"Stutt­gart 21" – und das Bür­ger­be­geh­ren zum Aus­stieg

Die Mit­fi­nan­zie­rung des Pro­jekts „Stutt­gart 21“ durch die Lan­des­haupt­stadt Stutt­gart ver­stößt nicht gegen Ver­fas­sungs­recht. Das Bür­ger­be­geh­ren, mit dem ein Bür­ger­ent­scheid über den Aus­stieg der Lan­des­haupt­stadt aus ihren ver­trag­li­chen Finan­zie­rungs­ver­pflich­tun­gen erreicht wer­den soll­te, ist daher nach einem Urteil des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts unzu­läs­sig.

<span class="Stutt­gart 21" – und das Bür­ger­be­geh­ren zum Aus­stieg" title=""Stuttgart 21" - und das Bürgerbegehren zum Ausstieg" loading="lazy" data-src="https://www.rechtslupe.de/wp-content/uploads/2019/01/stamp-867744_1920.jpg" data-srcset="https://www.rechtslupe.de/wp-content/uploads/2019/01/stamp-867744_1920.jpg 1920w, https://www.rechtslupe.de/wp-content/uploads/2019/01/stamp-867744_1920-300x200.jpg 300w, https://www.rechtslupe.de/wp-content/uploads/2019/01/stamp-867744_1920-768x512.jpg 768w, https://www.rechtslupe.de/wp-content/uploads/2019/01/stamp-867744_1920-1024x682.jpg 1024w" data-sizes="(max-width: 880px) 100vw, 880px">

Die Lan­des­haupt­stadt Stutt­gart ist über meh­re­re zwi­schen 1995 und 2009 geschlos­se­ne Ver­trä­ge der Pro­jekt­part­ner an der Zusam­men­ar­beit und Finan­zie­rung von „Stutt­gart 21“ betei­ligt. 2011 bean­trag­ten die Klä­ger als Ver­trau­ens­leu­te eines von mehr als 35 000 Stutt­gar­tern unter­zeich­ne­ten Bür­ger­be­geh­rens die Durch­füh­rung eines Bür­ger­ent­scheids „Aus­stieg der Stadt aus dem Pro­jekt Stutt­gart 21“. Dadurch soll­te erreicht wer­den, dass die Stadt sich gegen­über ihren Pro­jekt­part­nern auf die Ver­fas­sungs­wid­rig­keit der Mit­fi­nan­zie­rung beruft und wei­te­re Zah­lun­gen zum Pro­jekt unter­lässt. Der Gemein­de­rat der Lan­des­haupt­stadt lehn­te die Zulas­sung des Bür­ger­be­geh­rens ab, weil es auf ein rechts­wid­ri­ges Ziel gerich­tet sei. Die Ver­trä­ge sähen kein ein­sei­ti­ges Recht auf Kün­di­gung oder sons­ti­ge Been­di­gung der Finan­zie­rungs­pflich­ten vor. Sie sei­en auch nicht wegen Ver­sto­ßes gegen das Ver­bot der Misch­fi­nan­zie­rung aus Art. 104a Abs.1 GG nich­tig.

Die Kla­ge der Ver­trau­ens­leu­te des Bür­ger­be­geh­rens hier­ge­gen wur­de in den Vor­in­stanz vom Ver­wal­tungs­ge­richt Stutt­gart 1 und vom Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg in Mann 2 abge­wie­sen. Und auch ihre Revi­sio­nen blie­ben nun vor dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ohne Erfolg:

Die Mit­fi­nan­zie­rung des von drei Toch­ter­un­ter­neh­men der DB AG getra­ge­nen Pro­jekts „Stutt­gart 21“ durch die Stadt Stutt­gart – und ande­re baden-würt­tem­ber­gi­sche Pro­jekt­part­ner – ist, wie das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt betont, nicht an dem Gebot der Kon­ne­xi­tät von öffent­li­chen Auf­ga­ben und Aus­ga­ben aus Art. 104a Abs. 1 GG zu mes­sen. Der Bau von Schie­nen­we­gen und damit zusam­men­hän­gend von Bahn­hö­fen ist seit der Pri­va­ti­sie­rung der Eisen­bah­nen des Bun­des nicht mehr Ver­wal­tungs­auf­ga­be des Bun­des, son­dern obliegt nach Art. 87e Abs. 3 GG den pri­va­ti­sier­ten Eisen­bahn­in­fra­struk­tur­un­ter­neh­men aus­drück­lich „als Wirt­schafts­un­ter­neh­men.

Der Bund nimmt die ihm nach Art. 87e Abs. 4 GG ver­blei­ben­de Gewähr­leis­tungs­ver­ant­wor­tung für den Schie­nen­bau durch Maß­nah­men der Finan­zie­rung, der Steue­rung und Beauf­sich­ti­gung die­ser Unter­neh­men wahr. Die Betei­li­gung des Lan­des Baden-Würt­tem­berg und der beklag­ten Lan­des­haupt­stadt Stutt­gart an der Finan­zie­rung des Schie­nen­we­ge­bau­pro­jekts stellt des­halb kei­ne unzu­läs­si­ge Mit­fi­nan­zie­rung frem­der öffent­li­cher Auf­ga­ben nach Art. 104a Abs. 1 GG dar. Damit ent­fällt ein auf die­se Ver­fas­sungs­norm gestütz­ter Nich­tig­keits­grund für den Finan­zie­rungs­ver­trag zu „Stutt­gart 21“.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 14. Juni 2016 – 10 C 72015 -

  1. VG Stutt­gart, Urteil vom 17.07.2013 – 7 K 4182/​11[]
  2. VGH Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 21.04.2015 – 1 S 1949/​13[]