Tarot­kar­ten­le­gen – und die Son­der­nut­zungs­er­laub­nis

Das Legen von Tarot­kar­ten auf einer öffent­li­chen Stra­ße gilt als Dienst­leis­tung und nicht als Aus­übung einer künst­le­ri­schen Tätig­keit.

Tarot­kar­ten­le­gen – und die Son­der­nut­zungs­er­laub­nis

Mit die­ser Begrün­dung hat der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg in dem hier vor­lie­gen­den Fall den auf vor­läu­fi­ge Fest­stel­lung der Erlaub­nis­frei­heit gerich­te­te Antrag des Antrag­stel­lers auf Erlass einer einst­wei­li­gen Anord­nung abge­lehnt.

Ins­be­son­de­re in den acht­zi­ger Jah­ren war die Fra­ge, ob Stra­ßen­kunst erlaub­nis­frei ist oder einer stra­ßen­recht­li­chen Son­der­nut­zungs­er­laub­nis bedarf, recht­lich und gesell­schaft­lich sehr umstrit­ten. Im Jahr 1989 ent­schied das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, dass der grund­recht­li­che Schutz der Kunst­frei­heit nach Art. 5 GG nicht dazu zwingt, Stra­ßen­kunst erlaub­nis­frei zu gestat­ten, jedoch in aller Regel ein Anspruch auf Ertei­lung der Son­der­nut­zungs­er­laub­nis besteht, wenn die Prü­fung des Ein­zel­fal­les ergibt, das die stra­ßen­künst­le­ri­sche Dar­bie­tung weder die geschütz­ten Rech­te der Ver­kehrs­teil­neh­mer noch das Recht auf Anlie­ger­ge­brauch noch der Schutz der Gesund­heit im Fal­le erheb­li­cher Geräuschim­mis­sio­nen ernst­lich beein­träch­tigt wer­den [1]. Die Stadt Frei­burg hat im Febru­ar 2004 in ihrem Merk­blatt Stra­ßen­kunst und Stra­ßen­mu­sik unter bestimm­ten Bedin­gun­gen erlaubt.

Hier möch­te der Antrag­stel­ler im öffent­li­chen Stra­ßen­raum der Stadt Frei­burg für Pas­san­ten Tarot­kar­ten legen, sei es unter Ver­wen­dung eines klei­nen Klapp­tischs und zwei­er Klapp­stüh­le, sei es schlicht mit einem Papp­schild auf der Stra­ße sit­zend. Er meint, die­se Tätig­keit sei nach dem „Merk­blatt für Musiker/​innen und dar­stel­len­de Künstler/​innen“ der Stadt Frei­burg als Stra­ßen­kunst erlaub­nis­frei zuläs­sig.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs Baden-Würt­tem­berg fehlt es an einem Anspruch auf eine sol­che Anord­nung. Die vom Antrag­stel­ler beab­sich­tig­te Tätig­keit fal­le nicht unter den stra­ßen­recht­li­chen Gemein­ge­brauch, weil sie nicht in ers­ter Linie der Orts­ver­än­de­rung die­ne. Es sei auch kei­ne Wid­mung der öffent­li­chen Stra­ßen der Stadt Frei­burg dahin­ge­hend ersicht­lich, dass Tarot­kar­ten­le­gen dem Gemein­ge­brauch zuge­schla­gen wer­de. Fer­ner sei nicht erkenn­bar, dass Tarot­kar­ten­le­gen auf öffent­li­chen Stra­ßen der Stadt Frei­burg orts­üb­lich sei. Damit han­de­le es sich bei der vom Antrag­stel­ler begehr­ten Nut­zung um eine erlaub­nis­pflich­ti­ge Son­der­nut­zung. Die vom Antrag­stel­ler beab­sich­tig­te Tätig­keit des Tarot­kar­ten­le­gens sei auch nicht durch das „Merk­blatt für Musiker/​innen und dar­stel­len­de Künstler/​innen“ der Stadt Frei­burg im prak­ti­schen Ergeb­nis erlaub­nis­frei gestellt wor­den. Stra­ßen­kunst in die­sem Sin­ne lie­ge nur vor, wenn die Tätig­keit unter den Kunst­be­griff des Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG fal­le. Dies sei hier nicht der Fall. Es sei schon nicht ersicht­lich, dass der Antrag­stel­ler eine künst­le­ri­sche Tätig­keit aus­üben wol­le. Viel­mehr spre­che alles dafür, dass er im öffent­li­chen Stra­ßen­raum ledig­lich eine Dienst­leis­tung anbie­te.

Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg, Beschluss vom 22. Mai 2019 – 5 S 2592/​18

  1. BVerwG, Urteil vom 9. 11. 1989 – 7 C 81/​88BVerw­GE 84, 71[]