ti­na Ren­ner vom 02.04.2014 3 zur Beweis­erhe­bung durch Ver­neh­mung Edward Snow­dens als Zeu­ge zu ver­ta­gen.

Auf­grund eines Beschlus­ses der Aus­schuss­mehr­heit in der Sit­zung vom 10.04.2014 4 nahm die Bun­des­re­gie­rung zu den mit einer mög­li­chen Ver­neh­mung Edward Snow­dens vor dem Unter­su­chungs­aus­schuss ver­bun­de­nen ver­fas­sungs­recht­li­chen, völ­ker­recht­li­chen, auf­ent­halts­recht­li­chen und straf­pro­zes­sua­len Fra­gen mit einem Schrei­ben vom 02.05.2014 Stel­lung 5. In einer Vor­be­mer­kung wies sie auf Fol­gen­des hin:

Sofern Erkennt­nis­se zum tat­säch­li­chen Sach­ver­halt nicht gesi­chert oder über­haupt nicht vor­la­gen, konn­ten Prü­fung und Stel­lung­nah­me nur in all­ge­mei­ner Form erfol­gen. Ent­schei­dun­gen unab­hän­gi­ger Gerich­te oder von Behör­den kön­nen hier­durch nicht prä­ju­di­ziert oder vor­weg­ge­nom­men wer­den. Die nach­fol­gen­de Stel­lung­nah­me der Bun­des­re­gie­rung kann inso­fern auch kei­ne bin­den­de Wir­kung ent­fal­ten.

Ver­tie­fend führ­te sie aus, dass es für die Wahl der auf­ent­halts­recht­li­chen Instru­men­te zur Ermög­li­chung von Ein­rei­se und Auf­ent­halt Edward Snow­dens dar­auf ankom­me, ob die­ser im Besitz eines gül­ti­gen Pas­ses sei. Dies sei nach ihrer Kennt­nis nicht der Fall. Nicht sicher sei, ob die Rus­si­sche Föde­ra­ti­on Edward Snow­den ohne Rei­se­do­ku­men­te aus­rei­sen las­se. Im Hin­blick auf ihre Unter­stüt­zungs­pflicht gegen­über dem NSA-Unter­su­chungs­aus­schuss sei im Rah­men der gebo­te­nen Abwä­gung des Wei­te­ren zu berück­sich­ti­gen, ob Edward Snow­den als Zeu­ge im Aus­land ver­nom­men wer­den kön­ne und des­halb ihre Wei­ge­rung, ihn nach Deutsch­land ein­rei­sen zu las­sen, vor­aus­sicht­lich nicht zur Fol­ge hät­te, dass das Beweis­mit­tel nicht zur Ver­fü­gung stün­de. Eine Ver­neh­mung Edward Snow­dens in der Rus­si­schen Föde­ra­ti­on unmit­tel­bar durch den Unter­su­chungs­aus­schuss oder durch rus­si­sche Behör­den, per Video­kon­fe­renz unter Lei­tung des Unter­su­chungs­aus­schus­ses oder rus­si­scher Behör­den oder in der deut­schen Bot­schaft set­ze die Zustim­mung rus­si­scher Stel­len vor­aus.

Wei­ter ver­trat die Bun­des­er­gie­rung die Auf­fas­sung, dass im Fall einer Ver­neh­mung in Deutsch­land mit erheb­li­chen nega­ti­ven Aus­wir­kun­gen auf die deutsch-ame­ri­ka­ni­schen Bezie­hun­gen und einer Beein­träch­ti­gung der Koope­ra­ti­on mit US-Sicher­heits­be­hör­den zu rech­nen sei, die für die Sicher­heit Deutsch­lands von grund­le­gen­der Bedeu­tung sei. Die recht­li­che Prü­fung habe erge­ben, dass Edward Snow­den – vor­be­halt­lich der Zustim­mung der Behör­den des Auf­ent­halts­staa­tes – auch im Aus­land ver­nom­men wer­den kön­ne. Vor die­sem Hin­ter­grund dürf­ten die außen- und sicher­heits­po­li­ti­schen Inter­es­sen Deutsch­lands gegen­über dem mög­li­chen Inter­es­se des Unter­su­chungs­aus­schus­ses an einer Ver­neh­mung Edward Snow­dens in Deutsch­land über­wie­gen. Es sei mög­lich, dass Edward Snow­den im Fall einer Ein­rei­se nach Deutsch­land an die Ver­ei­nig­ten Staa­ten aus­zu­lie­fern wäre. Auch ein etwai­ges frei­es bezie­hungs­wei­se siche­res Geleit wäre in die­sem Fall nicht geeig­net, eine Aus­lie­fe­rung umfas­send zu ver­hin­dern.

In einem wei­te­ren Bericht vom 02.06.2014 nahm die Bun­des­re­gie­rung zu fünf Fra­gen des NSA-Unter­su­chungs­aus­schus­ses Stel­lung 6 und führ­te ergän­zend aus, dass sie wei­ter­hin eine Zeu­gen­ver­neh­mung im Aus­land für mög­lich hal­te, dass zur Prü­fung der Bewil­li­gung einer Aus­lie­fe­rung an die Ver­ei­nig­ten Staa­ten noch wei­te­re Fra­gen an das Depart­ment of Jus­ti­ce gerich­tet wor­den sei­en und dass das Bestehen eines Aus­lie­fe­rungs­hin­der­nis­ses auf der Grund­la­ge des bis­lang mit­ge­teil­ten Sach­ver­hal­tes nicht abschlie­ßend beur­teilt wer­den kön­ne.

Am 8.05.2014 beschloss der NSA-Unter­su­chungs­aus­schuss auf­grund des Beweis­an­trags der ihm ange­hö­ren­den Abge­od­ne­ten v. Notz und Ren­ner vom 02.04.2014 7 ein­stim­mig, zu dem Unter­su­chungs­auf­trag 8Beweis zu erhe­ben durch Ver­neh­mung von Edward Snow­den als Zeu­ge (Beweis­be­schluss Z‑1). Den wei­ter­ge­hen­den Antrag der bei­den Antrag­stel­ler, Edward Snow­den ein­zu­la­den, dem NSA-Unter­su­chungs­aus­schuss über sei­ne Kennt­nis­se Aus­kunft zu ertei­len, lehn­te der Unter­su­chungs­aus­schuss mit den Stim­men der Aus­schuss­mehr­heit der Ver­tre­ter der Frak­tio­nen von CDU/​CSU und SPD ab 9. Wei­ter beschloss der NSA-Unter­su­chungs­aus­schuss in die­ser Sit­zung mit den Stim­men der Ver­tre­ter der Frak­tio­nen von CDU/​CSU und SPD, Edward Snow­den zu ersu­chen, mög­lichst bis zum 20.05.2014 schrift­lich mit­zu­tei­len, ob und in wel­cher Art und Wei­se er für eine Befra­gung durch den Aus­schuss zur Ver­fü­gung ste­hen kön­ne 10. Mit Schrei­ben vom 19.05.2014 an den Unter­su­chungs­aus­schuss teil­te der Rechts­an­walt Edward Snow­dens mit, dass er sei­nem Man­dan­ten davon abra­te, sich unter den der­zei­ti­gen auf­ent­halts­recht­li­chen Bedin­gun­gen in einer Wei­se "von Mos­kau aus zu äußern", die sei­ne Situa­ti­on ver­schlech­te­re und sei­nen Auf­ent­halts­sta­tus mög­li­cher­wei­se gefähr­de.

Am 5.06.2014 bean­trag­ten die bei­den dem Unter­su­chungs­aus­schuss ange­hö­ren­den Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten v. Notz und Ren­ner 11:

Der 1. Unter­su­chungs­aus­schuss möge beschlie­ßen:

  1. Herr Rechts­an­walt K. wird gebe­ten,
    1. mög­lichst bis 15.06.2014 mit­zu­tei­len, ob sein Man­dant ent­spre­chend dem anwalt­li­chen Rat nur in Deutsch­land zu einer Zeu­gen­ver­neh­mung zur Ver­fü­gung steht,
    2. für die­sen Fall (Ver­neh­mung nur in Deutsch­land) sei­nem Man­dan­ten eine Ladung für eine Zeu­gen­ver­neh­mung am 4.07.2014 in Ber­lin zu über­mit­teln.
  2. Falls Herr Snow­den nur in Deutsch­land für eine Zeu­gen­ver­neh­mung zur Ver­fü­gung steht, wird die Bun­des­re­gie­rung nach Über­mitt­lung der ent­spre­chen­den Äuße­rung ersucht, bin­nen 14 Tagen nach deren Ein­gang nun­mehr in Anse­hung die­ser Äuße­rung sogleich alle not­wen­di­gen Schrit­te zu unter­neh­men, um eine Ver­neh­mung des Zeu­gen vor dem 1. Unter­su­chungs­aus­schuss zu ermög­li­chen (ins­be­son­de­re pass- und aus­län­der­recht­li­che Ermög­li­chung von Ein­rei­se und Auf­ent­halt, Zusa­ge eines wirk­sa­men Aus­lie­fe­rungs­schut­zes sowie alle not­wen­di­gen Vor­keh­run­gen für einen wirk­sa­men Zeu­gen­schutz).

Die­ser Antrag wur­de in der Sit­zung vom 05.06.2014 mit den Stim­men der Ver­tre­ter der Frak­tio­nen von CDU/​CSU und SPD durch den NSA-Unter­su­chungs­aus­schuss abge­lehnt 12. In der­sel­ben Sit­zung beschloss der Aus­schuss mit den Stim­men der Aus­schuss­mehr­heit gegen die Stim­men der Ver­tre­ter der Frak­tio­nen DIE LINKE und von BÜNDNIS 90/​DIE GRÜNEN, Edward Snow­den zu ersu­chen mit­zu­tei­len, ob er mög­lichst bis zum 2.07.2014 für ein (infor­mel­les) Gespräch mit dem Vor­sit­zen­den und den Obleu­ten des Unter­su­chungs­aus­schus­ses an sei­nem momen­ta­nen Auf­ent­halts­ort zur Ver­fü­gung ste­he 12. Der Rechts­an­walt Edward Snow­dens teil­te in sei­nem Ant­wort­schrei­ben vom 19.06.2014 mit, dass eine Zeu­gen­ver­neh­mung Snow­dens in Mos­kau nicht in Betracht kom­me und für ein infor­mel­les Gespräch in Mos­kau der­zeit kein Bedarf bestehe 13.

Am 25.06.2014 stell­ten die bei­den Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten v. Notz und Ren­ner fol­gen­den Antrag 14:

  1. Der Aus­schuss möge beschlie­ßen:
    1. Der Zeu­ge Snow­den (Beweis­be­schluss Z‑1) wird für die ers­te Sit­zung des Aus­schus­ses zur Beweis­auf­nah­me nach der Som­mer­pau­se am 11.09.2014 in Ber­lin zur Ver­neh­mung gela­den.
    2. Die Bun­des­re­gie­rung wird ersucht, in Erfül­lung ihrer grund­ge­setz­li­chen Ver­pflich­tun­gen unver­züg­lich die Vor­aus­set­zun­gen für eine Ver­neh­mung des Zeu­gen Snow­den in Deutsch­land zu die­sem Ter­min zu schaf­fen (ins­be­son­de­re pass- und aus­län­der­recht­li­che Ermög­li­chung von Ein­rei­se und Auf­ent­halt sowie Zusa­ge eines wirk­sa­men Aus­lie­fe­rungs­schut­zes) und dies dem Aus­schuss ver­bind­lich mit­zu­tei­len sowie – im Fal­le einer par­ti­el­len oder voll­stän­di­gen Ableh­nung bzw. Nicht­er­fül­lung die­ses Ersu­chens – bis spä­tes­tens 29.08.2014 die für die Ableh­nung bzw. Nicht­ver­an­las­sung der betref­fen­den Maßnahme(n) jeweils maß­geb­li­chen Grün­de schrift­lich dar­zu­le­gen und dem Aus­schuss mit­zu­tei­len.
  2. Für den Fall einer ableh­nen­den Beschluss­fas­sung des Aus­schus­ses über den Antrag zu 1.a. erhe­ben das Mit­glied der Frak­ti­on DIE LINKE und das Mit­glied der Frak­ti­on Bünd­nis 90/​DIE GRÜNEN als Vier­tel der Mit­glie­der des Aus­schus­ses dage­gen gemäß § 17 Abs. 3 Satz 2 PUAG Wider­spruch und bean­tra­gen:

    Der Aus­schuss möge beschlie­ßen:

    1. Der Zeu­ge Snow­den (Beweis­be­schluss Z‑1) wird für die nächs­te Beweis­auf­nah­me­sit­zung gela­den, für die die Mit­glie­der der Frak­tio­nen DIE LINKE und Bünd­nis 90/​DIE GRÜNEN in ent­spre­chen­der Anwen­dung der Geschäfts­ord­nung des Bun­des­ta­ges gemäß § 17 Abs. 3 Satz 2 PUAG nach dem soge­nann­ten Reiß­ver­schluss­ver­fah­ren sei­ne Ver­neh­mung ver­lan­gen kön­nen.
    2. Die Bun­des­re­gie­rung wird ersucht, in Erfül­lung ihrer grund­ge­setz­li­chen Ver­pflich­tun­gen unver­züg­lich die Vor­aus­set­zun­gen für eine Ver­neh­mung des Zeu­gen Snow­den in Deutsch­land zu die­sem Ter­min zu schaf­fen (ins­be­son­de­re pass- und aus­län­der­recht­li­che Ermög­li­chung von Ein­rei­se und Auf­ent­halt sowie Zusa­ge eines wirk­sa­men Aus­lie­fe­rungs­schut­zes) und dies dem Aus­schuss ver­bind­lich mit­zu­tei­len sowie – im Fal­le einer par­ti­el­len oder voll­stän­di­gen Ableh­nung bzw. Nicht­er­fül­lung die­ses Ersu­chens – bis spä­tes­tens 29.08.2014 die für die Ableh­nung bzw. Nicht­ver­an­las­sung der betref­fen­den Maßnahme(n) jeweils maß­geb­li­chen Grün­de schrift­lich dar­zu­le­gen und dem Aus­schuss mit­zu­tei­len."
  3. Für den Fall einer ableh­nen­den Beschluss­fas­sung des Aus­schus­ses über den Antrag zu 1.b. oder den Antrag zu 2.b. bei Annah­me des Antra­ges zu 1. bzw.02. im Übri­gen bean­tra­gen das Mit­glied der Frak­ti­on DIE LINKE und das Mit­glied der Frak­ti­on Bünd­nis 90/​DIE GRÜNEN als Vier­tel der Mit­glie­der des Aus­schus­ses in Wahr­neh­mung ihres ver­fas­sungs­recht­li­chen Min­der­hei­ten­rechts auf Beweis­erhe­bung des Aus­schus­ses zu sei­nem Beweis­be­schluss Z‑1 (Ver­neh­mung von Edward Snow­den als Zeu­ge):

    Der Aus­schuss möge beschlie­ßen:

    Der Vor­sit­zen­de erar­bei­tet und über­mit­telt bis zur nächs­ten Bera­tungs­sit­zung des Aus­schus­ses einen schrift­li­chen Vor­schlag mit detail­lier­ten Aus­füh­run­gen dazu, wie ange­sichts der Ableh­nung des Antra­ges auf Ersu­chen der Bun­des­re­gie­rung eine Ver­neh­mung des Zeu­gen Snow­den vor dem Unter­su­chungs­aus­schuss in Ber­lin am vom Aus­schuss beschlos­se­nen Ter­min erfol­gen kann, ins­be­son­de­re, wie dem Zeu­gen Snow­den Ein­rei­se nach und Auf­ent­halt in Deutsch­land ermög­licht und ein wirk­sa­mer Schutz des Zeu­gen vor einer Aus­lie­fe­rung an das Aus­land gewähr­leis­tet wer­den soll.

Alle drei Anträ­ge wur­den durch Beschluss vom 26.06.2014 mit den Stim­men der Ver­tre­ter der Frak­tio­nen von CDU/​CSU und SPD abge­lehnt 15. An dem­sel­ben Tag fass­te der NSA-Unter­su­chungs­aus­schuss mit den Stim­men der Aus­schuss­mehr­heit gegen die Stim­men der Ver­tre­ter der Frak­tio­nen DIE LINKE und von BÜNDNIS 90/​DIE GRÜNEN den fol­gen­den Beschluss 16:

  1. Auf Antrag der Mit­glie­der der Frak­tio­nen DIE LINKE und Bünd­nis 90/​DIE GRÜNEN auf Aus­schuss­druck­sa­che 138 wird die Ver­neh­mung des Zeu­gen Edward Snow­den für den 11.09.2014, 13 Uhr MESZ, ter­mi­niert.
  2. Die­se Ver­neh­mung wird als audio­vi­su­el­le Zeu­gen­ver­neh­mung ent­spre­chend § 247a StPO durch Über­tra­gung von sei­nem zu die­sem Zeit­punkt aktu­el­len Auf­ent­halts­ort in die – öffent­li­che – Aus­schuss­sit­zung in Ber­lin durch­ge­führt.
  3. Der Zeu­ge wird im Wege der förm­li­chen Ladung ersucht, für die­se Ver­neh­mung am 11.09.2014, 13 Uhr MESZ, zur Ver­fü­gung zu ste­hen.
  4. Dem Zeu­gen wird in Aus­sicht gestellt, dass er auf sei­nen Wunsch hin an die­sem Ter­min alter­na­tiv auch nicht förm­lich als sons­ti­ge Aus­kunfts­per­son gehört wer­den könn­te.
  5. Die Bun­des­re­gie­rung wird ersucht, die äuße­ren Vor­aus­set­zun­gen für die Durch­füh­rung die­ser Ver­neh­mung ent­spre­chend § 247a StPO zu die­sem Ter­min zu schaf­fen.
  6. Eine mit einem Auf­ent­halt von Herrn Snow­den in Deutsch­land ver­bun­de­ne Ver­neh­mung wird zum oben genann­ten Zeit­punkt unter Berück­sich­ti­gung der Stel­lung­nah­men der Bun­des­re­gie­rung 17, der Sicher­heits­in­ter­es­sen des Zeu­gen und der für den Zeu­gen abge­ge­be­nen anwalt­li­chen Stel­lung­nah­men abge­lehnt.

Mit Schrei­ben vom 08.07.2014 teil­te der Rechts­an­walt Edward Snow­dens mit, dass sein Man­dant trotz grund­sätz­li­cher Aus­sa­ge­be­reit­schaft für die avi­sier­te Video­ver­neh­mung in Mos­kau nicht zur Ver­fü­gung ste­he.

Gegen die Ableh­nung ihrer Anträ­ge vom 25.06.2014 erho­ben die Abge­ord­ne­ten v. Notz und Ren­ner als Vier­tel der Mit­glie­der des Aus­schus­ses unter Beru­fung auf § 17 Abs. 3 Satz 2 des Geset­zes zur Rege­lung des Rechts der Unter­su­chungs­aus­schüs­se des Deut­schen Bun­des­ta­ges (Unter­su­chungs­aus­schuss­ge­setz – PUAG) 18 Wider­spruch und bean­trag­ten am 21.07.2014 19:

Der Aus­schuss möge beschlie­ßen:

  1. Der Zeu­ge Snow­den (Beweis­be­schluss Z‑1) wird für die nächs­te Beweis­auf­nah­me­sit­zung, für die die Mit­glie­der der Frak­tio­nen DIE LINKE und Bünd­nis 90/​DIE GRÜNEN in ent­spre­chen­der Anwen­dung der Geschäfts­ord­nung des Bun­des­ta­ges gemäß § 17 Abs. 3 Satz 2 PUAG nach dem soge­nann­ten Reiß­ver­schluss­ver­fah­ren sei­ne Ver­neh­mung ver­lan­gen kön­nen, zu sei­ner zeu­gen­schaft­li­chen Ver­neh­mung am Sitz des Deut­schen Bun­des­ta­ges in Ber­lin gela­den.
  2. Die Bun­des­re­gie­rung wird ersucht, in Erfül­lung ihrer grund­ge­setz­li­chen Ver­pflich­tun­gen unver­züg­lich die Vor­aus­set­zun­gen für eine zeu­gen­schaft­li­che Ver­neh­mung des Zeu­gen Snow­den in Deutsch­land zu die­sem Ter­min zu schaf­fen (ins­be­son­de­re pass- und aus­län­der­recht­li­che Ermög­li­chung von Ein­rei­se und Auf­ent­halt sowie Zusa­ge eines wirk­sa­men Aus­lie­fe­rungs­schut­zes) und dies dem Aus­schuss ver­bind­lich mit­zu­tei­len sowie – im Fal­le einer par­ti­el­len oder voll­stän­di­gen Ableh­nung bzw. Nicht­er­fül­lung die­ses Ersu­chens – bis spä­tes­tens 19.09.2014 die für die Ableh­nung bzw. Nicht­ver­an­las­sung der betref­fen­den Maßnahme(n) jeweils maß­geb­li­chen Grün­de schrift­lich dar­zu­le­gen und dem Aus­schuss mit­zu­tei­len."

Die­sen Antrag lehn­te der NSA-Unter­su­chungs­aus­schuss mit den Stim­men der Aus­schuss­mehr­heit in der Sit­zung vom 11.09.2014 ab.

Unzu­läs­sig­keit der Organ­kla­ge hin­sicht­lich der Wei­ge­rung der Bun­des­re­gie­rung[↑]

Mit ihrem Antrag fest­zu­stel­len, dass die Bun­des­re­gie­rung mit ihrer in den Schrei­ben vom 02.05.2014 5; und vom 02.06.2014 – BT-ADrs. 131 – anti­zi­pier­ten und seit­her auf­recht erhal­te­nen Wei­ge­rung, die in ihrer Kom­pe­tenz lie­gen­den recht­li­chen und tat­säch­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für die Ver­neh­mung des Zeu­gen Edward Snow­den durch den Ers­ten Unter­su­chungs­aus­schuss des 18. Deut­schen Bun­des­ta­ges in Ber­lin zu schaf­fen, ihre Pflicht zur Unter­stüt­zung des Unter­su­chungs­aus­schus­ses gemäß Art. 44 GG ver­letzt hat, wen­den sich die Antrag­stel­ler nach Ansicht des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts nicht gegen einen taug­li­chen Angriffs­ge­gen­stand. Dabei kann für das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt dahin­ste­hen, ob sie sich nur gegen ein schlich­tes Unter­las­sen der Bun­des­re­gie­rung wen­den, das in der Wei­ge­rung der Unter­stüt­zung der Aus­schuss­ar­beit lie­gen soll, oder ob sie kumu­la­tiv die Fest­stel­lung begeh­ren, dass sie durch die bei­den Schrei­ben vom 02.05.2014 und 2.06.2014 in ihren Rech­ten ver­letzt sei­en. In jedem Fall ist das gerüg­te Ver­hal­ten der Bun­des­re­gie­rung kein zuläs­si­ger Gegen­stand im Organ­streit­ver­fah­ren.

Nach § 64 Abs. 1 BVerfGG ist ein Antrag im Organ­streit­ver­fah­ren zuläs­sig, wenn der Antrag­stel­ler gel­tend machen kann, dass er durch eine Maß­nah­me oder eine Unter­las­sung des Antrags­geg­ners in sei­nen ihm durch die Ver­fas­sung über­tra­ge­nen Rech­ten und Pflich­ten ver­letzt oder unmit­tel­bar gefähr­det ist. Die zur Nach­prü­fung gestell­te Maß­nah­me muss rechts­er­heb­lich sein oder sich zumin­dest zu einem die Rechts­stel­lung des Antrag­stel­lers beein­träch­ti­gen­den, rechts­er­heb­li­chen Ver­hal­ten ver­dich­ten kön­nen 20. Als rechts­er­heb­li­che Maß­nah­me kommt jedes Ver­hal­ten des Antrags­geg­ners in Betracht, das geeig­net ist, die Rechts­stel­lung des Antrag­stel­lers zu beein­träch­ti­gen 21. Erfor­der­lich ist, dass der Antrag­stel­ler durch die ange­grif­fe­ne Maß­nah­me in sei­nem Rechts­kreis kon­kret betrof­fen wird 22. Hand­lun­gen, die nur vor­be­rei­ten­den oder bloß voll­zie­hen­den Cha­rak­ter haben, schei­den als Angriffs­ge­gen­stand im Organ­streit aus 23.

Nach die­sen Maß­stä­ben bezieht sich die­ser Antrag nicht auf taug­li­che Angriffs­ge­gen­stän­de.

Die bei­den Schrei­ben vom 02.05.2014; und vom 02.06.2014 stel­len kei­ne rechts­er­heb­li­chen Maß­nah­men im Sin­ne des § 64 Abs. 1 BVerfGG dar.

Die Ein­schät­zun­gen der Bun­des­re­gie­rung in dem Schrei­ben vom 02.05.2014 sind nur vor­läu­fi­ger Natur. Im Hin­blick dar­auf, dass in dem Zeit­punkt, in dem die Bun­des­re­gie­rung zu dem Beschluss des Aus­schus­ses vom 10.04.2014 Stel­lung nahm, wesent­li­che Erkennt­nis­se zum rele­van­ten Sach­ver­halt noch nicht vor­la­gen oder jeden­falls nicht gesi­chert waren, ist das Schrei­ben vom 02.05.2014 erkenn­bar ledig­lich als ers­te, nur in all­ge­mei­ner Form abge­fass­te Äuße­rung ohne Fest­le­gung auf eine bestimm­te Bewer­tung des bis­her bekann­ten Sach­ver­halts gemeint. Dies betrifft etwa die Fra­gen, ob Edward Snow­den im Besitz eines gül­ti­gen Pas­ses ist und ob sei­tens der Behör­den der Rus­si­schen Föde­ra­ti­on eine Aus­rei­se bewil­ligt oder eine Zustim­mung der rus­si­schen Behör­den zur Zeu­gen­ver­neh­mung vor Ort erteilt wür­de. Die Vor­läu­fig­keit der Ein­schät­zung ergibt sich auch dar­aus, dass der Bun­des­re­gie­rung zu die­sem Zeit­punkt ein kon­kre­tes Amts­hil­fe­er­su­chen des NSA-Unter­su­chungs­aus­schus­ses zur Beur­tei­lung noch nicht vor­lag. Stan­den die tat­säch­li­chen Umstän­de eines sol­chen Ersu­chens aber (noch) nicht fest, konn­te eine abschlie­ßen­de Bewer­tung der Bun­des­re­gie­rung zur Reich­wei­te einer sie mög­li­cher­wei­se tref­fen­den ver­fas­sungs­recht­li­chen Unter­stüt­zungs­pflicht gegen­über dem NSA-Unter­su­chungs­aus­schuss noch nicht vor­ge­nom­men wer­den.

Im Übri­gen han­delt es sich bei die­sem Schrei­ben um eine ledig­lich unver­bind­li­che Stel­lung­nah­me, die Ent­schei­dun­gen zustän­di­ger Behör­den oder unab­hän­gi­ger Gerich­te über die Ertei­lung eines Auf­ent­halts­ti­tels oder über die Bewil­li­gung einer Aus­lie­fe­rung nicht prä­ju­di­zie­ren oder vor­weg­neh­men soll­te oder konn­te. Bis zu einer end­gül­ti­gen Ent­schei­dung über die Behand­lung eines Amts­hil­fe­er­su­chens, die Rech­te der Antrag­stel­ler oder des NSA-Unter­su­chungs­aus­schus­ses berüh­ren könn­te, ent­fal­tet das Vor­ge­hen der Bun­des­re­gie­rung kei­ne recht­lich rele­van­te Außen­wir­kung. Die Beant­wor­tung der Anfra­ge durch die Bun­des­re­gie­rung erschöpft sich viel­mehr dar­in, den NSA-Unter­su­chungs­aus­schuss über Abwä­gungs­ge­sichts­punk­te im Umgang mit einem mög­li­cher­wei­se künf­tig an sie zu rich­ten­den Amts­hil­fe­er­su­chen zu infor­mie­ren. Das Schrei­ben hat inso­fern nur gut­acht­li­chen Cha­rak­ter und kann durch den NSA-Unter­su­chungs­aus­schuss zur Vor­be­rei­tung sei­ner Wil­lens­bil­dung im Hin­blick auf eine Ent­schei­dung über die Ladung Edward Snow­dens zur Zeu­gen­ver­neh­mung in Deutsch­land her­an­ge­zo­gen wer­den. Aus dem rein infor­ma­to­ri­schen Cha­rak­ter die­ses Schrei­bens folgt auch, dass ver­fas­sungs­recht­lich garan­tier­te Rech­te der Antrag­stel­ler nicht berührt wer­den.

Glei­ches gilt für das Schrei­ben der Bun­des­re­gie­rung vom 02.06.2014, in dem sie durch den Hin­weis auf offe­ne Sach­ver­halts­fra­gen erneut die Vor­läu­fig­keit ihrer Ein­schät­zung her­aus­stellt.

Soweit sich die Antrag­stel­ler gene­rell gegen die Wei­ge­rung der Bun­des­re­gie­rung wen­den, die tat­säch­li­chen und recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für eine Zeu­gen­ver­neh­mung Snow­dens in Deutsch­land zu schaf­fen, ist der Antrag auf Fest­stel­lung der Ver­fas­sungs­wid­rig­keit des Unter­las­sens eben­falls man­gels eines zuläs­si­gen Angriffs­ge­gen­stan­des unzu­läs­sig. Dabei kann dahin­ste­hen, ob die Bun­des­re­gie­rung unter Umstän­den von Ver­fas­sungs wegen ver­pflich­tet sein kann, ent­spre­chen­de Maß­nah­men zu tref­fen. Solan­ge weder eine Ladung Edward Snow­dens zur Zeu­gen­ver­neh­mung nach Deutsch­land vor­liegt noch ein kon­kre­tes Amts­hil­fe­er­su­chen des NSA-Unter­su­chungs­aus­schus­ses abge­lehnt wur­de, ver­dich­ten sich Stel­lung­nah­men der Bun­des­re­gie­rung mit dem Ziel einer blo­ßen Unter­rich­tung noch nicht zu einem rechts­er­heb­li­chen Unter­las­sen.

Unzu­läs­sig­keit der Organ­kla­ge hin­sicht­lich der abge­lehn­ten Beweis­an­trä­ge[↑]

Hin­sicht­lich des Antrags fest­zu­stel­len, dass der NSA-Unter­su­chungs­aus­schuss mit der Ableh­nung der Beweis­an­trä­ge der bei­den ihm ange­hö­ri­gen Abge­ord­ne­ten v. Notz und Ren­ner zur Ver­neh­mung des Zeu­gen Edward Snow­den in Ber­lin vom 25.06.2014 – BT-ADrs. 138; vom 21.07.2014 – BT-ADrs. 180 – sowie der fort­ge­setz­ten Ver­hin­de­rung sei­ner Ladung nach Ber­lin sei­ne Pflicht gemäß Art. 44 GG ver­letzt, dem Unter­su­chungs­auf­trag nach­zu­kom­men, ist nach der Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts der Rechts­weg zum Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nicht eröff­net.

Der Antrag ist dahin­ge­hend aus­zu­le­gen, dass die Antrag­stel­ler die Fest­stel­lung begeh­ren, dass der NSA-Unter­su­chungs­aus­schuss sie mit der Ableh­nung von Ver­fah­rens­an­trä­gen vom 25.06.2014; und vom 21.07.2014 in ihren Rech­ten aus Art. 44 Abs. 1 GG ver­letzt hat. Zwar grei­fen die Antrag­stel­ler aus­weis­lich des Wort­lau­tes und der Begrün­dung des Antrags im Organ­streit­ver­fah­ren die Ableh­nung von Beweis­an­trä­gen an. Bei den streit­ge­gen­ständ­li­chen Anträ­gen vom 25.06.2014 und 21.07.2014 han­delt es sich aber nicht um Beweis­an­trä­ge. For­ma­le Vor­aus­set­zung eines Beweis­an­trags ist auch im Unter­su­chungs­aus­schuss­ver­fah­ren, dass das Beweis­mit­tel hin­rei­chend prä­zi­se benannt und das Beweis­the­ma hin­rei­chend bestimmt ist 24. Letz­te­res ist vor­lie­gend nicht der Fall. Dem­zu­fol­ge han­delt es sich bei den Anträ­gen vom 25.06.2014 und 21.07.2014 ledig­lich um (Verfahrens-)Anträge zur Aus­ge­stal­tung der wei­te­ren Arbeit des Unter­su­chungs­aus­schus­ses.

§ 36 Abs. 1 PUAG bestimmt bezüg­lich der gericht­li­chen Zustän­dig­keit, dass zustän­di­ges Gericht für Strei­tig­kei­ten nach dem Unter­su­chungs­aus­schuss­ge­setz der Bun­des­ge­richts­hof ist, soweit Art. 93 GG sowie § 13 BVerfGG und die Vor­schrif­ten des Unter­su­chungs­aus­schuss­ge­set­zes nichts Abwei­chen­des bestim­men.

Aus dem Vor­be­halt in § 36 Abs. 1 PUAG sowie aus der Vor­la­ge­pflicht an das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt bei Zwei­feln an der Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit des Ein­set­zungs­be­schlus­ses nach § 36 Abs. 2 PUAG ergibt sich, dass dem Bun­des­ge­richts­hof nach dem Unter­su­chungs­aus­schuss­ge­setz kei­ne ver­fas­sungs­recht­li­che Zustän­dig­keit zuge­wie­sen ist, son­dern allein die ver­fah­rens­recht­li­che Über­prü­fung der Aus­schuss­ar­beit im Ein­zel­nen, bei der die – dem Ablauf eines Straf­pro­zes­ses ver­gleich­ba­re – Ord­nung des Unter­su­chungs­ver­fah­rens im enge­ren Sin­ne in Rede steht, zum Bei­spiel bezüg­lich der Erhe­bung bestimm­ter Bewei­se, der Ver­le­sung von Schrift­stü­cken oder der Her­aus­ga­be­pflicht von Gegen­stän­den 25.

Das Organ­streit­ver­fah­ren gemäß Art. 93 Abs. 1 Nr. 1 GG, § 13 Nr. 5 BVerfGG zielt dem­ge­gen­über auf die Aus­le­gung des Grund­ge­set­zes aus Anlass von Strei­tig­kei­ten über die Rech­te und Pflich­ten von Ver­fas­sungs­or­ga­nen 26. Die als ver­letzt gel­tend gemach­te Rechts­po­si­ti­on muss in einem Ver­fas­sungs­rechts­ver­hält­nis grün­den 27. Ein Ver­fas­sungs­rechts­ver­hält­nis liegt vor, wenn auf bei­den Sei­ten des Streits Ver­fas­sungs­or­ga­ne oder Tei­le von Ver­fas­sungs­or­ga­nen ste­hen und um die­se ver­fas­sungs­recht­li­che Posi­tio­nen strei­ten 28.

Nach die­sen Maß­stä­ben ist eine Zustän­dig­keit des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts für die vor­lie­gen­de Strei­tig­keit nicht gege­ben.

Sie ergibt sich nicht auf­grund einer abwei­chen­den Rege­lung im Unter­su­chungs­aus­schuss­ge­setz (vgl. § 2 Abs. 3 Satz 2, § 18 Abs. 3 Hs. 1, § 23 Abs. 2 Hs. 2 i.V.m. § 18 Abs. 3 Hs. 1 PUAG).

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt kann auch nicht im Wege des Organ­streits ange­ru­fen wer­den, da Gegen­stand des Antrags nicht die Ver­ein­bar­keit einer Maß­nah­me mit dem Grund­ge­setz ist. Die Antrag­stel­ler haben gel­tend gemacht, ihnen ste­he ein Anspruch auf Bestim­mung des Zeit­punk­tes und des Ortes der Zeu­gen­ver­neh­mung zu. Damit machen sie kein in Art. 44 Abs. 1 GG wur­zeln­des Recht der Aus­schuss­min­der­heit gegen­über dem Unter­su­chungs­aus­schuss gel­tend. Nicht im Streit steht näm­lich das aus Art. 44 Abs. 1 GG abzu­lei­ten­de Bewei­s­er­zwin­gungs- und Beweis­durch­set­zungs­recht der qua­li­fi­zier­ten Min­der­heit im Aus­schuss 29. Die Bestim­mung des Ver­neh­mungs­or­tes und des Zeit­punk­tes der Ver­neh­mung betrifft viel­mehr die Moda­li­tä­ten des Voll­zugs eines bereits ergan­ge­nen Beweis­be­schlus­ses. Über der­ar­ti­ge Ver­fah­rens­ab­läu­fe ent­schei­det grund­sätz­lich die jewei­li­ge Aus­schuss­mehr­heit nach Maß­ga­be der §§ 17 ff. PUAG und der sinn­ge­mäß anwend­ba­ren Vor­schrif­ten der Straf­pro­zess­ord­nung (Art. 44 Abs. 2 Satz 1 GG). Ihre Ver­fah­rens­herr­schaft ist durch das Recht der qua­li­fi­zier­ten Min­der­heit auf ange­mes­se­ne Betei­li­gung begrenzt 30. Nach­dem dem Antrag der bei­den Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten v. Notz und Ren­ner auf Zeu­gen­ver­neh­mung Edward Snow­dens sei­tens des NSA-Unter­su­chungs­aus­schus­ses durch Erlass des Beweis­be­schlus­ses Z‑1 ent­spro­chen wur­de, ist auch die­ses Betei­li­gungs­recht der qua­li­fi­zier­ten Min­der­heit nicht streit­ge­gen­ständ­lich. Kern der Aus­ein­an­der­set­zung ist die Klä­rung der ein­fach­recht­li­chen Fra­ge, ob und wie zur Errei­chung des Auf­klä­rungs­zwecks eine unmit­tel­ba­re Ein­ver­nah­me vor dem Unter­su­chungs­aus­schuss vor­zu­neh­men ist. Allein der Umstand, dass der NSA-Unter­su­chungs­aus­schuss ein­fach­recht­li­che und völ­ker­recht­li­che Über­le­gun­gen der Bun­des­re­gie­rung in sei­ne Ent­schei­dun­gen ein­be­zieht, begrün­det ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Antrag­stel­ler kei­ne ver­fas­sungs­recht­li­che Strei­tig­keit.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 4. Dezem­ber 2014 – 2 BvE 3/​14

  1. BT-Drs. 18/​843; BT-Ple­nar­prot. 18/​23[]
  2. BT, BT-Ausschussprot.okoll [BT-Aus­schuss­prot.] 18/​2, S. 9[]
  3. BT, Aus­schuss-Drs. [BT-ADrs.] 41[]
  4. BT-Aus­schuss­prot. 18/​2, S. 9 f.[]
  5. BT-ADrs. 104[][]
  6. BT-ADrs. 131[]
  7. BT-ADrs. 41[]
  8. BT-Drs. 18/​843[]
  9. BT-Aus­schuss­prot. 18/​3, S. 7[]
  10. BT-Aus­schuss­prot. 18/​3, S. 9[]
  11. BT-ADrs. 134[]
  12. BT-Aus­schuss­prot. 18/​6, S. 7[][]
  13. BT-ADrs. 137[]
  14. BT-ADrs. 138[]
  15. BT-Aus­schuss­prot. 18/​8, S. 9[]
  16. BT-Aus­schuss­prot. 18/​8, a.a.O.[]
  17. BT-ADrs. 104 und 131[]
  18. vom 19.06.2001, BGBl I S. 1142, geän­dert durch Arti­kel 4 Absatz 1 des Geset­zes vom 05.05.2004, BGBl I S. 718[]
  19. BT-ADrs. 180[]
  20. vgl. BVerfGE 57, 1, 4 f.; 60, 374, 381; 97, 408, 414; 120, 82, 96[]
  21. vgl. BVerfGE 118, 277, 317 m.w.N.[]
  22. vgl. BVerfGE 1, 208, 228 f.; 13, 123, 125; 124, 161, 185[]
  23. vgl. BVerfGE 68, 1, 74 f.; 97, 408, 414; 120, 82, 96[]
  24. vgl. Bro­cker, in: Glau­ben/​Brocker, PUAG, 2011, § 17 Rn. 4[]
  25. vgl. BVerfGE 113, 113, 123; 124, 78, 104[]
  26. vgl. BVerfGE 104, 151, 193[]
  27. vgl. BVerfGE 118, 277, 318 f.; 131, 152, 191[]
  28. vgl. BVerfGE 118, 277, 318[]
  29. vgl. BVerfGE 105, 197, 223 ff.[]
  30. vgl. BVerfG, a.a.O., S. 226[]